Journalisten zum Schweigen bringen

Filmplakat: Der Sohn des Mullahs

Wir könnten es ahnen, wenn wir nicht gerade zutiefst enttäuscht von manchen westlichen Regierungen wären. Wir könnten es wissen, wenn uns nicht gerade geschickte Propaganda-Attacken und subtile Unterwanderungsmassnahmen der Islamischen Republik Iran und ihrer zahlreichen verlängerten Arme überfluten würden. Nach diesem Film werden wir wieder mehr Methoden kennen, wie das Regime in Iran Chaos und Verwirrung stiftet und immer wieder ausgebildete Journalisten, Blogger, Strassenberichterstatter und Zeugen der Machenschaften des Regimes zum Schweigen zu bringen versucht.

Ruhollah Zam, Journalist und der Sohn eines Mullahs

Der Sohn des Mullahs“ kommt im Juni in ausgesuchte deutsche Kinos. Nahid Persson Sarvestani hat diesen Dokumentarfilm als Projekt begonnen, das einen möglichen Sturz des Regimes durch Enthüllungen über korrupte Geistliche und andere Verantwortliche des Regimes zeigen hätte können. Doch die Dokumentation des klandestinen Lebens eines exilierten iranischen Journalisten nimmt eine unerwartete Wendung.

Ruhollah Zam (lies Sahm) ist der Sohn eines Geistlichen der ersten Revolutionsstunden, der das Regime mit aufgebaut hat und das Herrschaftsprinzip des Obersten Rechtsgelehrten (Obersten Führers) gutheisst. Der Vater nannte seinen Sohn nach dem Führer der Revolution Ajatollah Ruhollah Chomeini. Ruhollah hätte ein gutes Leben haben können. Er hätte alle Annehmlichkeiten westlicher Luxusliebhaber haben können. So wie zahlreiche Kinder der Revolutionäre erster Stunde. Doch entschied er anders.

âmadnews – ein Kanal, der das Regime schreckt

Die Regisseurin hat Zugang zum Familienleben von Ruhollah Zam im französischen Exil. Aufgrund eindeutiger Drohungen wird er von Polizisten beschützt und lebt von staatlicher Unterstützung. Ruhollahs Bewegungsradius ist eingeschränkt. Seine Frau und die beiden Kinder gehen Wege der Integration, während Ruhollah seinen Telegram-Kanal âmadnews betreibt. Er will die Korruption und Heuchelei der scheinbar frommen Eiferer aufdecken.

Neben seinen Schreib-, Hör-, Sprech-, Koordinations- und Veröffentlichungsaufgaben wird er in einem asketischen Alltag als liebevoller Vater und besorgter Ehemann gezeigt. Sein Geist lebt in Iran. Er träumt von einem Ende des Tod bringenden Regimes. Telefon und Computer sind seine Begleiter durch den Tag, um an Nachrichten, Dokumente zu gelangen und 2 Millionen Interessierte in Iran mit relevanten Hintergrundnachrichten zu versorgen. Das Regime beobachtet genau, wie seine Nachrichten Unruhen im Land fördern und auch im Westen Leute auf die dunklen Seiten des Regimes aufmerksam werden.

Ekel vor der heuchlerischen Fassade der Staatsgeistlichen

Ruhollah Zam hatte als Jugendlicher über seinen Vater Zugang zum Obersten Führer. Er fand ihn nett. Bis er mehr und mehr Ekel vor der heuchlerischen Fassade der politisch-ideologischen Kaste der Staatsgeistlichen entwickelte. Schliesslich nahm er an Protesten teil, wurde verhaftet und gefoltert. Wollte sich das Leben nehmen. Die Gefahr seinen Sohn zu verlieren, brachte seinen Vater in Rage, der dem zuständigen Staatsanwalt seine Aufwartung machte und den Sohn gleich aus dem Gefängnis mitnehmen konnte. Das Leben des Sohnes war zunächst gerettet, doch der Sohn schwor Rache an seinen Folterern, an dem Regime und der Machtelite. Er floh in den Westen und nutzte Kontakte in Iran, um an Dokumente über korrupte Geldschiebereien hoher Geistlicher und deren Kinder heranzukommen.

Fallen stellen

Das Regime in Iran legt mit seinen zahlreichen Agenten Fallen für ihn aus. Ruhollah Zam ist beschwingt vom Geist, das Regime zu Fall zu bringen. Er vertraut sehr schnell auch falschen Leuten. Das Leben im bewachten Exil behagt ihm nicht. Seine Sehnsucht, im Heimatland zu leben, ist sehr stark. Sein Vater warnt, dass die Revolutionsgarden Ruhollahs Leben beenden wollen. Zusätzlich verführt ihn die Aussicht auf 2 Millionen Dollar für den Aufbau eines Reichweiten starken Senders im Exil, in den Irak zu fliegen. Dort lauern ihm die Revolutionsgarden auf, entführen ihn in den Iran. Wir wollen nicht alles vorwegnehmen.

Die Geschichte hat weitere Protagonisten, wie zum Beispiel Ali Javanmardi, ein weiterer Journalist, der zum Schweigen gebracht werden soll. Ihm gelingt es, eine infiltrierte Agentin aufzudecken. Auch der Vater Ruhollah Zams tritt nochmals auf. Seine Rolle und sein Blick auf das Regime haben sich nachhaltig verändert.

Rolle von Frauen

Nahid Persson fängt neben dem Fokus auf die tragische Geschichte Ruhollah Zams auch feinfühlig die Auswirkungen auf seine Frau und vor allem seine ältere Tochter ein. Sie leben sein Tun mit und bangen um ihn. Schliesslich setzt die Tochter den Kampf ihres Vaters gegen ein mörderisches Regime fort. Während in Iran Frauen zu tausenden den offenen Widerstand gegen die engen Vorstellungen und Obsessionen der Machthaber um Haare und Bedeckungen proben, geben mutige Frauen im Exil diesen eine Stimme. Mütter, Frauen und Töchter lassen sich nicht mehr einschüchtern und sind entschlossen bei Strassenprotesten dabei, führen sie an oder versuchen auf die deutsche Politik einzuwirken, die leider wenig mehr als warme Worte zu bieten hat.

Trailer zum Film

Ins Kino gehen

Der Film wird zuerst am 12. Juni 2024 in Berlin gezeigt, während die Regisseurin Nahid Persson Sarvestani zu Gast ist. Hamburg, Dortmund und Köln folgen mit anschliessender Diskussionsrunde in Anwesenheit der Regisseurin.

Wer den Film sieht, wird nicht nur ein Stück Zeitgeschichte besser verstehen. Es ist auch ein Akt der Solidarität mit den Menschen in Iran, die von einem klerikal-faschistischen Regime terrorisiert und um jegliche Rechte und Besitz gebracht werden. Für Journalisten ist der Film Pflichtaufgabe. Journalisten dürfen nicht zulassen, dass Zensur und Omertà zur Regel werden, mit der Diktaturen sich jeglicher Kritik entledigen oder gar selbst unbewusst zu Steigbügelhaltern werden.

Wir haben ein Interview mit Nahid Persson Sarvestani zu Iran und ihrem Film „Der Sohn des Mullahs“ geführt. Darin beklagt sie, wie sich gerade professionelle Journalisten von den Tricks der Regime Agenten täuschen lassen.

Im Weiteren geben wir einen Überblick über Spielorte und Zeiten. Sie stammen von der Website des Vertreibers in Deutschland: Rise&Shine.

BERLINPREMIERE in den Eva Lichtspiele, 12.06.2024, 19.30, mit anschliessendem Filmgespräch

Gäste: Regisseurin Nahid Persson Sarvestani, Christopher Resch (Reporter Ohne Grenzen), Susanne Klein (Amnesty International Deutschland Ortsgruppe Iran). Premierenkarten reservieren: Tel: +49 30 92255305

KINOTERMINE 2024 mit der Regisseurin Nahid Persson Sarvestani zu Gast:

Hamburg: Abaton, 13.06.24, 19.30, in Kooperation mit Diwan e.V., TICKETS

Dortmund: sweetSixteen Kino, 14.06., 17.30, moderiert von Kay Bandermann (vom DJV), TICKETS

Köln: ODEON-Lichtspieltheater, Sa. 15.06.24, 17.30, Moderation: Zoya Sepehri (free_human) in Kooperation mit der Initiative free_human Köln & Diwan

KINOTERMINE 2024 Film pur

Aachen: APOLLO KINO & BAR, Do 13.06., 20.00, So 16.06., 16.00, Mo 17.06., 20.00, TICKETS

Bad Füssing: Filmgalerie, Fr. 14.06.,19.30 Uhr, Do. 20.06., 16.30, Sa. 06.07., 16.30

Bochum: Casablanca, 16.-18.06., TICKETS

Bonn: Neue Filmbühne, 19.06.24, 20.00, mit anschliessendem Filmgespräch in Kooperation mit FRAUEN* LEBEN FREIHEIT BONN, TICKETS

Brake: CENTRALTHEATER, Do. 20.06. – Fr. 21.06.,19.30, Mo. 24.06.- Mi. 26.06., 19.30, TICKETS

Dortmund: sweetSixteen Kino, Do.13.06. – Mi. 26.06.24, TICKETS

Hannover: Kino am Raschplatz, Sa. 15.06., Sa. 22.06., So. 23.06. jeweils Matinee TICKETS

Hannover: Kino im Sprengel, Do. 27.06.24, 20.30, PROGRAMM in Kooperation mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.

Hirschberg-Leutershausen: Olympia-Kino, 3 Termine ab 13.06. (tba)

München: Monopol Kino, ab 13.06.24

Nürnberg: Cinecittá Multiplexkino, Do. 13.06. – Mi.19.06.24, in Kooperation mit Menschenrechte.org Nürnberg, TICKETS

Nürtingen: Traumpalast, 15.09. & 17.09.24

@Helmut N. Gabel, mehriran.de, Juni 2024

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Kritisch zum Regime. Hintergründe, Fotos, Berichte zu Iran. Positiv zu Land und Leuten.