Gerechtigkeit und Mut

Abbas_Kargar_Javid

Abbas Kargar Dschavid

Bürger im Einsatz für Freiheit in Iran wünschen sich mehr Aufmerksamkeit

mehriran.de – Wie geht es weiter im Iran? Mahmoud Ahmadinedschad ist für seine zweite Amtszeit vereidigt. Er will drei Frauen für sein neues Kabinett vorschlagen. So viel steht fest. Weniger klar ist, wie es mit der grünen Bewegung im Iran weitergeht und wie es um die Gerechtigkeit steht. Die Vorgänge um die vermutlich gefälschte Wahl sind im Westen kaum noch Thema. Während sich Bürger in Teheran immer noch unter Lebensgefahr versammeln, um ihrem Protest gegen den Ausgang der Wahl und die Menschen verachtenden Einsätze von Basiji Einheiten und anderen Stützen des Regimes, Ausdruck zu verleihen, erlahmt das Interesse im Westen am Schicksal der nach Freiheit dürstenden Iraner. Dr. Arash Hejazi,  Student an der Oxford Brookes University, ist ratlos und verzweifelt. Er findet: “Ich bin in Großbritannien und sehe, wie meine Landsleute im Iran leiden und die westlichen Medien über die Vorgänge mehr und mehr schweigen. Die Menschen im Iran tun alles Mögliche um ihre Unzufriedenheit mit dieser betrügerischen Regierung zu zeigen, sie riskieren ihr Leben dafür, aber keiner interessiert sich dafür. Ich bin frustriert und sehr traurig.“ Hejazi ist der Arzt, der bei den Protesten in Teheran versuchte das Leben von Neda Soltan zu retten. Er befand sich auf einer Geschäftsreise im Iran, als die Proteste losbrachen. Nachdem sein Bild in Verbindung mit der Rettungsaktion um die Welt ging, rettete er sich wieder nach Großbritannien, wo er zur Zeit mit seiner Frau und seinem Kleinkind dank eines Visums bis Januar bleiben kann. 

„Wir sind keine Mörder! Tut ihm nichts!“

Das Regime im Iran hält Dr. Hejazi für einen Agenten und Kollaborateur der Feinde Irans. Diesen Vorwurf hat der Polizeichef Irans Brigadier-General Esmail Ahmadi- Moqaddam vorgebracht. Eine Rückkehr in den Iran hätte ernste Folgen für Dr. Hejazi. Was die Vertreter des Regimes besonders stört ist ein Interview, das Dr. Hejazi der BBC zu dem Tod von Neda Soltan gegeben hat. Darin beschrieb er wie ein Bassiji-Mitglied Neda erschoss, der dann von den Demonstranten aufgehalten wurde. Ein Teil der Menge wollte ihn lynchen, doch setzten sich andere durch, die sagten: „Wir sind keine Mörder. Tut ihm nichts.“ Man einigte sich darauf ihm seine Personalien abzunehmen und ihn laufen zu lassen.

Der Ausweis identifiziert den Bassiji Mann als Abbas Kargar Javid. Das Foto seines Personalausweises wurde ins Internet gestellt. Dr. Hejazi bestätigte gegenüber der Times die Identität des Schützen: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass es sich um die selbe Person handelt.“ Dieses Zeugnis und das Interview mit der BBC ist ein Schlag ins Gesicht für das Regime, das felsenfest darauf beharrt, es seien ausländische Agenten gewesen, die die junge Frau erschossen. Neda Soltan ist zu einem weltweiten Symbol des Widerstands gegen die Regierung Ahmadinedschads geworden. Sie verblutete am Boden liegend. Die mit einer Mobilfunkkamera aufgenommene Szene ist schockierend, unter anderem weil man in ihren Augen die letzten Augenblicke ihres Todeskampfes sieht.

Soweit bekannt ist, sind keine rechtlichen Schritte gegen Abbas Kargar Javid unternommen worden. „Das ist im Moment die Situation, wie im Iran Gerechtigkeit geschaffen wird.“ – Dr. Hejazi bringt seine Abscheu vor den Zuständen auf den Punkt, angesichts der zahlreichen Verhaftungen, Folterungen und Tötung friedlicher Demonstranten. 

Auch der englische Fotograf der BBC, John Leyne, braucht sich im Iran nicht mehr blicken lassen: auch er wurde verdächtigt einen Mörder gedungen zu haben, der Neda erschießt, damit er gute Fotos in die Heimat schicken kann. Hingegen muss sich Abbas Kargar Javid keine Sorgen machen. Das Regime beschützt ihn. Sein Telefon hat eine Geheimnummer bekommen und Verfolgungen staatlicherseits stehen nicht zur Debatte. 

Wird der neu ernannte oberste Richter Sadeq Larijani, ein jüngerer Bruder des Parlamentssprechers und Nachfolger Ayatollah Schahroudis, für Gerechtigkeit sorgen? Er gilt als Hardliner. Die Tribunale gegen 100 führende Reformpolitiker sind noch nicht abgeschlossen.

© mehriran.de, Helmut N. Gabel

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