Von der Revolution zum Putsch – 1. Teil

Revolution_Reza Pahlavi_Maryam Rajavi

„Von der Revolution zum Putsch“ ist eine Serie von Artikeln, die in die Geschichte Irans einführt, aufzeigt, wie es dazu gekommen ist, dass ein islamisches Regime installiert wurde und welche Perspektiven für einen zukünftigen freien Iran greifbar sind.

Die jüngste Oppositionsveranstaltung in München mit Reza Pahlavi hat sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. In Iran spotteten regierungsnahe Medien über das Treffen und nannten es eine kleine Show aus dem Ausland ohne Verbindung zur Bevölkerung. Sie hielten Pahlavis Aussage von “50.000 Unterstützern im Land” für unrealistisch und nutzten die Diskussion um seine Einladung zur Münchner Sicherheitskonferenz, um zu zeigen, dass Europa ihm angeblich nicht vertraut.

Ausserhalb Irans sahen viele unabhängige und westliche Medien das Treffen als wichtigen Schritt, um die Opposition zusammenzubringen.  Andere Gegner warfen der Veranstaltung vor, zu sehr auf Pahlavi konzentriert zu sein, ohne viele andere Gruppen einzubeziehen, und kritisierten, dass es keinen klaren Plan für die Zusammenarbeit mit Kräften im Land gebe.

Nur wenige Tage später, am 31. Juli, organisierte Maryam Rajavi von der MEK in Rom den “Free Iran Summit” mit dem Schwerpunkt auf Regimewechsel durch organisierten Widerstand. Dass beide Veranstaltungen so nah beieinander lagen, könnte eher am allgemeinen Schwung der Exil-Aktivitäten liegen als an einer geplanten Absprache. Beide wollten aber Führungsansprüche im Anti-Regime-Lager zeigen: Pahlavi setzt auf einen geordneten Übergang zur Republik durch Zusammenarbeit, die MEK/NCRI auf ihren „dritten Weg“ und ihren Zehn-Punkte-Plan.

Insgesamt wirkt die zeitliche Nähe eher wie ein Zeichen zunehmender Aktivität der Opposition im Ausland als wie eine gezielte gemeinsame Strategie.

Diese beiden hochrangigen Treffen in München unter der Leitung von Reza Pahlavi und Rom organisiert von der MEK/NCRI unter Maryam Rajavi verdeutlichen nicht nur die aktuellen strategischen Unterschiede zwischen den beiden Lagern, sondern spiegeln auch eine langjährige Rivalität wider, die bereits vor der iranischen Revolution von 1979 begann.

Vor der Revolution von 1979 war Reza Pahlavi der Kronprinz des Iran unter der Pahlavi-Monarchie. Die MEK (Mudschahedin-e Khalq) hingegen war eine radikale revolutionäre Gruppe, die in den 1960er Jahren gegründet wurde und sich sowohl dem Schah-Regime als auch dem westlichen Imperialismus widersetzte und marxistische Ideen mit islamischen Prinzipien vermischte.

Die MEK betrachtete die Pahlavi-Monarchie als Werkzeug ausländischer Mächte, insbesondere der USA und Israels, und hielt ihren Sturz für notwendig für die Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit des Iran. Sie leistete bewaffneten Widerstand, darunter Attentate und Bombenanschläge auf Regimemitglieder und US-Personal im Iran.

Andererseits stufte die Regierung des Schahs die MEK als terroristische und subversive Organisation ein und ging hart gegen ihre Mitglieder vor. Die Monarchie betrachtete sie als destabilisierende Kraft, die mit linken oder ausländischen Interessen verbündet war.

Das führte zu einem starken ideologischen und politischen Konflikt zwischen beiden Gruppen. Die einen, die Monarchisten, unterstützten die Monarchie und wollte den Iran von oben modernisieren. Die anderen – die MEK- kämpften für eine Revolution gegen die Monarchie und setzten dabei auf bewaffneten Widerstand. Nach dem Sturz des Schahs im Jahr 1979 wurden beide Gruppen von der neuen Islamischen Republik unter Ajatollah Chomeini aus der Politik ausgeschlossen.

Danach gingen sie sehr unterschiedliche Wege: Reza Pahlavi sprach sich für einen friedlichen Übergang zu einer säkularen Demokratie aus. Zuerst mit monarchistischen Ideen, später mit dem Ziel nationaler Einheit und demokratischer Prinzipien.

Die MEK arbeitete zunächst mit dem islamischen Regime zusammen, wurde dann aber zu einem seiner schärfsten Gegner. Sie kämpfte gewaltsam gegen die Regierung und arbeitete sogar mit Saddam Hussein während des Iran-Irak-Kriegs zusammen, ein Schritt, der ihr Ansehen bei vielen Iranern stark beschädigte.

Beim Treffen in München ging es darum, verschiedene Oppositionsgruppen und zivilgesellschaftliche Akteure zu vereinen, mit Reza Pahlavi als gemeinsames Symbol für einen demokratischen Wandel.

Beim Gipfel in Rom zeigte die MEK bzw. der NWRI ihr gut organisiertes Netzwerk und ihre lange Erfahrung im Widerstand. Allerdings arbeitete sie nicht mit anderen grossen Oppositionsgruppen zusammen, sondern blieb für sich.

Beide Gruppen wollen als die wichtigste Stimme der iranischen Opposition gelten. Ihre jüngsten Veranstaltungen zeigen nicht nur den gemeinsamen Wunsch nach einem Regimewechsel, sondern auch einen Wettstreit um Führung, Einfluss und politische Legitimität für die Zukunft Irans nach der Islamischen Republik.

Man kann sagen: Dieser Konkurrenzkampf hat seine Wurzeln schon in den letzten Jahren der Schah-Zeit und setzt sich heute im Exil fort.

Legitimation und Verstösse gegen die Verfassung

Die Monarchie unter Mohammad Reza Schah, dem zweiten König der Pahlavi-Dynastie, war rechtlich gesehen eine gesetzlich anerkannte Regierung, da seine Herrschaft im Jahr 1925 durch die Verfassung der konstitutionellen Monarchie und die Zustimmung der Verfassungsgebenden Versammlung bestätigt wurde.

Trotz dieser rechtlichen Legitimität hat das Pahlavi-Regime oft selbst gegen die Verfassung verstossen. Der Schah schränkte die Arbeit des Parlaments ein, schaffte Meinungsfreiheit ab, verbot politische Parteien, und regierte autoritär, teilweise durch Repression, Polizei und den Geheimdienst SAVAK. Diese Verstösse gegen die Verfassung führten zu wachsender Unzufriedenheit in der Gesellschaft.

In dieser Lage fühlten sich viele Gegner der Regierung machtlos, da friedlicher und gesetzlicher Widerstand kaum möglich war. Der Ingenieur Mehdi Bazargan war einer der führenden Köpfe der iranischen Freiheitsbewegung. Diese Gruppe war friedlich und kämpfte mit zivilen Mitteln gegen die Diktatur von Mohammad Reza Schah Pahlavi. Schon 15 Jahre vor der Revolution von 1979 schrieb Bazargan in einem Brief an den Schah: „Wir sind die letzte Gruppe, die noch in friedlicher Art mit Ihnen spricht.“

Deshalb entstanden verschiedene bewaffnete Gruppen, wie die Volksmudschahedin oder die Fedajin. Sie glaubten, dass eine Reform des Systems nicht mehr möglich sei, und wollten den Schah und die Monarchie ganz abschaffen.

Im Gegensatz dazu standen Gruppen wie die Nationale Front oder die Freiheitsbewegung Irans, die weiterhin versuchten, auf gesetzlichem und demokratischem Weg die Verfassung zu verteidigen und die Monarchie zur Einhaltung der Regeln zu zwingen.

Die bewaffneten Gruppen jedoch kämpften nicht für die Rückkehr zur Verfassung, sondern gegen das ganze System – damit stellten sie sich nicht nur gegen den Schah, sondern auch gegen die Idee einer verfassungsmässigen Ordnung.

Gründe für die Revolution

Zusammenfassend lässt sich sagen:

• Der Schah hatte eine rechtliche Grundlage, aber sein Verhalten war oft verfassungswidrig.

• Die bewaffneten Gegner reagierten ebenfalls ausserhalb des Gesetzes, anstatt für die Einhaltung der Verfassung zu kämpfen.

Somit haben beide Seiten zur Zerstörung des konstitutionellen Systems beigetragen – der Schah durch Machtmissbrauch, und die militanten Gruppen durch radikalen Umsturz.

Keine der beiden grossen Oppositionsgruppen hat derzeit eine klare oder verlässliche rechtliche Grundlage, auf die sie sich stützen kann. Solange es eine solche gemeinsame Grundlage nicht gibt, ist es unmöglich, ein gemeinsames legales Rahmenwerk zu schaffen, das eine breite Allianz (Koalition) der Opposition ermöglicht und dieser Zustand ist vorteilhaft für die Islamische Republik und genau das ist ein Grund zur Sorge sowohl im Iran als auch im Ausland.

In den nächsten Abschnitten wird dieses Thema genauer untersucht und erklärt, welche Folgen das haben kann und wie man möglicherweise zu einer Lösung kommt.

©Afshin Sajedi für mehriran.de, 07.08.2025

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