Unvorstellbare Gewalt – Zeugen berichten

Unvorstellbare Gewalt

Unvorstellbare Gewalt – Zeugen berichten ist eine Sammlung von Schilderungen über das Massaker des Regimes in Iran an vermutlich an die 20.000 zumeist jungen Iranerinnen und Iranern.

Ein iranischer Arzt, der sich inzwischen sicher ausser Landes befindet, schildert in seinem Augenzeugenbericht die grausame Brutalität der Regime Sicherheitskräfte bei den Protesten im Januar 2026.

„Ich habe Schussstafetten gehört wie nie zuvor“, sagte der Arzt und beschrieb den Einsatz von schweren DSchK-Maschinengewehren, die auf Pick-ups der Revolutionsgarden montiert waren und durch die Strassen von Isfahan fuhren. „Zeugen haben gesehen, wie sie montiert waren und feuerten. In Teheran war ich im Operationssaal, aber am Freitag in Isfahan bin ich mir sicher, dass es DSchK-Feuer war.“

Die Zerstörung war flächendeckend. „Keine einzige Ampel mehr intakt. Keine einzige Bushaltestelle mehr.“ Regierungsgebäude, Polizeistationen und Gemeindeämter wurden gezielt angegriffen, um den Staat lahmzulegen. Die Straßenreiniger wurden angewiesen, früher als üblich mit ihrer Arbeit zu beginnen, um die Schäden zu vertuschen. „Sie wären schockiert, wenn Sie es sähen.“

Die Gewalt eskalierte rapide, nachdem den Sicherheitskräften mitgeteilt wurde, dass es keine strafrechtlichen Folgen geben würde. „Sie behandelten die Situation wie im Kriegszustand. Unterdrückung um jeden Preis.“ Ein Beamter warnte die Bewohner: „Gehen Sie am Samstag nicht auf die Strasse, sonst werden Sie Ihr Leben verlieren.“ Der Arzt sagte: „Er hatte recht.“

Unvorstellbare Gewalt: Angriff der Regime Kräfte auf unbewaffnete Demonstranten

Auch Unbeteiligte blieben nicht verschont. „Man muss kein Demonstrant sein, um erschossen zu werden. Man kann einfach nur vorbeigehen.“ Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen eines Vaters, der um sein Kind weinte, das auf der Strasse erschossen worden war.

Die verwendeten Waffen schockierten selbst erfahrene Fachleute. „Wo auf der Welt hat man die Erlaubnis, auf offener Strasse mit automatischen Waffen zu schiessen?“, fragte der Arzt. „Selbst mit militärischer Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass Kalaschnikows selbst auf Schießständen nicht im Dauerfeuer eingesetzt werden dürfen.“

Die Fälle von Gewalttaten zeigten eindeutig Absicht. „Brutal. Tötungsabsicht. Erster Schuss in den Bauch. Erster Schuss in die Brust. Wahlloses Feuer in Menschenmengen.“ Er fügte hinzu: „So etwas gehört nicht zur Polizeiausbildung. Hier war es vorsätzlich.“

Krankenhäuser und Ärzte waren überlastet. „Am Donnerstag und Freitag erhielt ich innerhalb von 24 Stunden schätzungsweise 300 bis 500 Anrufe. Mein Telefon klingelte ununterbrochen und überhitzte. Ich musste es dreimal aufladen.“ Aus Angst vor Überwachung sprachen die Menschen in Geheimsprache. Bei Schrotverletzungen rieten die Ärzte: „Lassen Sie die Schrotkugeln drin. Keine Sorge. Sie werden sich nicht entzünden. Auf dem Röntgenbild sind sie kaum zu sehen. Die Scanner am Flughafen werden sie nicht erkennen.“

Die Verletzten waren zwischen 16 und 70 Jahre alt, die meisten zwischen 18 und 28. „Ein Kollege erzählte mir, dass während einer Nachtschicht acht Leichen mit Schrotkugeln im Gesicht eingeliefert wurden. Die Gesichter waren unkenntlich. Viele Leichen sind überhaupt nicht mehr identifizierbar.“

Trotz der Gewalt bewiesen die Demonstranten aussergewöhnlichen Mut. Parolen wie „Nieder mit Chamenei“ wurden offen gerufen. Der Arzt sagte: „Der Mut dieser jungen Menschen war erstaunlich. Ihre Wut und Verzweiflung waren so gross, dass sie sogar ein hundertprozentiges Risiko in Kauf nahmen, erschossen zu werden, um dem ein Ende zu setzen.“

Der Bericht beschreibt ein Regime, das sich im Krieg mit dem eigenen Volk befindet. Das Ausmass der Gewalt, so der Arzt, sei weitaus schlimmer als das, was öffentlich berichtet wurde.

Aussagen von Freunden in Iran

Golineh Atai wurde im Iran geboren und floh 1979 mit ihren Eltern nach Deutschland. Sie ist preisgekrönte Journalistin, die seit 2022 das ZDF-Studio in Kairo leitet. Auf X teilt sie Ausschnitte aus Gesprächen mit Menschen im Iran.

Unvorstellbare Gewalt: Golineh Atai postet Botschaften aus dem Iran auf der Plattform X

„Ich weiss nicht, wie ich mit so viel Schmerz und Trauer leben soll.“

„Sie können sich nicht vorstellen, was geschehen ist.“

„Nichts wird mehr so sein wie zuvor.“

„Ist die Welt überhaupt bereit, sich dieser Katastrophe zu stellen? Ist sie in der Lage, nicht wegzuschauen?“

„Nachts stürmen sie Privathäuser und treten die Türen ein.“

„Wir alle empfinden Schmerz, Wut und Hass.“

„Auf dem Friedhof von Isfahan sind unzählige Menschen versammelt. Sie haben die Leichen in Kühlwagen hergebracht. Blut tropfte aus den Wagen.“

„Ich bin völlig hoffnungslos und erschöpft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich von innen heraus etwas ändert. Sie haben uns mehr infiltriert, als Sie denken. Sie haben alles, um jeden einzelnen von uns zu töten.“

„Die Islamische Republik hatte recht, als sie versprach, das Volk zu ernähren. Ja, sie haben uns mit Kugeln ernährt.“

„Die Situation erinnert mich an Orwells 1984. Überall hört und sieht man ihre Propaganda, während man aufgrund des Terrors, den sie über uns gebracht haben, die Fähigkeit zu sprechen verloren hat.“

„Sie haben den Demonstranten getötet. Er hatte eine Tätowierung auf seinem Mittelfinger, die eine Krone zeigte. Sie haben auch auf diesen Finger geschossen.“

Wurden israelische und US-Agenten getötet?

Regime Verantwortliche verbreiten die Behauptung, die Aufstände seien von fremden Agenten angezettelt und angeleitet worden. Es ist das übliche Narrativ der Ideologen des islamistischen Staates. Die eigenen Verbrechen werden sofort den Gegnern oder Feinden zugeschrieben.

Unvorstellbare Gewalt: Demonstranten rufen „Nieder mit Chamenei“ (Margh bar Chamenei)

So kaut der bekannte Berater und Mitglied der Revolutionsgarden, Mohsen Rezaei, die Behauptung wieder, die USA hätten nur Interesse an iranischem Öl und Gas und würden deshalb Iran angreifen wollen. Er droht vor allem dem US-Präsidenten Trump, jeglichen Angriff auf Iran abzuwehren und sich auf keinen Waffenstillstand einzulassen.

Solche Aussagen sind nicht nur für Trump gedacht, sie sollen auch die eigene militante Basis im Selbstvertrauen stärken und motivieren, sowie die derzeitige Schwäche des Regimes unter einen Teppich aus Drohungen und Stolz zu kehren.

Unvorstellbare Gewalt: Mohsen Rezaei droht Donald Trump und dem Westen

Demgegenüber sehen wir Videos und hören wir tausendfache Aussagen von Menschen unterschiedlichster Provinzen über das brutale Niederknüppeln, gezielte Gesichts- und Herztreffer, Verfolgung von Verwundeten in die Krankenhäuser inklusive Liquidationen per Kopfschuss.

Viele der Getöteten waren Minderjährige und Frauen und Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Athleten, Händler, Studenten, Arbeiter, Landarbeiter, Restaurant-Besitzer, Krankenschwestern, Autoverkäufer, Ingenieure. Passanten wurden wahllos niedergemetzelt, ganz gleich, ob sie protestierend unterwegs waren oder Besorgungen machten.

Unvorstellbare Gewalt: Zahra Bohloulipour massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Ali Estakhr massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Amir Hossein Shakari massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Negin Ghadimi massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Amirhossein Ghaderzadeh massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Sanam Pourbabai massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Nima Joozaei massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Ghazal Aghaei Lindi massakriert vom Regime
Unvorstellbare Gewalt: Alireza Rahimi massakriert vom Regime

Eines Tages wird das Massaker womöglich in seinem ganzen Ausmass dokumentiert sein. Diese kurze Auflistung ist ein winziger Ausschnitt dessen, was Menschen in Iran widerfahren ist. Möge dieser Tag auch jene nennen, die sich an dem Massaker beteiligt haben, die es befohlen haben und die es durch Appeasement Politik trotz besserer Einsicht zugelassen haben.

Zeichen der Unterstützung

Roberta Metsola ist seit dem 18. Januar 2022 EU-Parlamentspräsidentin. An ihrem Geburtstag (18.01.1979) war der Schah von Persien mit seiner Familie gerade mal 2 Tage (16.01.1979) aus dem Iran ausgeflogen und es sollte noch bis zum 1. Februar 1979 dauern bis Chomeini aus dem Pariser Exil mit Pomp und Jubel eingeflogen wurde.

Metsola hat zum ersten Mal am 8. Januar 2026 auf die Proteste in Iran reagiert. Es war eine der üblichen Solidaritätsbekundungen. An diesem Tag sollte das Massaker der Sicherheitsorgane des Regimes beginnen.

Unvorstellbare Gewalt: Europa steht an Eurer Seite (Roberta Metsola)

Am 9. Januar musste sie sich mit dem Vorwurf der Einmischung von Seiten der Iran Mission bei der EU auseinandersetzen. Sie legte gleich den Finger in die offene Flanke. Das Regime hatte das Internet abgeschaltet, behielt sich aber vor, aus allen Rohren seine Propaganda in die Welt zu feuern.

Unvorstellbare Gewalt: Regime nutzt freies Internet und verwehrt es der Bevölkerung (Roberta Metsola)

Am 11. Januar forderte sie das Regime auf, das Töten einzustellen. Es war klar, dass das Regime unvorstellbare Gewalt hatte walten lassen, aber das ganze Ausmass lag noch im Dunkeln. Gleichzeitig forderte sie von der EU, jetzt endlich zu handeln und den Solidaritätsbekundungen auch Taten folgen zu lassen.

Unvorstellbare Gewalt: Das Verlangen nach Freiheit ist uns allen Menschen eigen. (Roberta Metsola)

Am 12. Januar entschied sie, gegenüber Diplomaten und anderen Vertretern des Regimes ein Betretungsverbot auszusprechen.

Unvorstellbare Gewalt: Es kann nicht wie gewohnt weitergehen. (Roberta Metsola)

Am 13. Januar zeigte sie sich erschüttert über die Bilder der Gewalt, die nach und nach aus dem Iran sickerten. Sie kündigte an, verlässlich daran zu arbeiten, weitere Sanktionen gegen Personen zu erlassen und endlich die Revolutionsgarden (IRGC) auf die Terrorliste der EU setzen zu lassen.

Unvorstellbare Gewalt: Erschütternde Bilder aus dem Iran. (Roberta Metsola)

Die Menschen in Iran verdienen es, in Freiheit zu leben

Am 17. Januar erliess Roberta Metsola dann dieses Statement und lieferte die Erklärung, welche Konsequenzen von einer Listung der Garden zu erwarten seien: „Die Menschen im Iran verdienen es, in Freiheit zu leben. Das Europäische Parlament wird sich weiterhin dafür einsetzen, die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) als terroristische Organisation einzustufen.

Dies würde die Fähigkeit der IRGC, ungestraft zu agieren, weiter einschränken, ihren Cashflow und ihre Vorgehensweise stören und deutlich machen, dass sie keinen sicheren Hafen finden werden.

Ebenso wichtig ist, dass damit den mutigen Iranern auf den Strassen eine klare Botschaft vermittelt würde, dass Europa sie gehört hat, dass wir ihnen zur Seite stehen und dass wir gegen ihre Peiniger vorgegangen sind.“

Unvorstellbare Gewalt: Menschen in Iran haben es verdient in Freiheit zu leben. (Roberta Metsola)

Am 19. Januar hielt sie dann eine Rede im Plenum des EU-Parlaments, bei der sie die Mitglieder aufforderte für die Menschen in Iran zu applaudieren anstatt wie üblich Stille zu üben. Sie betonte, dass die Menschen in Iran 47 Jahre lang zum Schweigen gebracht wurden und es jetzt an der Zeit sein, sie in ihrem Ruf nach Freiheit zu hören.

Unvorstellbare Gewalt: Sie verdienen es frei zu sein. (Roberta Metsola)

Eine ernüchternde Rede am Abend des 20. Januar von der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas, zeugte von keinerlei Willen, das Regime in Iran hart anzugehen und war ein üblich weichgezeichnetes höfliches Auffordern, das Regime möge aufhören zu morden und lieber Dialoge mit den Demonstranten führen. Sehr irritierende, wenn man bedenkt, dass das Regime weiterhin Gefangene exekutiert, zum Tode verurteilt und Familien von Protestierenden enteignet, sowie hohe Geldsummen für das Überlassen der toten Körper ihrer Liebsten verlangt.

https://twitter.com/kajakallas/status/2013656967147852024?s=20

Starkes Zeichen der Solidarität

Eine der ersten Solidaritätszeichen sandte der Fussballverein Borussia Dortmund in die Welt. Doch insgesamt waren die Unterstützungssignale von Kirchen und Zivilgesellschaften in Europa eher zurückhaltend.

https://twitter.com/BVB/status/2012877938547372511?s=20
Unvorstellbare Gewalt: Freiheit für Iran, Solidarität vom BVB

Am 13. Januar mühte sich der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Frank Kopania, sich besorgt über die aktuellen Entwicklungen im Iran zu zeigen. „Gewalt gegen friedlich Protestierende und massive Einschränkungen von Freiheitsrechten sind nicht hinnehmbar“, erklärte der Leiter der Abteilung Ökumene und Auslandsarbeit im Kirchenamt der EKD.

Papst Leo XIV. beschwichtigte am Sonntag, 11. Januar bei seinem Angelusgebet und sprach von „anhaltenden Spannungen“ und dem „Tod vieler Menschen“ im Iran. Er fügte hinzu: „Ich wünsche und bete dafür, dass mit Geduld der Dialog und der Frieden gepflegt werden, um das Gemeinwohl der gesamten Gesellschaft zu verfolgen.“

In Großbritannien betet die anglikanische Bischöfin von Chelmsford, Guli Francis-Dehqani, angesichts der Anti-Regierungs-Proteste im Iran für eine „friedliche Lösung, die zu Gerechtigkeit und Freiheit führt“.

Die Organisation Open Doors, die sich für verfolgte Christen weltweit einsetzt, hat etwas ausführlicher Stellung bezogen: „Die landesweiten Proteste, die am 28. Dezember 2025 im Iran begannen, sind ein vertrautes, aber dennoch herzzerreissendes Bild, das wir aus der Vergangenheit kennen. Was sich derzeit auf den Strassen des Iran abspielt, ist nicht nur das Ergebnis wirtschaftlicher Zwänge und existenzieller Herausforderungen, sondern spiegelt eine weitaus tiefgreifendere Krise wider.“

Schon am 31. Dezember reagierte die in Frankfurt ansässige IGFM mit einem deutlichen Statement: „Im Iran fordern Hunderttausende Menschen auf den Straßen das Ende des diktatorischen Mullah-Regimes. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) appelliert erneut an die politischen Entscheidungsträger in Europa, die mutige iranische Zivilgesellschaft zu unterstützen.

Das Ende des Mullah-Regimes stärke nicht nur die Freiheit der Menschen in Iran, sondern auch die Freiheit der Menschen in Europa, teilten Iran-Experten im IGFM-Pressegespräch mit. Es gibt erste Festnahmen, die Menschenrechtsorganisation warnt vor massiver Gewalt der Sicherheitsbehörden gegen die Demonstranten.“

Das ist nicht verwunderlich, da die IGFM die Verfolgungen von Minderheiten und die systematischen Menschenrechtsverletzungen durch das Regime seit vielen Jahren beobachtet und regelmässig darüber berichtet.

Auch Amnesty International ist besorgt um Menschen in Iran: „Seit Ende Dezember 2025 gehen im Iran erneut tausende Menschen mutig auf die Straße. Was als Protest gegen die wirtschaftliche Not begann, ist längst auch wieder ein Ruf nach Freiheit. Sie verlangen den Sturz der Islamischen Republik und ein Ende der Unterdrückung.  

Und wieder ist die Antwort der iranischen Regierung brutal: Unsere aktuellen Untersuchungen belegen, dass Sicherheitskräfte scharfe Munition, Schrotmunition und Tränengas gezielt gegen friedliche Menschenmengen einsetzen.“

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Kritisch zum Regime. Hintergründe, Fotos, Berichte zu Iran. Positiv zu Land und Leuten.