Sagenhafter Zorn (Operation Epic Fury) Eine kurze Zusammenfassung der relevantesten Ereignisse der letzten zwei Tage in Iran.
Die Militärschläge gegen das islamistische Regime werden von Menschen in Iran gefeiert, von Experten in Europa heftig gescholten. Die einen sehen ihr Leben in Freiheit und Selbstbestimmung nahen, die anderen kritisieren das Erodieren eines zur Formalie verkommenen idealistischen Vereinbarung, das einst Leben schützen und Frieden wahren sollte: dem Völkerrecht.
Das US-Militär spricht von der „Operation Sagenhafter Zorn“. Für Israel scheint sich die Fortsetzung der „Operation Erwachender Löwe“ vom Juni 2025 in die „Operation Brüllender Löwe“ vom 28. Februar 2026 stimmiger anzuhören.
Für manche ein Erfolg, für andere ein Affront. Mit der ersten Salve die oberste Führungsebene des Militärs in Iran ausgeschaltet und innerhalb von weniger als 60 Sekunden 40 hochrangige Kommandeure getötet, berichten die IDF (Israeli Defense Force). Sowohl der Oberste Rechtsgelehrte Ali Chamenei als auch sein Berater Ali Schamchani lagen unter den Trümmern. Ihr Tod wurde offiziell auch vom Regime bestätigt.

Weitere hochrangige Mitglieder des Sicherheitsrates liessen bei den gezielten Schlägen ihr Leben: Mohammad Schirasi, der Leiter des Militärbüros von Ali Chamenei. Er soll für die Koordination zwischen den hochrangigen Befehlshabern der Streitkräfte des Regimes und dem Obersten Führer verantwortlich gewesen sein und als Schlüsselfigur an der Spitze der Machtstruktur des Regimes fungiert haben.
Mohammad Pakpour, Kommandeur des Korps der Islamischen Revolutionsgarden. Pakpour wurde als einer der wichtigsten Vordenker hinter dem von Israel als „Plan zur Vernichtung Israels“ bezeichneten Vorhaben des Regimes identifiziert. Laut dem Sprecher befehligte er die zentralen Streitkräfte des Iran und beaufsichtigte den Einsatz strategischer Feuerwaffensysteme gegen den Staat Israel. Pakpour leitete und unterstützte auch vom Iran unterstützte militante Organisationen im Ausland. Ihm wurde ausserdem eine führende Rolle bei der gewaltsamen Unterdrückung iranischer Demonstranten während der Proteste im letzten Monat zugeschrieben.
Auch der Verteidigungsminister Asis Nassirsadeh ist tot. Er war früher Kommandeur der Luftwaffe. Als ehemaliger stellvertretender Stabschef der Streitkräfte galt Nassirsadeh als verantwortlich für die Produktionsstätten für Langstreckenraketen und Waffensysteme, die an die Proxies des Regimes weitergeleitet wurden. Er könnte die SPND-Organisation (zuständig für Innovation und Forschung von Defensivwaffen) beaufsichtigt haben, die Projekte in den Bereichen nukleare, biologische und chemische Waffen vorangetrieben hat.
Reza Mozaffari-Nia war ein ehemaliger Leiter des SPND. Mozaffari-Nia könnte eine Rolle bei in der Entwicklung von Atomwaffen gespielt haben.
Hossein Dschabal Amelian war der Leiter der SPND. Amelian’s Aufgabe war wohl die Entwicklung fortschrittlicher Technologien und Waffen für das Regime. Vermutlich gehörten auch Projekte im Zusammenhang mit nuklearen, biologischen und chemischen Waffen dazu.
Saleh Assadi war ein hochrangiger Geheimdienstoffizier des Regimes. Assadi, Leiter des Geheimdienstes der iranischen Notfallkommandozentrale, war ein hochrangiger Geheimdienstoffizier innerhalb des Generalstabs. Es wird angenommen, dass Assadi daran beteiligt war, die Aussenpolitik des Iran gegenüber Israel und den Vereinigten Staaten zu beeinflussen.
Unter den Toten befindet sich laut Angaben des Militärs auch der Stabschef Abdolrahim Mussavi, der diese Position übernommen hatte, nachdem Bagheri im Krieg im Juni 2025 getötet worden war. Das Militär erklärt, Mussavi habe den iranischen Sicherheitsapparat geleitet und den Abschuss Hunderter ballistischer Raketen auf israelische Städte überwacht, bei denen israelische Zivilisten ums Leben kamen. Nach Einschätzung der IDF wurden die meisten hochrangigen Persönlichkeiten der Sicherheitsführung des Regimes in Iran bei dem Angriff eliminiert, was als schwerer Schlag für die Kommandostruktur Teherans gilt.

Die Vergeltung
Wie bereits im Vorfeld der Angriffe von Regime Vertretern angekündigt, wurden zunächst Ziele in der Nachbarschaft des Irans angegriffen. Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Qatar, Kuwait, Saudi-Arabien und Jordanien wehrten zunächst die meisten Geschosse ab.
Der berühmte Burdsch Chalifa Wolkenkratzer in Dubai entkam knapp einem Treffer durch Vergeltungsschläge des islamistischen Regimes, dafür brannten Hotels. In Bahrain wurde ein Hochhaus getroffen. In den VAE starb ein Mensch durch herabfallende Trümmerteile. In Kuwait wird auch ein Toter gemeldet.
Eine Frau wurde getötet und Dutzende weitere verletzt, als eine vom Regime in Iran abgeschossene Rakete am späten Samstagabend einen Wohnblock in Tel Aviv traf. Es handelte sich um den ersten tödlichen Beschuss Israels seit der Wiederaufnahme der Kämpfe mit dem Iran.
Bei einem Raketenangriff auf die israelische Stadt Beit Schemesch sind nach Angaben der Rettungsdienste mindestens neun Menschen ums Leben gekommen und 27 weitere verletzt worden.
Die Strategie der islamistischen Militärführung in Iran sieht vor, die Abwehrsysteme zunächst mit minderwertigeren Raketen und Drohnenschwärmen zu überlasten, bevor hocheffektive Waffensysteme eingesetzt werden.
Um das zu verhindern, haben Israel und die USA bereits zahlreiche Raketenlager, Abschussrampen und ähnliche Waffenverstecke angegriffen.
Am Sonntag erfolgten weitere Schläge gegen militärische Ziele des Regimes. Vier B2-Bomber flogen von den USA aus hin und zurück und warfen Dutzende von 2000-Pfund-Bomben auf unterirdische ballistische Raketenstellungen im Iran ab.

Sagenhafter Zorn: Ersatz?
Um das Regime zu steuern, sind nach dem Tod des Obersten Führers, drei Männer als Triumvirat an der Spitze ernannt worden. Neben Präsident Massud Peseschkian, wurden der Justizchef Gholam-Hossein Mohseni-Edschei und das Mitglied des Wächterrats Aliresa Arafi als Mitglieder des Führungsrats ernannt. Weiterhin wird diskutiert, wer der starke Mann als Ersatz für Ali Chamenei sein könnte.
Einer der wichtigsten Anwärter auf eine Position in einer zukünftigen Regierung ist der einflussreiche Ali Laridschani. Er ist ein im Irak geborener iranischer Politiker und ehemaliger Offizier der IRGC, der seit 2025 als Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates fungiert. Von 2008 bis 2020 war er Sprecher des iranischen Parlaments.
Während des 12-tägigen Krieges zwischen dem Iran und Israel im vergangenen Jahr benannte Ali Chamenei auch drei Kandidaten, die zu seinem Nachfolger ernannt werden könnten.
Die Position des Obersten Führers steht im Zentrum der komplexen Ideologie des Regimes in Iran, in der die Macht einerseits geteilt wird, aber das letzte Wort in allen Staatsangelegenheiten beim Obersten Führer bleibt, der auch Oberbefehlshaber des Militärs des Landes und der mächtigen Revolutionsgarden ist.
Der Oberste Führer muss laut Definition ein hoher schiitischer Geistlicher sein, der von einem Ausschuss, der Expertenversammlung, ernannt wird.
Berichten zufolge handelt es sich bei diesen drei Personen um den Vorsitzenden der Justiz, Gholam-Hossein Mohseni-Edschei, den stellvertretenden Stabschef von Chamenei, Ali Asghar Hedschasi, und Hassan Chomeini, einem Enkel des islamistischen Staatsgründers Chomeini.

Bundeskanzler Friedrich Merz zur aktuellen Politik der Bundesrepublik in Sachen Regime in Iran.
In Europa ringt man um eine passende und situationsgerechte Haltung gegenüber dem Regime und den gezielten Angriffen der Partner USA und Israel. Während manche wie Sahra Wagenknecht oder Jan van Aken das Völkerrecht bemühen, um die Angriffe zu kritisieren, zeigen Politiker wie Roderich Kiesewetter eine erstaunlich weitsichtige Einsicht, was die Zukunft eines freien Iran anbelangt.
Die Hauptkritik kommt aus USA-kritischen Lagern, die unterstellen, Donald Trump und Benjamin Netanjahu würden ausschliesslich aus geopolitischen Interessen (strategisch und Bodenschätze) das Regime niederringen wollen. Sie warnen gleichzeitig vor einem Flächenbrand in der Region und der Gefahr eines Bürgerkriegs in Iran.
Man wird nicht leugnen können, dass diese Länder ein Eigeninteresse an wirtschaftlichen und geostrategischen Vorteilen verfolgen. Würden sie es aber nicht darauf anlegen, dieses Regime in die Knie zu zwingen, um den Menschen in Iran zu ermöglichen, das Regime endgültig abzusetzen und das System des Welajat-e faghi (Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten) zu beenden, hätte die Welt weiterhin einen aggressiven Protagonisten zu ertragen, der seine sogenannte „Islamische Revolution“ mit allen Mitteln exportieren wollte.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich jetzt deutlich zu dem Vorgehen Israels und der USA geäussert und auch Fehler der Vergangenheit hinsichtlich des Regimes in Iran angedeutet.
Auszug: „Völkerrechtliche Einordnungen werden dabei relativ wenig bewirken, das gilt umso mehr, wenn sie weitgehend folgenlos bleiben. […] Deshalb ist jetzt nicht der Moment unsere Partner und Verbündeten zu belehren, bei allen Zweifeln teilen wir viele ihre Ziele, ohne selbst imstande zu sein, sie auch tatsächlich zu erreichen.“
©Helmut N. Gabel für mehriran.de, 01.03.2026



