Regime am Abgrund – wir wissen nicht wie lange es noch dauern wird, wir sehen aber, dass es unausweichlich ist.
Das Regime in Iran könnte vor seinem endgültigen Zusammenbruch stehen. Das Memorandum of Understanding mit den USA ist offiziell am 17.08.2026 ausgelaufen. Greifbare Ergebnisse gibt es keine. Die Inflation in dem nahöstlichen Land galoppiert ungehindert weiter. Sein Zugang zu Devisen ist geschlossen. Es kann kein Öl exportieren.
Der Nanny-Staat in Iran erhöht seine Lebensmittelzuschüsse für ärmere Familien, doch die Dynamik der Abwärtsspirale ist für sehr grosse Teile der Mittel- und Unterschicht in Iran ein gewaltiger Sog in die Sorgen der Alltagsbewältigung. Die US-Marine geleitet Tanker der Vereinigten Arabischen Emirate nahe an der Küste zu Oman durch die Strasse von Hormus. Tanker, die jedoch iranisches Öl vornehmlich nach China exportieren wollen, kommen nicht weiter.
Abdul Nasser Hemmati, Präsident der Zentralbank, bestätigte in einem Fernsehinterview, dass der Ölexport des Iran derzeit eingestellt ist. Gleichzeitig stellte er fest, dass die im MoU vereinbarten Geldsummen für das Regime noch nicht freigegeben wurden. In den letzten Wochen haben einige hochrangige Beamte der Islamischen Republik, unter Hinweis auf die Verschärfung der wirtschaftlichen Not und der Lebenshaltungskrise, vor einer neuen Runde von Protesten gewarnt und ihre Bereitschaft zum Eingreifen angekündigt.

Die grösste Angst der Bassidschi-Milizionäre ist im öffentlichen Raum erkannt und attackiert zu werden. Einige Mitglieder von diversen Sicherheitsorganen des Regimes sind bereits ermordet worden. Hier ein Bericht aus der Provinz Kurdistan. Hier ein Bericht aus der Provinz Belutschistan. Neuerdings werden die Bassidschi auf Grund der wirtschaftlichen Lage auf erneute Strassenproteste eingestimmt.
Die Zeichen stehen auf einem neuen Überraschungsangriff der USA und Israels auf hochgestellte Regime Vertreter, militärische Einrichtungen und Waffensysteme in Iran; möglicherweise in Kombination mit gross angelegten Protesten oder bewaffneten Erhebungen in den Regionen Belutschistan, Kurdistan und schliesslich ganz Iran.
Dogmatiker oder Pragmatiker?
Verschiedene Machtgruppen bilden die herrschende Klasse innerhalb des Regimes in Iran. Eine grobe Vereinfachung lässt eine Einteilung in zwei Lager zu. Dogmatische Hardliner mit apokalyptischen Überzeugungen setzen auf Chaos, Gewalt, Krieg Eskalationen und unbedingte Treue zu ihrer Ideologie.
Geschliffen redende Pragmatiker, die entweder in internationaler Diplomatie oder in internationalen Wirtschaftsnetzwerken involviert sind, setzen auf Verhandlungen, sind bereit für Zugeständnisse, nur um eine Miniaturversion des Regimes überleben zu lassen und ihre Positionen oder ihre Reichtümer zu bewahren. Zu den dogmatischen Hardlinern zählen Männer wie der Sohn des getöteten Obersten Führers Ali Chamenei, Modschtaba, der zwar offiziell als neuer Oberster Führer geführt wird, aber seit Ende Februar kein Lebenszeichen von sich gegeben hat.
Der ehemalige Büroleiter Ali Chameneis, Vize-Aussenminister, Präsidentschaftskandidat, Atomunterhändler und Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats Said Dschalili. Sein Unterstützer, der Kleriker Mohammad-Mehdi Mirbagheri, der weithin als Nachfolger des verstorbenen Ajatollah Mohammad-Taghi Mesbah-Yazdi gilt.
Mirbagheri ist seit 2016 Mitglied des Expertenrats. Zudem steht er an der Spitze der Akademie für Islamische Wissenschaften in Qom, deren Auftrag in der Entwicklung und Förderung der „islamischen Wissenschaften“ besteht.
Alireza Arafi, ein Schützling Ali Chameneis, war jahrelang eine der zentralen Figuren bei der Internationalisierung der Agenda der Islamischen Republik, wie seine Funktion als Leiter aller Geistlichenhochschulen im Iran und als Rektor der Al-Mustafa-Universität zeigt. Er betrachtet die saudische Ausprägung des Islam, Wahhabismus, als Hauptfeind des schiitischen Islam.
Arafis Wirken beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Festigung der politischen Rolle des regimetreuen Klerus im Iran, sondern umfasste auch die weltweite Verbreitung der ideologischen Botschaft des Regimes. Im März 2026 wurde er kurzzeitig als Nachfolger des Obersten Führers gehandelt und war Teil des dreiköpfigen Übergangsrats, bis schliesslich Modschtaba offiziell benannt wurde.

Zu den Dogmatikern gehören auch Gründungsfiguren der Revolutionsgarden wie Ahmad Wahidi (Oberster Gardist), Mohsen Resaei, der vor kurzem zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats ernannt wurde oder Hassan Rahimpour Asghadi ist ein prominenter Theoretiker innerhalb des iranischen Regimes. Zu seinen Aufgaben gehören die Entwicklung von Propagandakampagnen und die Förderung der islamischen Ideologie auf internationaler Ebene.
Als Stratege des Korps der Islamischen Revolutionsgarden verbreitet er antiwestliche und antizionistische Narrative über grosse iranische Medien wie Fars News und Tasnim News. Darüber hinaus ist er Autor von Büchern über psychologische Kriegsführung und Propaganda, die als grundlegende Texte für die modernen Informationsoperationen des Iran dienen.
Asghadis Propagandabemühungen richten sich gegen die „Feinde des Islam“, insbesondere gegen die Vereinigten Staaten und Israel. Er wendet Taktiken der psychologischen Kriegsführung an, um die Position des iranischen Regimes sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene zu stärken, wobei er häufig auf antiwestliche Rhetorik zurückgreift.

Die im Westen durch ihren Einsatz in diplomatischen oder repräsentativen Missionen bekannten Pragmatiker des Regimes sind Männer wie der ehemalige Aussenminister Dschawad Sarif, der aktuelle Aussenminister Abbas Araghtschi, der ehemalige Präsident Mohammad Chatami oder der derzeitige Präsident Massud Peseschkian.
Wird dieses Regime überleben?
Hört man sich die Propaganda in iranischen Staatsmedien an, so ist klar, dass dieses Regime den Krieg gegen einen schwer bewaffneten Gegner gewonnen hat und „Islam“ laut jüngster Aussagen Wahidis die Wehrhaftigkeit der Armee gewährleistet hat und der Welt gezeigt habe, dass „Islam“ die ganze Welt beherrschen kann.
Der in London lebende Exiliraner und Oppositionelle Wahid Beheschti ist Vorstandsmitglied der „Iran Front“ Organisation, die sich für den bevorstehenden Übergang von der Herrschaft der Islamischen Republik in eine demokratische und säkulare Gesellschaftsform einsetzt. Auf der Webseite heisst es: „Unsere Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass dieser Übergang nicht im Chaos, sondern unter dem Schutz von Recht, Ordnung und nationaler Einheit vonstattengeht.“
Wahid Beheschti erklärt, warum er glaubt, dass das Regime keinesfalls überleben wird: „Es gibt aus meiner Sicht fünf starke Gründe, die klar dafür sprechen, dass dieses Regime nicht mehr lange durchhält. Benachbarte Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate waren einst starke Handelspartner für die Islamische Republik. Diese Länder stehen auch in Abhängigkeit zu externen Investoren.
In den letzten Monaten standen sie unter Beschuss durch die Revolutionsgarden. Nicht nur amerikanische Militärbasen haben iranische Raketen abbekommen, Drohnen und andere Flugkörper auch Energieinfrastruktur in Saudi Arabien, Irak, Kuweit, Bahrein, Katar oder in den VAE. Diese Nachbarn wollen zwar keine militärischen Eskalation mehr, aber sich von diesem Regime weiter erpressen zu lassen, wollen sie auch nicht mehr.“
Dazu tragen auch jüngste Aussagen aus den Reihen des Regimes bei. Die Islamische Republik diskutiert, dass arabischen Staaten nicht gestattet werden sollte, Pipelines zu bauen, die die Strasse von Hormus umgehen. Hamidreza Hadschi Babaei, zweiter stellvertretender Parlamentspräsident des Regimes, warnte im Staatsfernsehen, dass Pipelines, die Hormus umgehen, für die Islamische Republik ebenso gefährlich seien wie Raketen.
Das zeigt deutlich, wie wichtig die Strasse für den regionalen Einfluss des Regimes bleibt.
Indem die Islamische Republik Hormus wiederholt als Waffe einsetzt, hat sie den Staaten des Persischen Golfs allen Grund gegeben, alternative Routen zu bauen, die ihre Abhängigkeit von ihr verringern. Hadschi Babaei erklärte ausserdem, dass jeder, der mit US-Sanktionen zusammenarbeitet, effektiv „im Krieg“ mit der Islamischen Republik stehe.
Weiterhin führt Beheschti aus, dass sich der Staat Israel durch die Ideologie, die kontinuierlichen Drohungen vernichtet zu werden, in seiner Existenz gefährdet sieht und die historische Chance, das Regime niederzuringen, nicht aufgeben wird.

Er fügt hinzu: „Die US-Administration wird sich in Zukunft mehr auf strategische und finanzielle Partnerschaften im Mittleren und Nahen Osten fokussieren. Dazu kommt, dass der neue britische Premierminister Andy Burnham dem US-Militär weitere Aktivitäten von britischen Stützpunkten aus genehmigt. Auch andere europäische Länder unterstützen die gezielten Angriffe auf das Regime seit dem NATO-Gipfel in Ankara.“
Eine Aussage, die sich wenig konkretisiert in der Abschlusserklärung des Gipfels vom 7./8. Juli wiederfindet: „Die europäischen Alliierten und Kanada liefern und übernehmen mehr Verantwortung für die Verteidigung des Bündnisses. Im Zuge der laufenden Lastenneuverteilung (Burden Shifting) im Bündnis wurden massive Steigerungen der europäischen Verteidigungsausgaben vereinbart.“
Der Bezug zu Iran wird hingegen in Punkt 5 der Gipfelerklärung klar: „Das Bündnis reagiert weiterhin auf strategischen Wettbewerb, umfassende Instabilität, hybride Bedrohungen und wiederkehrende Schocks, die unser allgemeines Sicherheitsumfeld prägen, und passt sich entsprechend an. Die Verbündeten bekräftigen erneut, dass Iran niemals eine Kernwaffe besitzen darf, und rufen Iran dazu auf, die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus uneingeschränkt zu achten.“

Zwei weitere Kernaspekte sind in Beheschtis Argumenten nicht von der Hand zu weisen: „Die Stimmung im Land ist trotz der Massaker im Januar 2026 recht explosiv. Viele Leute warten auf eine günstige Gelegenheit, sich gegen das Regime zu erheben. Und das Regime fürchtet diesen Tag. Dazu kommt, dass sich die Kluft zwischen den radikalen Dogmatikern und den logischer agierenden Pragmatikern mit jeder Woche vergrössert. Dazu werden die von Präsident Trump angekündigten „härtesten Sanktionen aller Zeiten“ weiter beitragen.“
Wirtschaftlicher Druck statt Bomben
Der US Finanzminister Scott Besent bekräftigt diese Aussage: „Jede verbleibende Verbindung zu Teheran wird den wirtschaftlichen Untergang einer Nation beschleunigen, gleichgültig ob diese Verbindung absichtlich hergestellt oder wissentlich ignoriert wird.“ Hier steht vor allem Präsident Erdogan in der Pflicht, Netzwerke der Hisbollah und der Revolutionsgarden in der Türkei an weiteren Hilfsleistungen für das Regime in Iran zu verhindern.
Das US Finanzministerium hat Vorkehrungen getroffen, dass der bisherige Handelsweg über Dubai, der von den VAE offiziell gekappt wurde, nicht von türkisch-libanesischen Netzwerken ersetzt werden. In der Begründung der Sanktionen wird der türkische Geschäftsmann Yunus Alper Yilmaz als Knotenpunkt eines Netzwerks von Kurieren genannt, das für den Transport von Bargeld zwischen anderen Ländern der Region und den Stützpunkten der Hisbollah im Libanon zuständig ist.
Yilmaz missbraucht bestimmte in der Türkei ansässige Wechselstuben als Tarnfassaden für seine Geschäfte und hat Scheinfirmen sowie Bankkonten für Geldtransfers im Zusammenhang mit der Quds-Armee (dem Zweig der Revolutionsgarden, der für Expansion zuständig ist) zur Verfügung.
Zu Yilmaz’ Komplizen zählen die Kuriere Halil Ibrahim, Kacmazund Onder Dede, die Bargeld bei den Wechselstuben abholen, sowie Vasfi Akyuz, der die Logistik für die Kuriere koordiniert und selbst als Kurier tätig ist. Zu den weiteren Kurieren im Netzwerk gehören Mehmet Akyuz, Mehmet Acur, Feyyad Karasalih, Masoud Mousafar, Gulay Kaya Savci und Emrah Ayaz, die Bargeld, das für die Hisbollah bestimmt war, verdeckt auf kommerziellen Flügen in den Libanon transportiert haben.
Die USA werden sich auf eine Wirtschaftskriegsführung gegen das Regime der Islamischen Republik fokussieren. Bessents Botschaft beinhaltet den Hinweis: die Kriegsmaschine schweigt, wirtschaftlicher Druck jedoch nicht. Die Strategie besteht darin, das Regime finanziell kontinuierlich einzuengen.
Die Vereinigten Staaten kombinieren ihre Blockade mit aggressiver finanzieller Durchsetzung und Sekundärsanktionen, die darauf abzielen, ausländische Banken, Unternehmen und Regierungen zu zwingen, sich zwischen dem Zugang zur US-Wirtschaft und der Versorgung der Islamischen Republik mit einer Rettungsleine zu entscheiden.
Die Trump Administration scheint entschlossen zu sein, dieses Regime zum Einsturz zu bringen ohne militärische Eskalationen zu riskieren.
Ob der Abgrund tief genug ist, um die weltweit rasant sich ausbreitende Ideologie des Regimes gleich mit zu Fall zu bringen, ist eine andere Frage. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.



