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Der Engel aus Teheran

mehriran.de - Dr. Mohammad Maleki hat nichts mehr zu verlieren. Der 83-jährige protestiert seit Monaten jede Woche vor dem Teheraner Evin Gefängnis gegen das Regime.

Dr. Mohammad Maleki auf der Straße

mehriran.de - Sein Beispiel macht Schule. Mehr und mehr Menschen schliessen sich ihm und anderen Aktivisten in den friedlichen Protesten an. Dr. Mohammad Maleki war Rektor der Teheraner Universität, seine Worte hatten einmal Gewicht. 

Jetzt leidet er an Prostatakrebs und ist gezeichnet von Verfahren, die ihm das Regime immer wieder angehängt hat, wegen angeblicher Gotteslästerei und Beleidigung des Obersten Führers Ali Khamenei. Seine Worte haben beim Regime kein Gewicht mehr. Er antwortet auf die Frage nach einer Botschaft an diesen Obersten Führer, dieser solle sich endlich zur Ruhe setzen, da ihm die Qualifikation für das Amt fehle und seine Herrschaft über Iran ein Ende haben müsse.

Vor sechs Jahren gingen die Behörden noch voller Eifer gegen ihn vor. Jetzt lassen sie ihn gewähren, weil sie sich uneinig sind welche Reaktion angemessen wäre.

Der klein gewachsene Mann verzichtet auf sein Mittagessen, um sich die teuren Medikamente gegen den Krebs zu leisten, denn er will so lange wie möglich leben, um - wie er sagt - durch die Gewalt des Regimes umzukommen. Er hofft dadurch, der Weltöffentlichkeit das wahre Wesen des Regimes vor Augen führen zu können. Vor dem Gefängnis steht er jede Woche zusammen mit Aktivisten wie Nasrin Sotoudeh, Mohammad Nourizad und Anhängern von Dr. Tâheri, einem alternativen Heiler der viele Anhänger gefunden und sich dadurch beim Regime unbeliebt gemacht hat, so dass er sogar zum Tode verurteilt wurde. Auch ihm wurde Gotteslästerei und noch Beleidigung des Propheten vorgeworfen. 

Dieses Beispiel ist symptomatisch für die Lage im Iran. Auch Monate nach dem Nukleardeal mit der internationalen Gemeinschaft bessert sich die Menschenrechtssituation dort nicht. Menschenrechtsorganisationen berichten sogar von einer sich immer weiter verschlechternden Lage. Doch im Westen ist man fast verstummt, was die Menschenrechtsverletzungen anbelangt. Die Probleme mit Flüchtlingsströmen und blutigen Attentaten hinter der eigenen Haustüre sind eine große Herausforderung für die Politik in Europa, passendere Rahmenbedingungen zu schaffen. 

In Teheran hingegen sind gestern über 100 Menschen verhaftet worden. Lange hatten die Behörden zugesehen, wie die Zahl der Protestierenden vor dem Evin Gefängnis stetig wuchs. Maleki wurde nicht angefasst, aber jene, denen er durch sein Beispiel Mut gemacht hatte.

Dr. Mohammad Maleki ist der Überzeugung, dass sein Einsatz für die Menschenrechte im Iran und dem Frieden im ganzen Nahen Osten dient, letztendlich der ganzen Welt. Sein Leben stellt er auf undramatische Weise für die Zukunft anderer zur Disposition.

Vahid Beheshti, Dorr TV