Killer Kartell, das im Auftrag des Regimes in Iran handelte, unter Sanktionen durch die USA, das Vereinigte Königreich und jetzt auch durch die EU.
Im Januar 2024 gingen die US-Behörden gemeinsam mit den Briten gegen ein Netzwerk von Personen vor, die auf Anweisung des Regimes in Iran Dissidenten und Oppositionsaktivisten ermorden. Jetzt zog der EU-Rat nach und erliess Sanktionen gegen das sogenannte Sindaschti-Kartell.
#BREAKING @TheJusticeDept has charged Iranian criminal Naji Sharifi Zindashti and two Canadians with conspiracy to use interstate commerce in the commission of a murder-for-hire plot in 2020-21 against Maryland residents “who’d previously fled to US after one of them defected… pic.twitter.com/MYVkjlfm1D
— Iran International English (@IranIntl_En) January 29, 2024
Das Netzwerk wird von dem iranischen Rauschgifthändler Nadschi Ibrahim Scharifi-Sindaschti (Zindashti) angeführt und arbeitet im Auftrag des iranischen Ministeriums für Geheimdienst und Sicherheit (MOIS). Das Netzwerk von Sindaschti hat zahlreiche Verbrechen in verschiedenen Ländern begangen und Repressalien durchgeführt, darunter Morde und Entführungen in verschiedenen Ländern, um vermeintliche Kritiker des Regimes in Iran zum Schweigen zu bringen.

Die anhaltenden Bemühungen des Regimes in Iran, Dissidenten und Aktivisten ins Visier zu nehmen, zeigen seine tiefe Verunsicherung und den Versuch, die Unterdrückung auf internationaler Ebene auszuweiten“, sagte der Unterstaatssekretär des Finanzministeriums für Terrorismus und Financial Intelligence, Brian E. Nelson. „Die Vereinigten Staaten werden zusammen mit unseren internationalen Verbündeten und Partnern, einschliesslich des Vereinigten Königreichs, weiterhin die grenzüberschreitende Unterdrückung durch dieses Regime bekämpfen und alle verfügbaren Mittel einsetzen, um diese Bedrohung zu stoppen, insbesondere auf amerikanischem Boden.“
Transnationale Repressionen durch Killer Kartell
Der MOIS und das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) haben seit langem vermeintliche Regimegegner im Rahmen grenzüberschreitender Repressalien ausserhalb des Irans ins Visier genommen, eine Praxis, die das Regime in den letzten Jahren verstärkt hat. Zahlreiche Dissidenten, Journalisten, Aktivisten und ehemalige iranische Offizielle wurden in nicht wenigen Ländern des Nahen Ostens, Europas und Nordamerikas ermordet, entführt und bedroht. Das Regime bedient sich dabei zunehmend organisierter krimineller Gruppen, um alle Verbindungen zum Regime zu verschleiern und glaubhaft abstreiten zu können.

Zu den bemerkenswerten Beispielen gehören: die Entführung von Dschamschid Scharmahd, einem deutsch-amerikanischen Geschäftsmann Aktivisten mit iranischen Wurzeln, der im Juli 2020 auf einer Auslandsreise entführt und gewaltsam in den Iran gebracht wurde, wo er nach einem Scheinprozess zum Tode verurteilt wurde; die Ermordung von Ahmad Molla Nissi, einem niederländisch-ahwasischen Aktivisten, in Den Haag im Jahr 2017; und die Entführung von Ruhollah Sam, einem französisch-iranischen Journalisten, aus dem Irak im Oktober 2019, der dann gefoltert und am 12. Dezember 2020 im Iran hingerichtet wurde.
Nadschi Ibrahim Scharifi-Sindaschti und sein Killer Kartell

Der im Iran ansässige Drogenhändler Sindaschti und sein Netzwerk sind mit den länderübergreifenden Unterdrückungsmassnahmen des Iran verflochten, die darauf abzielen, Dissidenten, ehemalige Insider und andere vermeintliche Gegner zum Schweigen zu bringen und einzuschüchtern, indem sie unter der Leitung des MOIS auf mehreren Kontinenten Morde und Entführungen durchführen.
Die iranischen Sicherheitskräfte schützen Sindaschti und sein kriminelles Imperium und ermöglichen es Sindaschti, auf dem Drogenmarkt des Landes zu florieren und ein luxuriöses Leben zu führen, während sein Netzwerk die Repression des Regimes exportiert und im Auftrag des Regimes abscheuliche Operationen durchführt. Sindaschtis Netzwerk wurde mit Morden in mehreren Ländern in Verbindung gebracht, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Kanada und die Türkei.
Resa Hamidiravari, ein MOIS-Offizier, beaufsichtigt die vom MOIS geleiteten Operationen von Sindaschti.
Nihat Abdul Kadir Assan ist ein enger Mitarbeiter von Sindaschti, der ebenfalls im Iran ansässig ist und eine entscheidende Rolle bei der logistischen Planung vieler Operationen des Netzwerks gespielt hat, darunter auch bei den Plänen des Netzwerks zur Ermordung von Personen in den Vereinigten Staaten.
Ekrem Abdulkerim Oztunc, der Neffe von Sindaschti, ist ebenfalls ein enger Mitarbeiter und wichtiger Leutnant des Sindaschti-Netzwerks mit Wohnsitz im Iran. In seiner Rolle als enger Berater von Sindaschti hat Oztunc Asan und Sindaschti bei heiklen Kommunikationen unterstützt. Oztunc wurde 2018 zusammen mit Sindaschti in Istanbul unter Mordverdacht verhaftet.
Schachram Ali Resa Tamarsadeh Savieh Dschakki ist der Schwager von Sindaschti, der im Iran lebt und im kriminellen Netzwerk von Sindaschti aktiv ist. Dschakki hat Sindaschti unterstützt, indem er sich mit Sindaschtis MOIS-Kontaktperson über die operative Logistik und die Finanzen abstimmte.

Attentatsplan in den Vereinigten Staaten
Im Jahr 2021 rekrutierte Sindaschtis Netzwerk den kanadischen Staatsbürger und in British Columbia ansässigen Hells Angels Outlaw Motorcycle Group-Mitglied Damion Patrick John Ryan, um in den Vereinigten Staaten Personen zu ermorden, die aus dem Iran geflohen waren. Ryan, dessen Vorstrafenregister von Anklagen wegen Waffenhandels bis hin zum internationalen Drogenhandel reicht, hat Verbindungen zu kriminellen Elementen in Kanada, den Vereinigten Staaten und Griechenland.
Der Sindaschti-Mitarbeiter Assan arbeitete bei der Planung der Attentate eng mit Ryan zusammen, indem er ihm den Standort und Fotos der Zielpersonen übermittelte und auch die Zahlungsmodalitäten koordinierte. Ryan rekrutierte auch den kanadischen Staatsbürger und Hell’s Angels-Mitglied Adam Richard Pearson, um die Morde auszuführen.
Weitere Attentats- und Entführungspläne
Sindaschti hat bereits früher mit dem MOIS zusammengearbeitet, um Regimekritiker zu töten. Im Jahr 2020 wurde Habib Chaab, ein Führer der Arabischen Kampfbewegung für die Befreiung von Ahwaz (ASMLA), im Rahmen einer vom MOIS gesponserten Operation in der Türkei von Sindaschtis Männern entführt.

Chaab wurde dann in den Iran geschmuggelt, wo er inhaftiert, gefoltert, unter Zwang zu einem Geständnis gezwungen und schliesslich nach einem Prozess, der keine Garantien für ein faires Verfahren enthielt, wegen „Korruption auf Erden“ verurteilt wurde. Die iranischen Behörden richteten Chaab im Mai 2023 hin.
Im Jahr 2019 setzte der MOIS Sindaschti und seine Männer ein, um den ehemaligen iranischen Cybersicherheitsbeamten und heutigen Regimekritiker Mas’ud Vardandschani in Istanbul zu ermorden. Vardandschani, der das iranische Regime offen verurteilte, veröffentlichte über seinen Telegram-Kanal Dokumente, die finanzielle Korruption und Ermordungen durch das Regime aufdeckten. Als Teil des MOIS-Komplotts freundete sich Ali Esfandschani mit Vardandschani an, versorgte den MOIS mit Informationen über ihn und führte ihn schliesslich an den Ort, an dem er von Abdulvahap Kocak ermordet wurde. Abdulvahap Kocak nutzte Sindaschtis Wohnsitz nach dem Mord als Unterschlupf, wurde aber später von den türkischen Behörden festgenommen.
Abdulvahap Kocak, der eigentlich Sindaschtis Gärtner war, diente als Auftragskiller, der in mehrere von Sindaschti in Auftrag gegebene Morde verwickelt ist, darunter die Ermordung des Anwalts eines rivalisierenden Drogenhändlers in Istanbul im Jahr 2017. Abdulvahap Kocak ist derzeit in der Türkei inhaftiert. Muhammad Resa Nassersadeh, ein Mitarbeiter des iranischen Konsulats in Istanbul, der in das Attentat verwickelt war, fälschte Dokumente für Esfandschani, um ihm nach der Ermordung die Flucht in den Iran zu ermöglichen.

Ebenfalls 2017 wurde der britisch-iranische Dissident Saeed Karimian, der Eigentümer des Senders GEM TV war und dort regimekritische Inhalte ausstrahlte, zusammen mit dem kuwaitischen Geschäftsmann Muhammad Mer Almuntari in Istanbul erschossen. Später wurde festgestellt, dass Sindaschti hinter dem Doppelmord steckt. Ali Kocak, der Bruder von Abdulvahap Kocak und ein Mitarbeiter von Sindaschtis Netzwerk, der jetzt im Iran lebt, überwachte die Zielpersonen vor dem Mord.
@Helmut N. Gabel für mehriran.de, 17.07.2025



