Exilaktivist: Die USA müssen den Iran angreifen
Die jüngsten Proteste gegen das Regime im Iran waren wesentlich grösser als zuvor, und verschiedene Bevölkerungsgruppen haben sich daran beteiligt, berichtet der Exilaktivist Vahid Beheshti.
Die USA müssen das Regime im Iran durch einen Luftangriff beseitigen.
Das ist laut dem Exilaktivisten Vahid Beheshti der einzige Weg, um Demokratie in das Land zu bringen.
„Dieser Kampf betrifft nicht nur uns. Wir kämpfen auch für Sie hier in Europa.“
Es ist eine offensichtlich kontroverse Botschaft, einen militärischen Angriff auf das eigene Land zu befürworten.
Für den 49-jährigen Exilaktivisten ist das jedoch logisch.
„Ich habe die Ideologie des Regimes studiert. Es handelt sich nicht um eine normale Regierung. Es ist kein normaler Staat“, beginnt er unser Interview während seines Besuchs in Schweden, nur wenige Stunden bevor er vor dem schwedischen Reichstag sprechen wird.
Das Regime in Iran und seine Revolutionsgarde (IRGC) werden von dem Glauben angetrieben, dass sie eine göttliche Mission haben, meint Beheshti. Diese Mission besteht darin, die moderne Weltordnung und demokratische Werte zu zerstören und sie durch einen islamischen Staat, ein Kalifat, zu ersetzen, in dem man nur Ajatollah Ali Chamenei gehorchen muss, sagt er.

Das sollte die ganze Welt beunruhigen:
„Stellen Sie sich vor, diese Ideologie wäre mit Atomwaffen ausgestattet!“
Die jüngsten Proteste haben das Regime erschüttert, sagt Vahid Beheshti. „Deshalb haben sie so hart reagiert, mit einem Massaker. Ich bin der Meinung, dass sie Menschenrechtsverletzungen in einem Ausmass begangen haben, wie wir es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen haben“, sagt er.
Vahid Beheshti ist einer der bekanntesten iranischen Exilaktivisten. Er musste 1999 nach Drohungen des Regimes den Iran verlassen und lebt seitdem in Grossbritannien. Dort führte er 2023 einen Hungerstreik vor dem britischen Außenministerium durch, mit der Forderung, das iranische Regime als terroristisch einzustufen.
Auf Einladung der Grünen kommt er als Sprecher der Oppositionsgruppe Iran Front, die einen stabilen Übergang vom derzeitigen System im Iran zu einem säkularen, demokratischen Staat sicherstellen will, in den schwedischen Reichstag.
Doch damit dies gelingt, muss laut Beheshti zunächst die USA ihren Teil beitragen.
Trump muss seine Drohungen, die er seit dem Ausbruch der Proteste im Iran zum Jahreswechsel ausgesprochen hat, ernst nehmen – er muss die Mullahs wegbomben.
„Donald Trump, Israel, das iranische Volk, alle Länder im Nahen Osten und auch Sie, die Schweden, haben ein gemeinsames Interesse daran, diese radikale Ideologie zu zerschlagen“, sagt Vahid Beheshti.
Als er dies vor zwei Jahren sagte, unter anderem als erster iranischer Redner im israelischen Parlament Knesset, kritisierten ihn viele, berichtet er.
„Jetzt rufen Menschenrechtsaktivisten an und entschuldigen sich.

Warum?
Weil es ihnen schwerfiel, dies zu akzeptieren. Es war zu radikal. Aber jetzt, wo Zehntausende getötet wurden, stimmen sie mir alle zu.“
Eine etwas pauschale Aussage.
Beheshti wird nach wie vor heftig für seine klare Haltung gegenüber Israel kritisiert. Bereits vor zwei Jahren forderte er das Land auf, den Iran anzugreifen. Dies geschah dann im Juni 2025 während des sogenannten 12-Tage-Krieges zwischen Israel und dem Iran.
Reza Pahlavi (geboren 1960 in Teheran) ist der Sohn des letzten Schahs von Iran, Mohammad Reza Pahlavi, und war bis zur islamischen Revolution 1979 Kronprinz.
Über 30.000 Menschen sollen bei den jüngsten Protesten im Iran ums Leben gekommen sein, die unter den Händlern in Teheran begannen und sich auf das ganze Land ausbreiteten. Was die jüngsten Proteste von früheren unterscheidet, ist gerade ihr Ausmass, aber auch die sehr blutige Reaktion des Regimes.
Und natürlich, dass ein Präsident eines anderen Landes, Donald Trump, mit Vergeltungsmassnahmen drohte.
Mehrere Medien berichten, dass ein solcher Angriff unmittelbar bevorstehen könnte. Die USA haben in den letzten Tagen immer mehr Kampfflugzeuge und Flugzeugträger in den Nahen Osten verlegt.
Ist es nicht widersprüchlich, von Demokratie zu sprechen und gleichzeitig ausländische Akteure zu bitten, eine Regierung zu stürzen?
– Nein. Wir müssen realistisch sein. Wie viele Aufstände gab es seit 2009 im Iran? Mindestens sechs. Bei diesem letzten Aufstand wurden vermutlich fast 40.000 Menschen getötet, ich glaube, es könnten sogar noch mehr sein, vielleicht 100.000. Wir können dieses Regime nicht allein mit Aktivismus stürzen, wenn es uns mit Waffen begegnet.
Ist es nicht dennoch ein Verstoss gegen das Völkerrecht, einen souveränen Staat anzugreifen?
– Nein, nein, nein. Das Völkerrecht besagt, dass Staaten ihre Bevölkerung vor Menschenrechtsverletzungen schützen müssen und dass die internationale Gemeinschaft die Verantwortung hat, zu handeln, wenn Staaten dies nicht tun.
Das Prinzip, von dem er spricht, heisst „Responsibility to protect“ (R2P) und wurde 2005 von den UN-Mitgliedstaaten verabschiedet, unter anderem nach dem Völkermord in Ruanda.
Es ist umstritten, da es missbraucht werden kann.
Ein deutliches Beispiel dafür ist, dass Russland R2P als Rechtfertigung für seinen Krieg in der Ukraine nutzt – mit dem Argument, dass es zum Schutz der russischsprachigen Bevölkerung kämpft.
„Die Stabilität, die der Nahe Osten benötigt“
Aber was ist nach einem militärischen Angriff? Was wollen Vahid Beheshti und Iran Front langfristig erreichen?
Dass die USA so vorgehen wie in Venezuela, wo der Diktator Nicolas Maduro entführt und in den USA vor Gericht gestellt wurde?
„Eine Venezuela-Lösung funktioniert für den Iran nicht. Das ist nicht, was wir vorschlagen. Wir wollen eine gezielte militärische Intervention“, sagt Vahid Beheshti.
Es reicht nicht aus, nur die Elite im Iran auszutauschen.
Nach einem Militärschlag steht eine breite Koalition bereit, um einen stabilen Veränderungsprozess mit einer neuen Verfassung einzuleiten und eine Demokratie zu etablieren. Die USA stehen in engem Kontakt mit dieser Koalition, erklärt er.
Wenn das iranische Regime verschwindet, verschwinden auch die Proxy-Gruppen wie die Hamas und die Hisbollah, die von seiner Ideologie leben, so seine Argumentation. Dies gilt auch für Schweden, wo der Sicherheitsdienst vor dem Einsatz krimineller Banden durch den Iran gewarnt hat, unter anderem gegen die israelische Botschaft, sagt Vahid Beheshti:
„Wenn wir ein neues säkulares demokratisches System etablieren, das auf Menschenrechten, Recht und sozialer Gerechtigkeit basiert, kann der Iran zu einem wichtigen globalen Akteur werden und dem Nahen Osten die Stabilität geben, die er benötigt, anstatt das zu sein, was er derzeit ist: der führende Exporteur jihadistischer Ideologie.“
„Der falsche Weg“
Vahid Beheshti ist nicht der Einzige, der seine Hoffnungen auf die USA setzt.
Der bekannteste Oppositionsführer, Reza Pahlavi, Sohn des Schahs, der Iran bis 1979 mit eiserner Hand regierte, vertritt ähnliche Ansichten. Er hat sich zu einer populären Galionsfigur unter den Exiliranern entwickelt.
Vahid Beheshti möchte jedoch nicht mit dem Kronprinzen verglichen werden.
„Auch wenn es Ähnlichkeiten gibt, sind die Unterschiede zu gross. Pahlavis Fahrplan ist sehr gefährlich. Er sagt, dass wir innerhalb von vier Monaten nach dem Sturz des Regimes Wahlen abhalten sollen, um dann für eine Monarchie oder eine Republik zu stimmen, und dass die neu gewählte Regierung anschliessend eine neue Verfassung ausarbeiten soll. Und der Anführer all dessen ist letztendlich Pahlavi selbst. Das ist der falsche Weg.“

Hat sich um Pahlavi ein Personenkult gebildet?
– Ich möchte darauf nicht wirklich antworten, da ich nichts in Gang setzen möchte… Aber ich sage Folgendes: Es ist nicht gesund.
„Die jüngsten Proteste gegen das Regime im Iran waren viel grösser als zuvor, und verschiedene Bevölkerungsgruppen nahmen daran teil. Das hat das Regime erschüttert“, sagt Vahid Beheshti.
Stark fragmentiert
Die iranische Opposition innerhalb und ausserhalb des Landes ist stark fragmentiert. Sie umfasst alles vom Friedensnobelpreisträger über Sektenmitglieder bis hin zu einem Kronprinzen.
Im Prinzip kritisieren sich alle verschiedenen Gruppierungen häufig und gerne gegenseitig.
Es gibt Stimmen, die meinen, dass Vahid Beheshti seine Bedeutung als Vertreter des iranischen Volkes übertreibt und keine besonders breite Basis unter den Oppositionellen hat. Er selbst sagt, dass mehrere Minderheitengruppen ihn unterstützen, darunter der Führer der Sunniten im schiitisch dominierten Iran. Auch Reza Pahlavi ist eine polarisierende Persönlichkeit.
Er war seit 1979 nicht mehr im Iran und wird oft beschuldigt, im Ausland mehr Unterstützung zu haben als im Iran selbst. Die Monarchie, die sein Vater führte, war zudem sowohl autoritär als auch undemokratisch. Auch er setzt grosses Vertrauen in ausländische Akteure, die sich in die Frage der Zukunft des Iran einmischen sollen – was historisch gesehen bei der Bevölkerung unpopulär war.
Alle sind sich über den ersten Schritt einig
Beheshti sagt, er sei sich der Kritik bewusst:
„Eigentlich können wir nur wissen, was die Menschen im Iran wollen, wenn das Regime zusammenbricht. Dies ist ein gut ausgebildetes Volk, es wird keine einfachen Lösungen akzeptieren, wie es während der Revolution 1979 der Fall war.
Gleichzeitig habe die Opposition jedoch tatsächlich eine Gemeinsamkeit, betont er:
„Im Moment sind wir uns alle einig, was der erste Schritt ist: das Regime zu stürzen. Das wird das Volk nicht alleine schaffen. Das Regime kennt keine Grenzen, wie viele Menschen es töten kann. Mit diesem Regime kann man nicht verhandeln.“
Original auf Schwedisch im Aftonbladet. Interview und Artikel von Nivette Dawod vom 20.02.2026, Übersetzung ins Deutsche Helmut N. Gabel



