Baha’i werden in Iran seit Jahrzehnten verfolgt. Gerade sind wieder acht Frauen weggesperrt worden.
Baha’i sind Menschen, die an Gott und universale Werte glauben. Viele leben noch in Iran, wo die Religion ihre Wurzeln hat. Grob gesehen ist das Bahaitum eine Reformbewegung des Islam. Eine Selbstbeschreibung lautet so:
„Im Laufe der Geschichte hat Gott der Menschheit eine Reihe göttlicher Lehrer gesandt – bekannt als Manifestationen Gottes –, deren Lehren die Grundlage für den Fortschritt der Zivilisation bildeten. Zu diesen Manifestationen gehörten Abraham, Krishna, Zarathustra, Moses, Buddha, Jesus und Mohammed. Bahá’u’lláh, der letzte dieser Gesandten, erklärte, dass die Religionen der Welt aus derselben Quelle stammen und im Wesentlichen aufeinanderfolgende Kapitel einer einzigen Religion Gottes sind.“
Traditionell verstehen einige Muslime den Islam als letztgültige Offenbarungsreligion, weil sie glauben, dass Mohammed der letzte von Gott gesandte Prophet war. Das sehen nicht alle Muslime so. Unter anderem auch der Gründer der Baha’i Religion im 19. Jahrhundert.
Der Gottesstaat Iran versteht sich als Hüter der Version, dass Mohammed der letzte Prophet Gottes war und geht dank seiner religiös verbrämten Ideologie gegen Anhänger aller anderen Religionen mehr oder weniger offen vor. Am stärksten davon betroffen sind Baha’i, Sufis und Anhänger freier und neuerer spiritueller Lehren, die das Regime als Bedrohung seiner Legitimation interpretiert. Anhänger vorhergehender Buchreligionen wie Juden und Christen werden offiziell anerkannt und toleriert, aber insgeheim doch verfolgt, unterdrückt, bekämpft, mindestens aber argwöhnisch beäugt.
Es gibt viele Theorien und Begründungen, warum das Regime diese Verfolgungen durchführt. Hauptinteressen scheinen jedoch, die Aneignung des Besitzes der Betroffenen und Unterdrückung jeglicher Andersartigkeit in der Weltanschauung zu sein.
Eine kleine Auswahl an Berichten über Verhaftungen von Männern und Frauen, die sich den Baha’i zurechnen.
Acht Baha’i Frauen inhaftiert
Acht Baha’i-Anhängerinnen – Shana Shoughifar (27), Negin Khademi (34), Neda Badakhsh (60), Arezoo Sabhanian (48), Yeganeh Rouhbakhsh (19), Mojgan Shahrezaei, Parasto Hakim (47) und Neda Emadi (42) – wurden in Isfahan verhaftet, um ihre Haftstrafen anzutreten, und in das Dolatabad-Gefängnis überführt.
Wie die Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtet, wurden die Frauen am Samstag, dem 27. Dezember 2025, zur Zweigstelle 2 der Vollstreckungsbehörde des Revolutionsgerichts von Isfahan vorgeladen. Nach ihrem Erscheinen wurden sie in Gewahrsam genommen und ins Gefängnis überführt.
Gleichzeitig mit ihrer Verhaftung und Überstellung wurden die SIM-Karten ihrer Mobiltelefone gesperrt.
Zuvor hatte die Abteilung 1 des Revolutionsgerichts von Isfahan Shoughifar, Khademi, Badakhsh, Sabhanian, Rouhbakhsh, Shahrezaei und Hakim zu jeweils 10 Jahren Haft verurteilt, während Emadi zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde.
Diese Frauen waren ursprünglich am 23. Oktober 2023 von Streitkräften festgenommen und später innerhalb von zwei Monaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten gegen Kaution freigelassen worden, bis das Gerichtsverfahren abgeschlossen war.
Baha’i: Pariya Marandiz
Pariya Marandiz, eine Baha’i aus Teheran, wurde verhaftet, um ihre Haftstrafe anzutreten.

Marandiz am Samstag, dem 22. November 2025, festgenommen und in das Evin-Gefängnis überführt, um ihre Strafe zu verbüssen.
Bereits am Montag, dem 22. September 2025, hatte die 23. Kammer des Revolutionsgerichts in Teheran sie zu drei Jahren Haft sowie einer zweijährigen Einschränkung ihrer Online-Aktivitäten wegen „propagandistischer Aktivitäten gegen den Staat“ verurteilt.
Gemäss dem Urteil ist der schwerste Teil der Strafe – zwei Jahre Haft – vollstreckbar, während 18 Monate der Strafe für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Das Urteil wurde im Zusammenhang mit dem Vorwurf erlassen, während des 12-tägigen Krieges zwischen Israel und Iran Propaganda gegen die Islamische Republik Iran betrieben zu haben.
Ihre Vernehmung fand am 16. August 2025 in der 3. Kammer der Staatsanwaltschaft im Bezirk 33 in Teheran statt, nach der sie gegen eine Kaution von 3,5 Milliarden Toman vorübergehend freigelassen wurde.
Nach Ausbruch des 12-tägigen Konflikts wurde Marandiz mehrfach von Sicherheitsbehörden vorgeladen und verhört.
Sie war ausserdem bereits am 17. Juni 2025 kurzzeitig festgenommen worden; dabei durchsuchten Streitkräfte ihre Wohnung und beschlagnahmten zahlreiche persönliche Gegenstände, darunter Bücher, religiöse Fotos, Laptops sowie Mobiltelefone von ihr und ihrer Familie.
Baha’i: Geheimdienst verhaftet Armaghan Yazdani

Armaghan Yazdani, eine Baha’i-Anhängerin aus Shiraz, wurde von Agenten des Geheimdienstes der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) festgenommen.
Yazdani wurde am Mittwoch, dem 23. Juli 2025, in Shiraz festgenommen.
Mit dem Vorfall vertraute Quellen berichten, dass Geheimdienstagenten der IRGC Yazdani auf offener Strasse festnahmen und sie zusammen mit ihrer Mutter und Schwester nach Hause brachten. Nach ihrer Festnahme durchsuchten die Agenten die Wohnung gründlich.
Bei der Razzia beschlagnahmten die Behörden mehrere persönliche Gegenstände Yazdanis, darunter ihr Mobiltelefon, Ausweisdokumente, Bücher und Lehrmaterialien.
Es liegen keine näheren Informationen zu den Gründen ihrer Verhaftung, ihrem derzeitigen Aufenthaltsort oder den gegen sie erhobenen Vorwürfen vor.

Yazdani ist die Verlobte von Vahid Masoumi, einem Baha’i, der im November letzten Jahres vom Geheimdienstministerium verhaftet wurde. Masoumi wurde Ende Dezember 2024 gegen Kaution freigelassen, bis das Gerichtsverfahren abgeschlossen ist.
Baha’i: Roya Sabet
Roya Sabet, eine Baha’i-Frau aus Schiras mit langjähriger Aufenthaltserlaubnis in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wurde zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt und in das Adelabad-Zentralgefängnis in Schiras verlegt.

Sabet im Haus ihrer Schwester in Schiras festgenommen und in das Adelabad-Gefängnis gebracht, um ihre Haftstrafe anzutreten. Ihre Festnahme erfolgte am Samstag, dem 25. Oktober 2025.
Sabet war zuvor von der 1. Abteilung des Revolutionsgerichts von Schiras zu insgesamt 25 Jahren Haft verurteilt worden, davon 20 Jahre wegen „Zusammenarbeit und Kommunikation mit israelischen Staatsbürgern und Institutionen sowie Bildung und Leitung einer Gruppe mit der Absicht, gegen die nationale Sicherheit zu handeln“ und fünf Jahre wegen „Förderung von Baha’i-Religionen, die der islamischen Scharia widersprechen“.
Gemäss dem iranischen Strafzusammenrechnungsgesetz entschied das Gericht, dass die schwerste ihrer Strafen, zehn Jahre Haft, vollstreckt werden würde.
Die Bahai-Frau, die seit 23 Jahren in den VAE lebte, war bereits am 15. Februar 2024 festgenommen worden, nachdem sie vom Geheimdienst der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) in Shiraz vorgeladen worden war. Ihr wurden „Propaganda gegen das Regime“ und „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ vorgeworfen.
Sie wurde im August 2024 nach fünf Monaten Untersuchungshaft gegen Kaution aus dem Adelabad-Gefängnis entlassen.
Quelle für alle Berichte über die Baha’i: hengaw.net
In diesem Artikel geht es um Dokumente, welche die Politik der Verfolgung belegen.
© Helmut N. Gabel für mehriran.de, 2025



