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Zeit für Einschüchterungen

Eine Welle von zeitgleichen Einbrüchen bei Personen, die für die Einhaltung von Menschenrechten im Iran eintreten, lenkt den Verdacht auf eine vom Regime im Iran orchestrierte Aktion.

Als die Familie von Nasrin Sotoudeh am Freitag von einem Begräbnis heimkam, war die Wohnungstür aufgebrochen, die Schränke und Schubladen ausgeräumt und alles, was kostbar war, verschwunden. Reza Khandan, der Ehemann der berühmten Sacharov Preisträgerin 2012 und Menschenrechtsanwältin, hat den Einbruch auf seiner Facebook Seite bekannt gemacht. Eine kanadische Organisation berichtete gleich darüber. (http://hriran.com/en/component/content/article/98-important-news/4014-nasrin-sotoudeh-home-raided-and-looted-two-weeks-after-2012-sakharov-prize-delivered.html)

Wie erst jetzt bekannt wurde, haben Vandalen schon am Montag, 23.12.2013 das Büro von Dr. Seyed Mostafa Azmayesh in Paris heimgesucht und verwüstet. Mehrere Datenträger mit jahrelangen persönlichen Forschungsergebnissen wurden entwendet. (http://hriran.com/1389-09-08-13-21-40/1389-09-08-13-50-50/10867-1392-10-07-09-03-49.html)

Dr. Seyed Mostafa Azmayesh ist Exiliraner und lebt seit 38 Jahren in Paris von wo aus er häufig Interviews zu Menschenrechtsverletzungen und Hintergründen der Ideologie des Systems im Iran gibt. Er ist Religionswissenschaftler, Jurist und erforscht seit Jahren die Geschichte der Religionen und Weltanschauungen im Vorderen Orient. Er leitet die Internationale Organisation zum Schutz der Menschenrechte im Iran (IOPHRI), die sich immer wieder im Europäischen Parlament, bei den Vereinten Nationen oder in Menschenrechtsgremien einzelner Staaten zu Wort meldet und die Verfolgungen verschiedener Gruppierungen im Iran durch das Regime bekannt macht. Seine Organisation setzte sich durch wiederholte Strassenaktionen in verschiedenen europäischen Hauptstädten für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh ein.

Es ist keine zwei Wochen her, dass eine kleine europäische Delegation unter Leitung von Tarja Cronberg, Frau Sotoudeh und den Regisseur Jafar Panahi in der griechischen Vertretung in Teheran traf. Dieses Treffen hat unter den Fundamentalisten des Regimes, die dem Versöhnungskurs Rohanis äusserst kritisch  gegenüberstehen, starke Proteste ausgelöst. Diese Fundamentalisten neigen dazu Zeichen zu setzen, damit auch jeder versteht, dass sie noch da sind.
Wie es zur Zeit aussieht, stehen hinter den dreisten Einbrüchen in Teheran und Paris vermutlich Agenten eines der zahlreichen Geheimdienste im Iran. Neben der Einschüchterung haben die Einbrüche Sachschaden durch Vandalismus hinterlassen und den Geheimdienst mit wichtigen Informationen über die Arbeit der Menschenrechtler versorgt.

Link zum Radiointerview (Farsi) über die Einbrüche: hier klicken.

Quelle: http://mehriran.de/artikel/zeit-fuer-einschuechterungen.html