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Wege zur Überwindung der Zensur

Die Jahreshauptversammlung 2011 der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte brachte vielfältige Aspekte zur Situation der Menschenrechte im Iran zu Tage. Wie bereits der Präsident der IGFM Freiherr von Bischoffshausen in seiner Begrüßung der Gäste zur Sprache brachte, befindet sich die Welt in einem Übergang zwischen interessengesteuertem und wertegeleitetem Handeln.

Präsident der IGFM Freiherr von Bischoffshausen

Menschenrechte basieren auf einem nach menschlichen Maßstäben vereinbarten Werten. Sie stellen, grob gesagt, die freie Entwicklung des Individuums und der dafür günstigen Bedingungen in den Mittelpunkt und grenzen sie an der Verletzung der Freiheit anderer Individuen ab.

Shirin Ebadi bei der IGFM am 18.03.2011

Die diesjährige Veranstaltung hatte Zensur im Fokus und nahm sich insbesondere den Iran vor. So war es auch die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die als Keyspeaker den Reigen der Iran-Experten eröffnete. Sie schilderte verschiedene Arten von Zensur, die von dem Regime im Iran betrieben werden. Als Beispiel sprach sie über die Zensur bei der Übersetzung literarischer Werke, Verbot von Kritik an Verfassung und Grundgesetz, Blockaden elektronischer Medien, Verbot an iranische Studenten im Ausland Iran als Thema ihrer Arbeiten zu nehmen, usw...

Shirin Ebadi setzt sich für Menschenrechte ein

Eindrücklich schilderte sie auch die Verfolgung von Andersgläubigen, die von dem Regime als Minderheit betrachtet werden. Ebadi ging auf die Situation der Bahai und der Gonabadi Derwische im Iran ein, die schweren Vorwürfen und Verfolgungen durch das Regime ausgesetzt sind. Sie forderte die Menschen und die Politiker im Westen auf, angesichts der nuklearen Katastrophe in Japan, auf Atomkraft zu verzichten und gleichermaßen auf die Fokussierung auf Atomstrom im Iran zu verzichten. Um die Situation im Iran zu verändern, plädierte sie für ein Akzentuierung der Menschenrechte. Im Iran sieht sich die Bevölkerung laut Ebadi brutaler Gewalt, die stetig zunimmt gegenüber, die große Mehrheit will jedoch mit friedlichen Protesten weitermachen bis ein neuer Iran möglich wird. Als Unterstützung verlangte sie mehr Entschlossenheit vor allem von der Europäischen Union im Vorgehen gegen das Regime im Iran. Sie wies darauf hin, dass viele hohe Funktionäre des Regimes gerade in Deutschland Konten unterhalten und verlangte eine Sperrung dieser Konten.
Am Schluss wurde sie gefragt, ob sie angesichts der offenen Todesdrohungen gegen sie nicht um ihr Leben fürchte, worauf sie den Tod als unwiederbringliche Wahrheit bezeichnete, die jeden ereilt, weshalb sie sich nicht einschüchtern lasse.

Am Nachmittag setzte der Arbeitskreis Iran die Schilderungen zu Zensur im Iran und Wegen zur Überwindung der Zensur fort. Hoshang Asadi, Schriftsteller aus Paris und Betreiber der Webseite roozonline.com,  schilderete wie er in einem iranischen Gefängnis gefoltert wurde und welchen Schwierigkeiten er im Exil als Fremder fern der Heimat ausgesetzt war. Grund seiner Folterungen waren ideologische Differenzen mit den Machthabern.

Hoshang Asadi, Schriftsteller

Mehrere Blogger und Betreiber von Webseiten saßen danach gemeinsam an einem Tisch und beschrieben Wege zur Überwindung von Zensur. Mehdi Mohseni, Journalist und Blogger, der seit 2009 in Deutschland lebt, Amir Rashidi, Redakteur der Karoubi nahestehenden Webseite Advâr, der in Frankfurt lebt, Parisa Najafi-Tonekaboni, Aktivistin der 1 Million Unterschriften Aktion und Bloggerin, Mansoureh Shojaee, Autorin, die in Nürnberg lebt, Ali Babaie von United4Iran Frankfurt/Darmstadt, Sebastian Knoll, United4Iran  aus Frankfurt und einem Mitglied der Internationalen Organisation zum Schutz der Menschenrechte im Iran, der auch Betreiber von mehriran.de ist. Im Wesentlichen beschrieben die sechs Aktivisten unter der Moderation durch die Islamwissenschaftlerin Petra Uphoff die Vielfalt von Aktionen, die Bevölkerung im Iran zu unterstützen durch Informationen aufgeklärt über das Geschehen im Iran zu bleiben und sich mit Hilfe von Twitter, Facebook und anderen Diensten über das Internet und über die Möglichkeiten von Telefonie und Teletext zu organisieren. Meinen Beitrag, den ich nur stark abgespeckt vorgebracht habe, stelle ich unter diesem Link vollständig zur Verfügung.

Dr. Azmayesh und Dr. Uphoff

Schlußakkord der Veranstaltung bildete der Vortrag von Dr. Mostafa Azmayesh aus Paris über die Gründe der Verfolgung der Derwische im Iran. Zu seinem Vortrag geht es über diesen Link: "Warum werden Sufis im Iran verfolgt?"