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Unschuldig!

mehriran.de - Warum Mohammad Salas nicht der Fahrer des "wild gewordenen Busses" sein kann und das Todesurteil gegen ihn ungerechtfertigt ist. Die Organisation zur Verteidigung spiritueller Wege (Kianetasavof) argumentiert sehr schlüssig, dass das in niedriger Instanz gefällte Todesurteil von Richter Mohammadi Kaschkuli abgelehnt werden muss.

 

Mohammad Salas vor Gericht

mehriran.de - Mohammad Salas wird beschuldigt Fahrer des "wild gewordenen Busses" vom Abend des 19. Februar 2018 in der Teheraner Pasdaran Allee gewesen zu sein. Die drei Gerichtsverhandlungen wurden im Teheraner Gerichtshof, Abteilung 9, unter Vorsitz von Richter Mohammadi Kaschkuli in Anwesenheit der beiden hohen Berater Abbasi und Wolkie abgehalten. Der Druck von den Familien der so genannten Nadscha Märtyrer auf das Büro des Staatsanwalts, die höchst mögliche Bestrafung in der Anklageschrift zu verlangen, war hoch. Der auf den Fall angesetzte Richter wickelte die Anhörung in sehr kurzer Zeit ab. Der Prozess wurde in großer Eile durchgeführt, dem Beschuldigten gewährte man keinen Zugang zu einem eigenen Anwalt, er wurde formell auf Grund dreifachen Mordes verurteilt. Doch dieses Gerichtsurteil ist aus mehreren Gründen ungültig.


Mohammad Salas vor Gericht, in der Mitte Richter Kaschkuli


Mohammad Salas bei den Protesten

Im Folgenden diskutieren wir über das Fehlen jeglicher Beweise der Anklage und die Gründe, warum das Gerichtsurteil ungültig ist. Wir gehen dabei auf die fehlende Rekonstruktion der Ereignisse des vorgeblichen Verbrechens ein, wir hinterfragen warum das Tatfahrzeug (der "wild gewordene Bus") weder physisch noch in Foto- und Filmmaterial begutachtet wurde, wir weisen auf den Umstand hin, dass keine Fachleute der Spurensicherung oder forensische Wissenschaftler einbezogen wurden und wir wundern uns, warum keine Fingerabdrücke aus dem Bus präsentiert wurden.

Diese klaffenden Lücken in der Beweislage gegen den Beschuldigten, die faktische Tatsachen und physische Objekte betreffen, zeigen deutlich seine Unschuld. 

Diese Aspekte haben eine wesentliche Bedeutung und erfordern die eingehende Aufmerksamkeit und Beschäftigung der ehrwürdigen Richter am höchsten Gerichtshof des Landes. Wenn das höhere Gericht diese Aspekte berücksichtigt, kann es nur zu einer Abweisung des Urteils des niederen Gerichts führen. 

Rekonstruktion der Ereignisse basierend auf Aussagen von Augenzeugen:

Der stärkste Beweis für die Unschuld von Mohammad Salas sind die Tatsachen, die aufzeigen, dass eine andere Person hinter dem Lenkrad des "wild gewordenen Busses" saß, die für den Tod der drei Sicherheitsmitglieder verantwortlich ist. Wir zeigen im Folgenden einige unveröffentlichte Fotos aus einer vollständigen Foto- und Filmsammlung mit Bezug zum "wild gewordenen Bus", der drei Menschen getötet und andere verletzt hat. Dazu geben wir Zeugnisse neutraler Augenzeugen wieder. Die Zeugnisse liegen als Fotografien von dem in die tragischen Vorfälle verwickelten Bus aus unterschiedlichen Winkeln vor. Diese exklusiven Fotos sind bislang von keiner anderen Quelle veröffentlicht worden und wurden von dem "Internationalen Verbund zum Schutz der spirituellen Lehren der Sufis" zur Verfügung gestellt. Augenzeugen bestätigen, dass der "Killerbus" von einem jungen Mann mit Vollbart und vollem schwarzen Haar gefahren wurde. Im Gegensatz dazu hat Herr Salas einen weißen Haarkranz und ist nicht mehr der Jüngste. 


Screenshot aus dem Video von dem Fahrer des Busses



Mohammad Salas zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung


Die Historie der Protestierenden, die sich bei der Polizei dafür beschweren, dass sie von Polizeifahrzeugen überfahren werden.

Es gibt eine lange Historie von Vorfällen mit Polizeiwagen, bei denen Menschen in den Straßen von Teheran oder auch in anderen Städten bei Demonstrationen überfahren wurden. Es ist üblich, dass diese Vorfälle auf Grund der Immunität der Täter juristisch nicht verfolgt werden. 

In den letzten Jahren sind im Iran Provokationen durch Zivilagenten der Sicherheitskräfte (agents provacateur) immer üblicher geworden. Diese zur Erzeugung von Chaos eingesetzten - auch al-Nasir Balerab genannten - Kräfte sind kein neues Phänomen und sind schwer von der Hand zu weisen. Fotos, Videos und Audio-Zeugnisse solcher Einsätze sind sowohl in iranischen als auch in ausländischen Datenbanken zu finden.

Die wahren Absichten des Fahrers des "Todesbusses" waren am Abend des 19. Februars in 7. Golestan Bezirk für niemanden ersichtlich. Augenzeugen berichten, der Busfahrer sei ohne ersichtlichen Grund sehr hysterisch erschienen und hätte den Bus nicht kontrollieren können oder habe nicht die Fähigkeit gehabt dies zu tun.

Wertet man die Filmaufnahmen und Augenzeugenberichte alle zusammen aus kann man festhalten, dass der Fahrer ein junger Mann war, der Bus zur Transporteinheit der Revolutionsgarden gehört und der Bus von Karadsch nach Teheran durch uniformiertes Personal der Revolutionsgarden gefahren wurde. Darüber hinaus war der Bus in einer der Straßen im Bezirk Pasdaran geparkt und wurde zu den Nadscha (Sicherheitskräfte Einheit) hinbewegt. Überrascht von dem Bus, der sich ihnen von hinten näherte, flüchteten die Nadscha Beamten auf die Gehwege und eröffneten in aller Öffentlichkeit sofort das Feuer auf den Bus. Die Kugeln ließen nicht nur die Fenster zerbersten, sondern drangen auch in die Seitenwände ein. Die abgefeuerten Projektile hielten den Bus jedoch nicht an und der Bus rollte durch die mit Nadscha Beamten gefüllte Straße und hinterließ viele Schwerverletzte. Auch die Frontscheibe des Busses weist Einschusslöcher auf, jemand muss auch auf den Fahrer gezielt haben. Offensichtlich versuchte der Fahrer den Bus zu verlassen und bewegte sich zum Ausgang auf der rechten Seite, als er wahrscheinlich von einer Salve von Schüssen niedergestreckt worden sein könnte. Auf der rechten Seite neben dem Fahrersitz weist die Frontscheibe deutliche Einschusszeichen auf.


Zerschossene Seite des "wild gewordenen Busses"


Frontscheibe mit zahlreichen Einschüssen

Man kann davon ausgehen, dass der Fahrer des Busses durchsiebt von Kugeln war, als man ihn herauszog. Der Bus kam erst zum Halten als er gegen feste Hindernisse geprallt war.

Mohammad Salas kann nicht der Fahrer des "wild gewordenen Busses" gewesen sein

Da der Bus von mehr als 40 Projektilen getroffen wurde, müssten Insassen des Busses und insbesondere der Fahrer von Kugeln durchsiebt sein. Dies ist nicht der Fall bei Herrn Salas, sein Körper weist keine von Kugeln zugefügte Verletzungen auf. Der Grund dafür liegt darin, dass Herr Salas zum Zeitpunkt des Geschehens in einem Krankenhaus bereits im Koma lag. Herr Salas wurde nämlich wenige Stunden zuvor von Zivilagenten mit Schlagstöcken und anderen Waffen traktiert, wodurch er gemäß Augenzeugen sein Bewusstsein verloren hatte und in ein Krankenhaus gefahren wurde. In diesem Zustand wurde Salas von Sicherheitsbeamten massiv gedrängt sich selbst zu beschuldigen!

Herr Salas ist zwei Stunden vor dem Vorfall mit dem "wild gewordenen Bus" und den Nadscha Einheiten, bewusstlos geschlagen worden und in ein Krankenhaus geliefert worden. Herr Salas kann dadurch keine Rolle in dem Vorfall gespielt haben.  

Warum wird Herr Salas beschuldigt, zu einer Zeit als Befürchtungen die Runde machten, er sei seinen schweren Verletzungen erlegen, der Fahrer des Todesbusses zu sein?

Laut dem auf den Fall angesetzten Richter, war Herr Salas die einzige Person aus der am 19. Februar zwei Stunden vor dem Unfall anwesenden Sufi Gruppe in der Pasdaran Allee, die einen Bus-Führerschein besaß.

Richter Mohammadi Kaschkoli lässt nicht etwa den Vorgang rekonstruieren und forensische Beweismittel vorlegen, stattdessen verknüpft er den Tod der Männer mit dem Umstand, dass Herr Salas einen Bus-Führerschein besitzt.

Der Grund für eine solch erbärmliche Beweisführung liegt in der Illegimität des Gerichts und im Fehlen legaler Beweise, um die Beschuldigungen gegen Herr Salas zu untermauern.

Das Fehlen dokumentierter Beweise des Staatsanwalts für den Richter des Gerichts 

Bei der Gerichtsverhandlung hat Richter Mohammadi Kashkoli in keiner objektiven Weise den Vorwurf des Mords (al-Qataleh) erhoben, noch hat er Fotos und Films von dem Geschehen erwähnt oder zeigen lassen. Ein ordentliches Gericht hätte die Vorlage von Fingerabdrücken vom Lenkrad des Todesbusses eingefordert. Das ist nicht geschehen. 

Warum versuchte der Staatsanwalt ein Geständnis des Angeklagten zu erlangen, anstatt Beweise aus einer ordentlichen kriminologischen Untersuchung vorzulegen?

In der ersten Anhörung vor Gericht, die live von Radio und Fernsehen übertragen wurden, wies Herr Salas alle Beschuldigungen ab und bezeichnete sich als unschuldig. Als Gegenreaktion weigerten sich Staatsanwalt und Richter Bilder von dem Todesbus als Beweismittel zu zulassen. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass bei einem Zeigen der Fotos Herr Salas die Tricksereien des Staatsanwalts live aufgedeckt haben könnte.



Der bemalte "Traumbus der Derwische"


Der zum Schlafraum umfunktionierte "Traumbus" der Derwische

Tatsächlich haben Herr Salas und weitere Freunde während der vorhergehenden Tage und Nächte in einem Bus geschlafen, aus dem sie die Sitze entfernt und Betten eingerichtet hatten und dessen Seiten sie mit Blumen Motiven bemalt hatten. Die Fotos von dem "Traumbus" zeigen, dass der Bus von Herrn Salas sich deutlich von dem "Todesbus" unterscheidet. Der "Todesbus" ist in nüchternem Weiß ohne Bemalung gehalten und durchsiebt von Dutzenden Kugeln. Dadurch hätte Herr Salas bei einem Zeigen der Fotos von dem "Todesbus" sofort den Unterschied zu dem Bus in dem er geschlafen hatte gesehen und den Betrugsversuch des Staatsanwalts bemerkt.

Fazit

Es scheint einen geheimen Plan zu geben, bei dem Richter, Staatsanwälte und andere Beamte des Justizapparates mit dem Sicherheitsapparat Absprachen getroffen haben, um Herrn Salas als Fahrer des "Todesbusses" aussehen zu lassen und daraus allgemein den Sufis und ihrem Leiter den Vorwurf von Terrorismus anhängen zu können, angelehnt an terroristische Attacken der Daesh/ISIS Anhänger, die Unschuldige durch Überfahren töten.

Keinen anderen Schluss lassen die Weigerung, Film und Fotomaterial zu zeigen und das Fehlen forensischer Beweise vom Tatort oder der Fingerabdrücke aus dem Bus zu, als dass man diese Absprachen getroffen hat, um die wahren Ereignisse zu verdecken und einen Aufschrei ob des unglaublichen Skandals zu vermeiden. Ebenso ist das Urteil des Gerichts gegen Mohammad Salas ohne legale Grundlage gefällt worden und hat dadurch keinen Wert, so dass es nicht ausgeführt werden darf.

Da absolut kein eindeutiger Beweis einer Straftat von Herrn Salas vorliegt, ist auch das Urteil einer Wiedergutmachung und die Aufforderung an die Familien der Opfer bei Herrn Salas Hinrichtung anwesend zu sein, gänzlich illegal.

Durch die Einladung an die Familien der Opfer der Hinrichtung beizuwohnen, schafft das Gericht weiteres Unrecht, indem die Hände der Familie mit dem willkürlichen Tod einer unschuldigen Person befleckt werden. Der Fall gegen Herrn Salas ist nicht nur aus Sicht islamischen Rechts und geltendem Rechts ungültig, sondern ist ein kompletter Verstoß gegen alle international ratifizierten Menschenrechte

Headquarters of the Legal Experts of the World Assembly for the Protection of Tasavof