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Retten Sie Nasrin Sotoudeh!

mehriran.de - Das Leben der iranischen Rechtsanwältin Nasrin Sotoudeh ist in Gefahr. Der Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour und der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin, wenden sich jetzt in einem offenen Brief an Außenminister Heiko Maas und bitten ihn dringlich, sich für Frau Sotoudeh einzusetzen.

Fotos aus glücklichen Tagen: Nasrin Sotoudeh, Heiko Maas, Omid Nouripour, Martin Lessenthin

mehriran.de - Das Leben der iranischen Rechtsanwältin Nasrin Sotoudeh ist in Gefahr. Der Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour und der Pressesprecher der IGFM, Martin Lessenthin, wenden sich jetzt in einem offenen Brief an Außenminister Heiko Maas und bitten ihn dringlich sich für Frau Sotoudeh einzusetzen. Hier ist das Original verlinkt.

Sehr geehrter Herr Außenminister,

wir wenden uns mit diesem Schreiben an Sie, um unserer großen Besorgnis über die lebensbedrohlichen Haftbedingungen der iranischen Menschenrechtsverteidigerin Nasrin Sotoudeh Ausdruck zu verleihen und um Sie inständig zu bitten, sich für ihre sofortige Freilassung einzusetzen. 

Die Anwältin kämpft seit über 20 Jahren für die Wahrung von Menschenrechten im Iran, insbesondere der Kinder- und Frauenrechte, und gilt als Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung vor Ort. Für ihr Engagement wurde sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments, dem Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes sowie jüngst dem Alternativen Nobelpreis. 

Wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für Frauen, Kinder, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Journalistinnen und Journalisten, wurde Nasrin Sotoudeh im Juni 2018 zum wiederholten Male inhaftiert und soll eine Strafe von 33 Jahren Gefängnis und 148 Peitschenhieben verbüßen. Um auf die grassierende Covid-19-Pandemie in den iranischen Gefängnissen sowie die nicht vorhandenen Schutzmaßnahmen der Inhaftierten aufmerksam zu machen und zugleich die Freilassung aller politischen Gefangenen zu fordern, war sie zuletzt für 46 Tage in den Hungerstreik getreten. 

Nasrin Sotoudeh hat bereits mehrere Hungerstreiks überlebt. Während ihres letzten Hungerstreiks stand sie allerdings kurz vor einem multiplen Organversagen. Sie ist schwer erkrankt und extrem gefährdet, sich mit Covid-19 zu infizieren. Jetzt soll ihr Leid und das ihrer Familie noch vergrößert werden: Am 20. Oktober 2020 wurde sie von Wärterinnen des berüchtigten Evin-Gefängnisses in Teheran aufgefordert, sich für den Transport in ein Krankenhaus vorzubereiten. Anschließend wurde sie jedoch nicht in ein Krankenhaus, sondern in das südlich von Teheran gelegene Shar-e Rey-Gefängnis, auch Qarchak-Gefängnis genannt, verbracht. Die Haftbedingungen dort sind noch schlechter als im Evin-Gefängnis und schlichtweg menschenunwürdig. Über die miserablen Haftbedingungen im Qarchak-Gefängnis berichtete beispielsweise die politische Gefangene Golrokh Ebrahimi Iraee in einem Brief vom 7. September 2020. Aufgrund der unhygienischen Verhältnisse und der fehlenden medizinischen Versorgung, wird den Gefangenen jede Möglichkeit verwehrt, sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen. 

Zudem zeigt die bewusste Täuschung durch die iranischen Behörden auf, dass Nasrin Sotoudeh seelisch gebrochen werden soll und sie bewusst der Gefahr einer tödlichen Erkrankung ausgesetzt wird. Mit der Verlegung ins Qarchak-Gefängnis spielt die iranische Regierung gezielt mit ihrem Leben. 

Bitte fordern Sie die iranische Regierung auf, Nasrin Sotoudeh umgehend medizinische Behandlung zu ermöglichen und die 57-Jährige freizulassen. Ihr Eintreten könnte das Leben einer der unermüdlichsten Menschenrechtsverteidigerinnen unserer Zeit retten. 

Wir danken Ihnen für Ihre Bemühungen. 

Omid Nouripour, Mitglied des Deutschen Bundestages

Martin Lessenthin, Sprecher des Vorstands Internationale Gesellschaft für Menschenrechte Deutsche Sektion e.V. 

Hier geht's zum Original.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte hat dieses Statement dazu veröffentlicht:

Offener Brief an den Außenminister:
Maas soll sich für die sofortige Freilassung von Nasrin Sotoudeh einsetzen
 

Diese Meldung und der Brief als pdf auf der Webseite: www.igfm.de/offener-brief-an-aussenminister-maas-einsatz-fuer-nasrin-sotoudeh/

Frankfurt am Main, 22. Oktober 2020 - In einem offenen Brief an Bundesaußenminister Heiko Maas appellieren der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, Omid Nouripour, und der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin, Maas solle sich für die sofortige Freilassung der Menschenrechtsverteidigerin Nasrin Sotoudeh einsetzen.

Die international geachtete Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh war zuletzt in einen 46-tägigen Hungerstreik getreten, um auf die nicht vorhandenen Schutzmaßnahmen für Insassen in iranischen Gefängnissen aufmerksam zu machen, in denen die Covid-19-Pandemie grassiert. Daraufhin ist sie selbst schwer erkrankt. Vor zwei Tagen, am 20. Oktober, wurde sie trotz ihres schlechten gesundheitlichen Zustandes in ein anderes Frauengefängnis verlegt, in dem miserable Haftbedingungen herrschen.
Nouripour und Lessenthin bitten den deutschen Außenminister, die iranische Regierung aufzufordern, Sotoudeh umgehend medizinische Behandlung zu ermöglichen und die 57-jährige sofort freizulassen. „Nasrin Sotoudeh ist eine Symbolfigur der iranischen Bürgerrechtsbewegung. Sie kämpft unermüdlich für die Demokratie, für die Rechte von Frauen, Kindern und Jugendlichen sowie für die Freilassung politischer Gefangener, stellen Nouripour und Lessenthin fest. „Mit der Verlegung Sotoudehs spielt die iranische Regierung gezielt mit ihrem Leben. Das Eintreten des Außenministers könnte das Leben einer der unermüdlichsten Menschenrechtsverteidigerinnen unserer Zeit retten“. 

Omid Nouripour engagiert sich seit vielen Jahren als Pate im Programm „Parlamentarier schützen Parlamentarier" des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestages für die bereits mehrfach aus politischen Gründen inhaftierte Nasrin Sotoudeh. Die Menschenrechtsanwältin gehört dem Kuratorium der IGFM an. Nasrin Sotoudeh erhielt im September 2020 den Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes und im Oktober 2020 den Alternativen Nobelpreis.