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Regime im Iran setzt seine Zwangskultur fort und verbietet Musikunterricht

Das Regime im Iran führt seine Kampagne zum „moralischen Verhalten“ mit 1,5 Milliarden Dollar üppig ausgestattet durch.

Früher gab es eine wahre Sing-und Musikkultur in unseren Breitengraden. Am Eingang etwas verstaubt wirkender Schenken ländlicher Gegenden steht immer noch neben einer abgebildeten Laute geschrieben: „Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Nun ja immerhin, es gibt noch den Eurovision Song Contest und nachdem wir schon eine Weile Papst sind, sind wir jetzt nach dem 1. Platz von Lena Meyer-Landrut ohne Zweifel auch die Wonne pur und die Singkultur breitet sich wieder aus in Deutschland. Ob wir  den Stil mögen oder nicht, hoffen wir auf die Jugend, die lieber auf Teufel komm’raus singen möge als auf das, was uns aus dem Iran bekannt wird. Da sitzen Leute an der Macht, die von sich behaupten religiös zu sein und sich hinter dem Etikett Islam verbergen. Sie morden, henkern, foltern, auferlegen ihrer Bevölkerung zahllose Zwänge und erzeugen Chaos und Schrecken nicht nur in Iran. Sie interpretieren ihre totalitären Ansprüche als Frieden. Was heißt das genau?
Islamische Werte, laut ihrer Interpretation, beinhalten keine Musik. Iran hat jetzt ein Verbot erlassen, das allen freien Schulen verbietet, Musik zu unterrichten. Das Verbot wurde im Zuge der Kampagne erlassen, moralisches Verhalten zu fördern, zu dem auch ein Erlass gehört, an Universitäten sehr strenge Bekleidungsvorschriften einzuführen.
„Musik zu machen, widerspricht den Prinzipien unseres Wertekanons,“ drückt es Ali Bagherzadeh vom Erziehungministerium, Direktor der Privatschulabteilung in einem Telefoninterview mit Ali Sheikholeslami für bloomberg.com aus. Iran hat 16.000 Privatschulen, an denen 1,1 Millionen Schüler lernen.
Die Kampagne zur Förderung moralischen Verhaltens wurde im Zuge der Maßnahmen gegen die rebellische Jugend, die einen großen Teil der Protestbewegung ausmachen, gestartet. Innenminister Mostafa Mohammad-Nadschar sagte am 10. Mai 2010, man habe für die Kampagne 1,5 Milliarden Dollar bereitgestellt, um „die kulturellen und sozialen Übel zu lösen“. Mit dem Geld sollen auch verstärkt Frauen in „moralische Kleidung“ gezwungen werden. Auf der Verbotsliste stehen weiterhin lautes Lachen, Nagellack, hochhackige Schuhe und unzüchtige Kleidung für Frauen und Männer. Mohammad-Nadschar versprach bei Nichteinhaltung „strengste Behandlung“ von Seiten der Polizei. Ein Geistlicher behauptete im April während einer Freitagspredigt, unzüchtig gekleidete Frauen würden Erdbeben auslösen. Ausgelöst hat es bei vielen Leuten im Westen, dass sie sich über ihn lustig gemacht haben, und das Experiment „boobquake“ lanciert haben.
Was die Musik anbelangt, so war es in den staatlichen Schulen schon immer verboten sie zu unterrichten, sagte Bagherzadeh und fügte hinzu, dass eine Schule, die Musik unterrichte, sofort und für immer geschlossen würde und ihr Leiter ein Verbot auferlegt bekomme, je wieder eine Schule zu eröffnen. Jegliche Musikinstrumente, auch die traditionellen iranischen Instrumente, dürfen nicht mehr gespielt werden.
Iran hat eine sehr reichhaltige Musiktradition und viele begnadete Musiker und Sänger. Das Spektrum reicht von traditioneller Musik, von der schon die in Europa lebenden Troubadoure und später die Minnesänger inspiriert waren, bis zu einer starken Bewegung bei Jugendlichen zur modernen Musik wie Hip-Hop und Schwermetall. In Deutschland wird die Troubadour Kultur gerade wiederbelebt.