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Omîd: Musik für die Seele

Das Ensemble Omîd spielt bezaubernde Sufi Musik in Köln.

Anne-Marie van den Bercken und Anneloes van Hout sind Omîd.

Am Ende sangen die Zuschauer im Kölner Hinterhofsalon mit. Die einfachen und interessanten Klänge, die von Gitarre, Flöte und der persischen Rahmentrommel Daf kamen, wirkten sehr eindringlich. Omîd sind Anne-Marie van den Bercken und Anneloes van Hout, beide Holländerinnen. Bei jedem Konzert spielt noch ein Gast mit. In Köln spielte Eva Knoche die Daf, ein traditionelles Sufi Instrument, das im Iran auch heute noch beliebt ist.
Im Iran hat sich über Jahrhunderte eine uralte musikalische Tradition erhalten, obwohl immer wieder von Seiten fundamentalistischer Prediger Verfolgungen gegen Musiker und Verbote von Musik ausgelöst wurden und auch viele Sufi Musiker getötet wurden. Auch heute stehen fundamentalistische Gläubige der Musik sehr ablehnend gegenüber. Doch die Musik lässt sich nicht aus dem Iran verdrängen, das beweisen Musiker wie Mohammed Resa Schadscharian.
"Hör die Flöte  – wie sie erzählt, und wie sie singend klagt vom Schmerz der Trennung". (Mewlana Dschalaledin Rumi, persischer Mystiker, der in Balkh geboren wurde und in Konya starb) Rumi lebte vor ca 800 Jahren, in einer Zeit als die Mongolen halb Asien verwüsteten. Seine Dichtungen berühren auch heute noch Menschen in Ost und West. Neben den schönen Bildern seiner Sprache haben seine Gedichte Rhythmen, die tief ins Herz des Zuhörers dringen, wenn sie in richtiger Weise rezitiert werden. So ließ Anne-Marie van den Bercken zu Beginn des Konzertes ihre Flöte erklingen und darin lag Sehnsucht und Wehmut zu Hauf. Im Lauf des Abends wurden Dichtungen von Rumi, Hafis und Seyed Azmayesh in deutscher Übersetzung rezitiert und später in persischer Sprache mit der Musik gespielt und gesungen. Ein Beispiel für die Liebeslyrik:

Navaie (Sanfte Berührung)

Wehmut und Sehnsucht nach Dir

haben die verborgenen Kammern meines Herzens ausgefüllt.

Du sitzt in meinem Herzen so schön wie Leila in der Sänfte.

Brich nicht mein Herz, es ist doch nur ein wildes Vöglein,

Das nicht mehr wiederkehrt, wenn es vom Dach geflogen.

Einen Dorn in meinem Fuss ertrage ich mit Leichtigkeit,

Doch wie gehe ich um mit einem Dorn, der in mein Herze drang?

Refrain
Jeder ist sehr freundlich, nur Du Blume bist grausam.

Warum? Du läßt Dein lieblich Antlitz nur fünf Tage im Jahr sehen.

Sanft berührt, sanft berührt, sanft berührt…

Viele Zuschauer waren nicht nur von der Einfachheit der Musik beeindruckt, sie konnten besonders auch die Stille nach der Musik geniessen. "Die Gedanken kommen zur Ruhe", sagte eine Zuschauerin "und aus dem Nichts steigt eine Freude und Wärme auf." Sozusagen grundlos vergnügt.

Am Schluß sangen Omîd das Lied der Freiheit für alle Menschen im Iran, die unterdrückt und gepeinigt werden und sich für ihre Freiheit erheben. Ein Hörbeispiel ist auf der Webseite von Omîd zu finden. Die nächsten Konzertermine sind in Berlin, Hamburg und im Mai wieder in Köln. Ein berührendes Erlebnis. Ob am Ende wieder alle mitsingen werden?