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Nicht verbrennen, sondern begreifen - Koran, Islam und Stammesbräuche

Glaube: Problem und Lösungsvorschlag, Rede von Dr. Seyed M. Azmayesh vor Abgeordneten des flämischen Parlaments in Belgien am 20.06.2012

Dr. Azmayesh während einer Tagung zusammen mit Dr. Petra Uphoff

Stammesbräuche aus der Zeit vor dem Islam

In der vor-islamischen Zeit war die Arabische Halbinsel von zahlreichen Stämmen bevölkert. Diese Stämme folgten uralten Bräuchen, die größtenteils auf Aberglauben gründeten. Der Koran enthält eine beträchtliche Anzahl von Versen, die sich gegen diese Stammesbräuche aussprechen, doch viele dieser abergläubischen Praktiken blieben auch nach der Offenbarung des Korans unter der Flagge des Islams erhalten. Hier einige wenige Beispiele:

·      Steinigungen

·      Polygamie

·      Zwang gegenüber Frauen sich zu verschleiern mit religiöser Begründung

·      Geschlechtsverstümmelungen bei Mädchen - während ihrer Kindheit oder schon bei der Geburt

Und weitere ähnliche Bräuche, die bereits vor dem Entstehen des Islams existierten, jedoch durch Verse im Koran ganz klar abgeschafft wurden.

Hidschra oder der historische Auszug
Der Prophet Mohammed verliess seine Heimatstadt Mekka, um nach Yasreb auszuwandern. Dort schuf er die alten Stammesbräuche nach und nach ab, während er gleichzeitig eine neue soziale Infrastuktur auf der Grundlage neuer gesellschaftlicher Vereinbarungen aufbaute. Er gab Yasreb den Namen Medinah (Medina) - Stadt, Polis. Das Wort Tamaddon ist eine Ableitung von dem Wort Madineh und bedeutet Zivilisation. Der islamische Kalender beginnt nicht mit der Geburt Mohammeds[1] oder dem Entstehen des Islams in Mekka, sondern nimmt seinen Anfang in der Gründung der ersten Zivilgesellschaft innerhalb der ersten muslimischen Stadt. Die Bedeutung dieses Auszugs aus dem einen sozialen Bezugsrahmen in eine neu zu gesaltende soziale Gemeinschaft liegt in dem Zeitpunkt zwischen zwei historischen Phasen. Es war der Übergang von der Zeit der Stammesbräuchen zu der Zeit sozialer Vereinbarungen im Rahmen einer Zivilgesellschaft.

Abwesenheit von gründlichem Wissen über den Islam im Westen
In westlichen Gesellschaften weiss man sehr wenig über die Lehren des Koran und die Wahrheiten des Islams und wenn, dann nur so Ungefähres. Gleichzeitig sind die Türen westlicher Gesellschaften für den Osten weit offen, weil man aus einer demokratischen Gesinnung heraus gemäß der Menschenrechtscharta eine freie Religions- und Meinungsäußerung gewähren will. Doch da man im Westen sehr wenig über Islam weiss, haben gewisse Leute freie Hand ihre archaischen Traditionen unter der Flagge des Islams in die modernen Gesellschaften einzubringen. Die Bevölkerung westlicher Staaten halten die Handlungen derjenigen, die sich als Muslime ausgeben für die echte Religion des Propheten Mohammed. Die Mehrheit der politischen Klasse im Westen beachtet nicht, dass viele dieser Stammesbräuche durch die Ausführungen des Korans verboten und zurück gewiesen wurden. Einige Leute entwickeln einen Hass auf Islam und verbrennen beispielsweise das heilige Buch, wodurch sie die muslimische Bevölkerung auf der ganzen Erde dazu drängen den Westen zu hassen.

Islam und Anarchismus
Sehr oft kommt es vor, dass gewisse Anarchisten dieses Missverständnis ausnutzen, um Hass und Intoleranz unter den Gemeinschaften zu verbreiten, während sie ihre wahren Absichten hinter islamischen Vorwänden verbergen. Das ist eine gefährliche Falle für die Zivilisation. Heutzutage nehmen diese Anarchisten Islam als Vorwand, um Menschenrechte, menschliche Werte und Demokratie anzugreifen. In Reaktion auf diese Anarchisten, nehmen gewisse Leute und gewisse politische Gruppierungen eine rigide und abweisende Haltung gegenüber Islam und Koran ein. In der Folge können die Anarchisten sich mit Leichtigkeit als unschuldiges Opfer inszenieren und den westlichen demokratischen Gesellschaften vorwerfen von einer anti-islamischen Tendenz geleitet zu sein. Es ist ein Teufelskreis, der religiösen Fanatismus nähren und der den Kampf zwischen Gruppierungen einer Gesellschaft anheizen wird.

Die religiöse Revolution in Iran von 1979
Ich lebe seit mehr als 36 Jahren im Westen. Ich stamme aus einem Land, in dem sich die erste "religiöse Revolution" vor mehr als 33 Jahren zugetragen hat. Als ich an der Teheraner Universität Jura studierte, war ich Zeuge davon, wie eine junge Generation heranwuchs, welche die Werte der Gesellschaft in eine islamische Ideologie verändern wollte. Sie wollten ein blühendes, unabhängiges und freies Land haben. Sie wollten der Pahlavi Dynastie ein Ende bereiten, die den Iran oberflächlich verwestlichten. In all diesen Wünschen und Hoffnungen wurden die jungen Leute zutiefst durch die Theorien eines gewissen Ali Shariati beeinflusst.

Ali Shariati
In jener Periode graduierte Ali Shariati von der Universität Maschad im Fach Soziologie und erhielt ein Stipendium, um seine Studien mit dem Ziel einen Doktortitel zu erlangen, in Paris fort zu führen. Die 50'er und 60'er Jahre waren eine Zeit sozialer Verwerfungen. Kommunistische Gruppierungen waren sehr aktiv. Mao hatte seine revolutionäre Bewegung gegen Chiang Kai-Tscheck siegreich durchgeführt und Vietnam stand in einem Krieg gegen die USA. Algerien kämpfte für seine Unabhängigkeit gegen die französischen Kolonialisten. Die meisten revolutionären Bewegungen wurden durch den Ostblock unterstützt - dem kommunistichen Block. Ali Shariati vertiefte sich in die Bücher des Existentialisten Albert Camus und war tief bewegt.

In der muslimischen Gesellschaft Algeriens war die revolutionäre Bewegung mit Islam durchtränkt, wodurch eine neue rote Ideologie aus einer Mischung von Marxismus und Islam geboren war. Nachdem Shariati seine Studien beendet hatte, kehrte er in den Iran zurück und startete eine Kampagne eines revolutionären Islams. Shariati übernahm den Großteil von Lenins Ideen und schuf eine Art dschihadistische Interpretation von Islam.

Er war sehr kritisch gegenüber der westlichen Demokratie, den westlichen Gesellschaften und der kapitalistischen Zivilisation im Okzident. Er wollte ein nicht-demokratisches Herrschaftssystem schaffen, vergleichbar mit der lenin'schen Diktatur des Proletariats. Er bezeichnete dieses Model eines nicht-demokratischen Systems die Diktatur der Salehin, die Rechtgläubigen. Dieser Gesellschaftstypus enthält eine hierarchische Struktur, die am oberen Rand durch eine Elite von Muslimen unter der Führung eines Imams vertreten wird.

Ali Shariati hielt regelmäßig Vorträge mitten in einem großen Teheraner Hörsaal, dem Hosseinieh Ershad. Er pflanzte seine Ideologie in die Köpfe und Herzen der jungen iranischen Generation, die auf der Suche nach der eigenen Identität war. Bald verhaftete der Geheimdienst des letzten Schahs Ali Shariati und steckte ihn für 2 Jahre ins Gefängnis, wo er an seinen Thesen weiterarbeiten durfte und sogar in den auflagenstärksten Zeitungen veröffentlichen konnte.

Der Schah respektierte als geborener Muslim den Islam. Er fühlte sich stetig vom Kommunismus, der durch den mächtigen sowjetischen Nachbarn exportiert wurde, bedroht. Einst verübte eine Gruppe von Kommunisten, die der Tudeh Partei nahe standen, während einer öffentlichen Rede ein Attentat auf den Schah. Aus jener Zeit stammte seine Phobie gegen Kommunismus. Er erklärte einen offenen und harten Kampf gegen alle kommunistischen Untergrundorganisationen im Iran. Aus diesem Grund tolerierte er eher Aktivitäten von Muslimen in einigen Städten des Landes. Er tolerierte Artikel und Reden von Ali Shariati, weil sie Islam befürworteten und Kommunismus nicht Vorteilhaft erscheinen liessen. Der Schah war kein Experte, um Unterschiede zwischen der Religion des Islams und einer revolutionären Ideologie, die sich hinter dem Namen Islam verbarg, zu sehen.

Die Masse der jungen iranischen Generation war zutiefst von Shariatis Veröffentlichungen beeinflusst und fand nach seinem Tod im Londoner Exil den von ihm versprochenen Imam in der Person Ayatollah Khomeinis aus Paris. Das war der Anfang einer religiösen Revolution in der Welt. Ayatollah Khomeini verbrachte ungefähr 3 einhalb Monate in der Pariser Vorstadt Neuf-le-Chateau bevor er vor inzwischen 33 Jahren in den Iran zurückkehrte und ein neues religiöses Herrschaftssystem mit dem Namen Islamische Republik Iran aus dem Hut zauberte. Ich habe 36 Jahre in Paris gelebt und erlebe, wie sich jetzt hier im Westen noch Mal ein ähnliches Szenario vollziehen wird. In meiner bescheidenen Ansicht ist es jetzt für westliche Politiker an der Zeit, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen, um die Werte von Demokratie und sozialer Freiheit zu bewahren und zu schützen.

Islam und die Menschenrechts-Charta
Gemäß der Charta für Menschenrechte hat jedes Individuum das Recht auf eigene Überzeugungen, auf einen eigenen Glauben, auf eine eigene Religion, auf eine eigene Meinung und das Recht seine Gedanken und seine Weltanschauung frei auszudrücken. Die westliche Zivilisation hat ihre Gesellschaftsvereinbarung auf diesen wichtigen Prinzipien aufgebaut. Aus diesem Grund haben Gläubige verschiedener Religionen das Recht ihre eigene Religion in eigenen Gebetshäusern auszuüben, Hindus in Hindutempeln, Buddhisten in ihren Zentren und ebenso können Muslime die entsprechenden Genehmigungen einholen, um ihre Moscheen aufzubauen. Laut Koran sind Moscheen nichts anderes als Gebetsstätten, um ausschließlich Allah zu verehren. Allerdings spricht der Koran von bestimmten Bedingungen, bevor eine Moschee gebaut werden kann. Wenn die Moscheenerbauer diese Bedingungen nicht in ihrer Persönlichkeit und ihren Absichten erkennen lassen, sollten diese Bauten nicht als Moscheen betrachtet werden und die Muslime haben nicht die Erlaubnis an solchen Orten ihre Gebete zu verrichten.

Man hört in verschiedenen Ländern von Fällen, wo Geistliche Unterweisungen erteilen, um frisch zum Islam Konvertierte einer Art Gehirnwäsche unterziehen und sie zu einer Art Anarchismus bringen. Angesichts solcher Moscheen, die von Gehirnwäschern und fanatischen Manipulatoren benutzt werden, sind die politischen Führer der westlichen Gesellschaften sehr still. Sie denken solche Orte anzugehen, sei gleich zu setzen mit einem Angriff auf den Islam. Das ist nicht wahr. Im Koran wird klar unterschieden zwischen zwei Kategorien von Moscheen: die Zirar Moscheen, die gebaut werden, um im Namen des Islams Leute zu beeinflussen und zu manipulieren und den echten Gebetshäusern, die der Anbetung Allahs dienen sollen. Der Koran berichtet von einer Gruppe von Heuchlern innerhalb der Gemeinschaft der Muslime zu Lebzeiten des Propheten Mohammeds. Diese Heuchler hatten eine Moschee gebaut und Mohammed aufgefordert an der Einweihungszeremonie ihres sogenannten Gebetshauses teilzunehmen. Doch Allah sandte dem Propheten eine Botschaft diesen Bau nicht einzuweihen, sondern leitete ihn dazu, diese falsche Moschee zu zerstören. In diesem Fall betont der Koran die Bedeutung der ehrlichen, selbstlosen und aufrechten Absicht der Moscheenerbauer. Das gibt uns zu verstehen, dass eine nicht transparente Finanzierung eines Moscheebaus einen Hinweis gibt auf eine ungültige Moschee, statt dessen auf ein gefährliches Zentrum, welches die freie Gesellschaft und die Zivilisation bedrohen. Laut Koran dürfen solche Zentren nicht existieren.

"Und unter den Heuchlern gibt es jene, die eine Moschee gebaut haben, um dem Islam Schaden zuzufügen und Unglauben zu verbreiten und um Uneinigkeit zwischen den Gläubigen zu säen und um ein Versteck für jenen zu schaffen, der schon Krieg gegen Allah und seinen Boten geführt hatte. Diese werden sicherlich schwören: "unsere Absichten mit dieser Moschee waren die Besten." Doch Allah ist Zeuge, dass sie gelogen haben. Oh Prophet! Niemals sollst Du in jener Moschee betend stehen. Sicherlich ist die Moschee, die vom ersten Tag an aus Demut und Frömmigkeit gebaut wurde mehr Wert, dass Du betend darin stehst..." (Verse 107-108 / S 2)

Der Text der belgischen Verfassung in persischer Übersetzung
Westliche Politiker sollten Islam und den Koran erforschen, um zu verstehen, dass eine Abwehr retrograder und reaktionärer Verhaltensweisen und Werten kein Angriff auf den Islam ist. Wir wollen an die Zeit vor 100 Jahren erinnern, als die Fortschrittsbewegung einen Etappensieg gegen die Despotie der Kadscharen Dynastie errang. Damals wurde der Text der belgischen Verfassung ins Persische übersetzt, um die Gesetzgeber zu inspirieren eine demokratische Verfassung auch für den Iran zu formulieren. Einige religiöse Fanatiker hatten eine sehr negative Auffassung von dieser Verfassung. Sie warnten die Iraner im Namen des Islams nicht den Weg der aus westlichen Ländern importierten Demokratie zu gehen, sondern die Kadscharen Dynastie durch ein strenges religiöses Herrschaftssystem unter Führung religiöser Autoritäten zu ersetzen. Die iranischen Freidenker und Laizisten jener Zeit konnten auf einen solchen Einwurf nicht eingehen, doch schrieb glücklicherweise die höchste religiöse Autorität aus Nadschaf eine sehr eindeutige und klärende Antwort auf jene These und wies den Einwurf der religiösen Fanatiker zurück. Großayatollah Na'ini, die höchste Autorität jener Zeit, schrieb ein Buch als Antwort auf die "islamischen" Kritiker des Verfassungstextes. In dem Buch zeigte er auf, wie die hässlichste Fratze von Tyrannei hinter der Maske eines religiösen unterdrückerischen Systems steckt, das dem Land eine Diktatur auferlegen und seine Tyrannei mit der Instrumentalisierung von Religion rechtfertigen will. Dank der Erklärungen von Na'ini setzte sich damals zunächst der demokratische Ansatz durch und fand die Anerkennung der Geistlichen.

Vorgehensweisen
Meiner bescheidenen Meinung nach, ist es noch nicht zu spät Demokratie und demokratisch arbeitende Gesellschaften vor den Angriffen der Fanatiker zu schützen, indem wir folgende Aspekte berücksichtigen:

      I.         Moderate Muslime müssen non-profit kulturelle Vereine und Organisationen gründen, um nicht das Feld frei zu lassen für die Anarchisten im Namen des Islams und des Korans zu sprechen. Diese muslimischen NGO's sind notwendig, um Konferenzen, Symposien, offene Diskussionen, usw. zu veranstalten, damit diese berechnenden Fanatiker ihre Ideologie nicht weiter ungehindert und mit raffinierten Methoden ausbreiten.

     II.         Eine genaue Übersetzung der Koranverse muss her, die sich an der Chronologie der Offenbarungen hält! Es ist schlichtweg notwendig und wichtig eine solche Arbeit zu leisten. Die Koranverse sind nämlich veröffentlicht worden, um Menschen zu bilden und ihnen einen Weg zu zeigen sich allmählich von Unwissenheit zu menschlichen Werten und einer menschengemäßen Zivilisation zu entwickeln. Diese Verse sind in einem bestimmten Sinnzusammenhang offenbart worden und erfüllen ihren Sinn erst, wenn sie in der entsprechenden Reihenfolge, in der Mohammed sie seinen Zeitgenossen offenbart hat, gelesen werden. Die heutigen Veröffentlichungen des Korans enthalten allesamt eine veränderte Reihenfolge. Die Bedeutung der Reihenfolge hat damit zu tun, dass die Verse aufeinander aufbauen und die jeweils nachfolgenden Verse die vorhergehenden Verse aufheben. Mohammed orientierte sich in den Offenbarungen der Verse an der jeweiligen Entwicklungsphase seiner Anhänger. Eines der grundlegendsten Prinzipien des Korans ist dieses Prinzip des Aufhebens, das man Naskh nennt. Naskh wird im Koran als ein unumgägliches und absolutes Prinzip Gottes in der Gestaltung der Welt beschrieben. Der genaue Vers dazu lautet: "Jedwelchen Vers heben wir auf oder lassen von ihm, danach bringen wir einen besseren Vers als den davor oder zumindest einen gleichwertigen." (Vers 106/S 2)

Ein Beispiel von der Anwendung des Prinzips der Aufhebung
“Und wenn Du sie heiraten willst und Sorge hast den Waisenmädchen nicht gerecht zu werden (heirate sie nicht, eher) heirate Frauen (andere als die Waisenmädchen), die Dir wohlgefallen. (Du kannst) zwei oder drei oder vier (heiraten) (vorausgesetzt Du wirst Ihnen allen gerecht), doch wenn Du Sorge hast Ihnen nicht (allen) gerecht zu werden, dann (verbinde Dich nur mit) einer." Vers 3 / S 4

Allmähliche Aufhebung der überlieferten Traditionen

In der vorislamischen Periode war die Vielfrauenehe (Polygamy) überall auf der arabischen Halbinsel verbreitet und es war Männern erlaubt ein Harem mit einigen Frauen als Sklaven unter ihrer Herrschaft zu haben.

Der Koran geht diesen Brauch an und beginnt den Brauch nach einer sich allmählich entfaltenden Methode abzuschaffen:

-       Im ersten Schritt ermutigt der Koran diesen Brauch

-       Im nächsten Schritt verbietet der Koran das Harem

-       Im dritten Schritt legt der Koran eine begrenzte Anzahl von Frauen fest, die ein Mann heiraten kann

-       Im letzten Schritt schliesslich bezieht der Koran die Polygamy auf die Unmöglichkeit gerecht zu handeln, und preist die Ehe mit einer Frau aus Gründen ansonsten nicht allen gerecht zu werden

Die Leute, die in einer Vielfrauenehe leben möchten, führen gerne als Vorwand jenen Teil der Verse an, der von vier Frauen spricht, doch hebt der letzte Vers alle vorhergehenden Aussagen auf. Das heisst die richtige Reihenfolge der Offenbarungen zu kennen, ist entscheidend. Damit wird es nicht möglich einfach zu behaupten dies oder jenes zu tun, weil es im Koran steht. Es reicht nicht, dass im Koran etwas gesagt oder nicht gesagt wurde, entscheidend ist zu wissen, ob es in anderen Versen aufgehoben wurde oder nicht. Dieses Prinzip gebietet Leuten Einhalt, die gewisse Koranparagraphen aus dem Zusammenhang reissen, um ihrer Sehnsucht nach Anarchie einen religiösen Anschein zu geben.

   III.         Auf den Konferenzen, die von den moderaten islamischen Kulturorganisationen durchgeführt werden, können gewisse entscheidende Prinzipien erklärt und vertieft werden. Vortragende können auf diesen Konferenzen die exakten Koranverse zu wichtigen Fragen rezitieren. Sie können folgende Fragenkomplexe behandeln:

a.    Der Koran empfiehlt nicht Steinigungen als muslimische Todesstrafe.  Steinigungen sind nicht Teil des islamischen Strafkanons. Der Koran schildert lediglich diese Art zu töten als eine gebräuchliche Unterdrückungsmethode von Despoten und Tyrannen, um Angst und Schrecken unter der Bevölkerung im Allgemeinen zu verbreiten und insbesondere Monotheisten und Freidenker zu terrorisieren. Nie hat ein Prophet oder Gottesbote jemanden mit Steinigung bedroht, hingegen sind zahlreiche Heilige und Propheten gesteinigt worden oder von Despoten mit Steinigung bedroht worden. Aber heutzutage wird diese Art von Todesstrafe  als islamische Strafe in einigen muslimischen Ländern wie Iran, Somalia, Afghanistan, usw. ausgeführt.

b.    Kein Koranvers erwähnt Beschneidungen von Mädchen in der Kindheit als religiöse Verpflichtung. Trotzdem lassen heutzutage aus muslimischen Ländern stammende Eltern ihre Mädchen auch im Westen beschneiden. Im Westen sind Beschneidungen von jungen Mädchen ein Verbrechen, da sie nichts anderes bewirken als eine Verstümmelung eines Körperteils.

c.     Vom Standpunkt des Korans stellen individuelle Verantwortung, freier Wille, freie Meinung, Freiheit der Wahl wichtige Charaktermerkmale des Menschseins dar. Der Unterschied zwischen Menschen und Tieren liegt in der Fähigkeit von Menschen gegensätzliche und manchmal sich widersprechende Werte der Dinge zu unterscheiden und das Beste auszuwählen. Den Bürgern Einheitlichkeit zu verordnen und sie zu zwingen die gleiche Kleidung zu tragen oder sich in gleicher Weise zu Verhalten ist nicht in Übereinstimmung mit den exakten Koranversen und läuft dem Geist der Offenbarungen völlig zuwider.

d.    In einigen muslimischen Gesellschaften wird den Frauen im Namen des Islams vorgeschrieben sich zu verschleiern oder ein Kopftuch zu tragen. Auch dieser Brauch wird von Frauen der eingewanderten Muslime im Westen fortgesetzt. Viele westliche Behörden trauen sich nicht sich gegen solche Bräuche zu äußern, weil sie glauben sie würden das heilige Scharia Gesetz verletzen - dieser Stammesbrauch hat aber weder etwas zu tun mit dem Koran, noch mit Islam.

e.    Auf Grundlage des Korans gibt es keine Einheitlichkeit was den Glauben, die Gedanken, Weltanschauungen oder die Bekleidung der Menschen anbelangt. Im krassen Gegensatz dazu, auferlegen muslimische Rechtsexperten der Gesellschaft ihre eigenen erfundenen Meinungen im Namen islamischen Rechts.


Schlussfolgerung

Der Koran vertritt die Ansicht, dass der bedeutendste Feind eines Menschen sein/ihr Ego ist. Der gläubige Muslim entwickelt im Lauf seines Lebens menschliche Qualitäten wie Toleranz, Großzügigkeit und Ritterlichkeit, indem er/sie dauerhaft mit den Auswüchsen seines/ihres Egos ringt (großer Dschihad). Die oben erwähnte Serie von Kursen und Konferenzen können eine grundlegend gebildete Generation unter gläubigen Muslimen in westlichen Gesellschaften ermöglichen. Die Kurse können in westlichen Gesellschaften die Balance zwischen Glaube und Modernismus herstellen und den Respekt für menschliche Werte erhalten. Sie können der Gesellschaft helfen die Falle ziviler Trennungen und Verwerfungen zu vermeiden. Sie können den Vorwand der Anarchisten, im Namen des Islams zu handeln, aufbrechen. Eine solche Serie kann die Gesellschaft unterstützen, die gefährliche Entwicklung von Fanatismus im Namen des Islams zu unterbinden. Eine solche Serie von Unterweisungen können ein sehr gutes Beispiel einer zivilisierten und modernen muslimischen Gesellschaft für die gesamte muslimische Weltgemeinschaft abgeben.

Dr. Seyed M. Azmayesh


[1] Der christliche Kalender bezieht sich auf die Geburt Jesu.