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Nachrichten aus dem Schattenreich: Irans verborgene Machtstrukturen pulsieren

mehriran.de - Sie scheuen das Licht der Öffentlichkeit, aber arbeiten hart daran ihre Ideologie in der Welt zu streuen. Eine Gruppe rechtsradikaler Islamisten bewegt sich im Schatten der offiziellen Machtstrukturen Irans. Ihre Protagonisten gelten als absolut loyal dem Obersten Führer Ali Khamenei und seinem ehrgeizigen Sohn Modschtaba Khamenei gegenüber. Wir werden uns in diesem Artikel zum Kern der Gruppe vorarbeiten.

Hossein Tâeb bei der Arbeit

Bassidschi - die formbare Masse?

Als die Revolution von 1979 in die Hände Khomeinis fiel, wurde neben der weiterbestehenden regulären Armee noch schnell eine Prätorianer Garde eingerichtet aus eifrigen Studenten und Anhängern der Revolution im Sinne Khomeinis. Die Pasdaran oder sogenannten Revolutionsgarden sollten und sollen die Errungenschaften der Revolution und das System des Obersten religiösen Herrschers beschützen und bewahren. Dazu formte Khomeini aus dem Heer der sogenannten Unterdrückten und Armen die Bassidschi, eine Massenorganisation, die auch über paramilitärische Einheiten verfügt. Mitglieder dieser Organisation werden gezielt für besondere Aufgabe herangezogen.
Ideologie und Geld gehen an dieser Stelle Hand in Hand. Nach einem ausgeklügelten Versorgungsprinzip (siehe Artikel: "Aktiver Beitrag wird mit Geld entlohnt") werden die Bassidschi ideologisch eingestellt und mit Amt und Würden betraut. Nach der offensichtlich gefälschten Präsidentschaftswahl von 2009 und den offenen Protesten (Artikel über die Rolle der Bassidschi bei der Niederschlagung der Proteste) vieler Bürgerinnen und Bürger auf den Straßen, haben die Verantwortlichen des Systems ihre Kontrolle und Ausspähung der iranischen Gesellschaft verstärkt. Eine Cyber Armee innerhalb der Reihen der Bassidschi wurde aufgestellt und mit modernster Technologie vertraut gemacht. So formt das Dideban Forschungs- und Studienzentrum für Antirevolutionäre Strömungen (Institute of research about the anti revolutionary streams) in Schnellkursen junge Bassidschi zu Netzexperten mit marginalen religiösen Kenntnissen und verleiht ihnen Mantel und Turban, um sie als Mullahs in den Schoß der Cyber Armee aufzunehmen. Zu den Aufgaben gehört auch die propagandistische Vorbereitung der nächsten Machtusurpation einer extrem rechtsgerichtet Gruppe von Islamisten, die Dschihad als bewaffneten Kampf gegen jede Person und jeden Staat interpretieren und propagieren. Unter anderem haben die Ideologen dieser Gruppe das Internet als Schlachtfeld ausgemacht.

Didebân
Didebân sitzt im Zentrum eines Spinnennetzes mit zahlreichen Winkeln. Mehrere Abteilungen bilden die Winkel des Spinnennetzes. Ausspionieren, täuschen, falsche Fährten legen, anschwärzen, Rufmord begehen, erpressen, bedrohen sind nur einige der Methoden, um gegen vermeintliche Feinde vorzugehen. Die im Exil lebende Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi wird zum Beispiel gebetsmühlenartig auf Webseiten wie Bultan News oder Adyân News usw. als Zionistin dargestellt. Die inhaftierte Anwältin Nasrin Sotoudeh wird mit einem Prostitutionsring in Verbindung gebracht und so kann man allerlei Beispiele der Einflüsterungsversuche finden. Ein Ring an Webseiten, die dem Zentrum zuzurechnen sind, verbreiten die gleichen Nachrichten, ähneln sich im Erscheinungsbild und zielen auf die nicht-informierten Bürgerinnen und Bürger Irans. So wurden in den letzten Jahren mehrere Feinde oder für die Legitimation des Regimes bedrohliche Gruppierungen im Iran ausgemacht. Für jede dieser Gruppierung wurde eine Abteilung gegründet, deren Arbeit darauf zielt Kampagnen voranzutreiben, die eine Ausschaltung der jeweiligen Gruppe zur Folge haben soll. Zu den feindlichen Gruppen gehören "falsche Religionen", "falsche Mystik", Bahai, die sogenannte grüne Bewegung im Iran, Menschenrechtsgruppen u.a.

Man unterschätze die Wirkung nicht! In der Folge solcher Kampagnen wurden bereits Bahai und Derwisch Friedhöfe zerstört, Bahai und Derwisch Häuser und Geschäfte niedergebrannt, Menschen verhaftet, weil sie Bahai oder Derwische oder konvertierte Christen oder Sunniten sind.

Zahlreiche und zunehmend ausgefeilte Filtersysteme behindern den Informationszugang von unerwünschten Websites im Iran. Satellit Anlagen werden in sich ausweitenden Kampagnen von immer mehr Dächern geholt. Blogger verhaftet und beschuldigt gegen die nationale Sicherheit zu handeln, wenn sie Informationen über Ereignisse im Iran austauschen. Zugleich arbeitet die Cyber Armee daran weitere Jugendliche und junge Erwachsene für ihre Mission zu gewinnen und Brot und Würden zu verteilen, wenn jemand bereit ist sich in den gehorsamen Dienst des Regimes zu stellen.


Das Netz um Didebân

Mehdi und Hossein Tâeb

Als Mohsen Edschäi als Geheimdienstminister unter Ahmadinedschad gehen musste, wurde Hossein Tâeb als Nachfolger gehandelt, doch Ali Khamenei hatte eine andere Aufgabe für ihn. Heydar Moslehi war der Mann Khameneis für Geheimes im Kabinett von Präsident Ahmadinedschad, während der jüngere Bruder Hossein Tâeb einen Geheimdienst innerhalb der Bassidschi Organisation aufbauen durfte. Iran Experten halten diese Organisation für die mächtigste und aktivste Gruppe innerhalb der unterschiedlichen Geheimdienstfraktionen im Iran, weil sie von Khamenei protegiert wird. Der Prediger (Hodschat-ol-eslam) Hossein Tâeb gilt als schweigsam und im Hintergrund aktiv. Er scheut das Licht der Öffentlichkeit. Seine Mitarbeiter haben Zugang zu allen Archiven und Informationen, die Iran vorliegen.

Sein älterer Bruder heißt Mehdi Tâeb , der auch ein Kleriker ist und sich nicht scheut derbe Aussagen zu machen ("Wir müssen nicht den Saudischen Botschafter in den USA umbringen, denn wir sind in der Lage König Abdullah zu liquidieren!"). Er gilt als Kopf der Ammar Partei (Ammariyoun) (Artikel über die Ammariyoun Gruppe.) Seine Mitstreiter wie Hassan Abassi oder Alireza Panahian sind schillernde Figuren, die Gewalt preisen und sich als Hüter und Botschafter eines wahren Islam verstehen. Religions- und Islamwissenschaftler staunen über die kruden Vorstellungen, die aus den Reihen der Ammariyoun - Ideologen zu Islam verbreitet werden. Im Wesentlichen erkennen Experten Vorstellungen steinzeitlicher Stammeskulturen, die ein straffes Gehorsam- und Strafprogramm anzubieten haben und sich mit allerlei Feindbildern über Wasser halten. Unter anderem wird der Einsatz von Selbstmordattentätern (Artikel zu den Aktivitäten von Ammariyoun diesbezüglich) befürwortet und ideologisch überhöht.

Die Vorgänge im Schatten können gefährlich werden, wenn sie unbeachtet bleiben und keine geeigneten Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Helmut N. Gabel für mehriran.de

weiterführende Links:

insideofiran.org/component/content/article/25-1389-11-29-10-03-18/11104-------q-q---.html

www.didehbancenter.com/fa/