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Die grüne Welle - Iran elections 2009

Ali Samadi Ahadi zeigte eine 52 Minuten Version seines Films über die Ereignisse im Iran bei den Präsidentschaftswahlen 2009 im Iran

Nach der Preview der Dank an die Mitstreiter, Ali Samadi Ahadi

Die Islamische Republik Iran hat die Welt erschreckt. Viele hielten die IRI bis zum Juni 2009 für die demokratischste Gesellschaft im Nahen Osten und unterstützten den Iran als Garant für etwas Stabilität in der Region. Jetzt sind die politischen Spitzen ratlos, hilflos und sehr vorsichtig. Die neu angekündigten Sanktionen gegen das Regime hören sich kühn an und es gibt Kräfte in Iran’s Führungsriege, die sie auf jeden Fall abwenden wollen. Diese Führungsriege ist aber gespalten in viele verschiedene Fraktionen, die sich gegenseitig bekämpfen. Zum Beispiel stehen nicht mehr alle hinter Ahmadinedschad, die Brüder Laridschani widersetzen sich zusehends der Politik des Präsidenten.

Tatsache ist, dass sich die junge Generation nicht mehr ihre Bürgerrechte vorenthalten lassen will. Die Reaktionen auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen 2009 haben eine deutliche Sprache gesprochen. Seither brennt ein Feuerwerk an Protesten im Iran. Manchmal werden einzelne Protestveranstaltungen im Westen wahrgenommen, doch das stete Bemühen der aufgeklärten Bürger um Freiheit und Selbstbestimmung unter rigiden und brutalen Rahmenbedingungen im Iran, wird in der Regel wenig beachtet oder gerne auch mal von der Mehrzahl deutscher Medien kleingeredet. Das mag auch daran liegen, dass westliche Medien keinen direkten Zugang zu Informationen im Iran haben und das Regime eine geschickte Informations und Lobbyarbeit ausserhalb Irans betreibt. Umso unermüdlicher setzen sich Exiliraner für ihre Mitbürger in der Heimat ein. Zum Beispiel mit Hilfe von Filmen. Am Dienstag, 22.06.2010 bringt Arte um 20:15 Uhr die Kurzfassung eines Dokumentarfilms über die Ereignisse 2009 im Iran.

"Iran elections 2009" zeigt die Stimmung im Iran vor den Wahlen und die brutalen Reaktionen des Regimes auf öffentliche Proteste gegen die offensichtlichen Wahlfälschungen.

Der Dokumentarfilm »IRAN ELECTIONS 2009« ist ein Plädoyer für Freiheit und Demokratie im Iran und eine Mahnung, die anhaltenden schweren Menschenrechtsverletzungen in diesem Land nicht aus dem Gedächtnis der Weltöffentlichkeit verschwinden zu lassen. Viele Iraner setzten im vergangenen Jahr große Hoffnung auf die Wahlen und damit auf das Ende der Schreckensherrschaft unter Präsident Ahmadinedschad. Umfragen prognostizierten einen klaren Sieg des Herausforderers Hossein Mussavi. Tausende Menschen gaben dem ersehnten Regierungswechsel mit der Farbe Grün öffentlich Ausdruck als ein Symbol für Veränderungen im Land.

Trotz deutlicher Anzeichen für Wahlbetrug wurde der Amtsinhaber zum Sieger erklärt. Der oberste geistige Führer Irans, Ajatollah Khamenei, stärkte dem Regime den Rücken. Die anschließenden landesweit friedlichen Proteste wurden brutal niedergeschlagen. Tausende Iraner kamen ins Gefängnis, es gab mehr als hundert Tote. Die Bilder der auf der Straße sterbenden jungen Frau Neda gingen um die Welt. Bis heute sind im Iran friedliche Demonstranten und Kritiker von Verhaftung, Folter, Vergewaltigung und Hinrichtung bedroht.

Der 52-minütige Dokumentarfilm »IRAN ELECTIONS 2009« von Ali Samadi Ahadi, preisgekrönter Regisseur (»Lost Children«,«Salami Aleikum«), zeichnet eindrucksvoll die Geschehnisse nach. Da im Iran lebende Personen zu sehr gefährdet sind, bedient sich der Film zweier fiktiver, animierter Figuren, die Studenten darstellen. Sie dokumentieren anhand realer Blog-Beiträge die Ereignisse 2009 und spannen den Bogen bis in die Gegenwart. Interviews mit Exil-Iranern wie der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und erschütternde Archiv-Aufnahmen ergänzen die biografischen Erzählungen der beiden »Studenten«.

"IRAN ELECTIONS 2009" wurde am Mittwoch, 16. Juni 2010 vor einem größeren Publikumskreis gezeigt. WDR/ARTE-Redakteurin Sabine Rollberg sprach von überraschend günstigen umständen, die die Produktion des Films möglich machten. Am 22. Juni 2010 wird er denn auch im Rahmen des Themenabends "Jugend im Iran" am 22. Juni 2010 auf ARTE ausgestrahlt. Später soll eine längere Version in die Kinos kommen.

In der anschliessenden Diskussion machte Ali Samadi Ahadi klar, warum er den Film gedreht hat.

Zunächst bezog er sich auf seinen Beitrag bei der Kölner Konferenz "Menschenrechte im Iran - Unterstützung der Zivilgesellschaft aus Europa". Dort hatte er die ersten drei Artikel des Grundgesetzes zitiert, um zu zeigen was ihm wichtig sei und wozu er alle Menschen in der Welt aufrufen will. Hier nochmals zur Erinnerung:

Artikel 1:(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. Artikel 2: (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Artikel 3: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Ali Samadi Ahadi fühlt sich als deutscher Staatsbürger diesen Artikeln verpflichtet. Er will die Artikel und sein Engagement auch nicht auf den Iran begrenzt verstanden wissen. “Egal ob Afghanistan, Pakistan, Simbabwe oder Uganda, überall geht es um Menschenrechte, Demokratie und Freiheit.” Sein erster Film handelte von Kindersoldaten in Uganda, ein Motiv, das einst auch seiner Biografie eine unerwartete Dynamik gab. Seine Eltern verliessen den Iran in der Zeit des Irak-Iran-Krieges, als das Regime Kindersoldaten mit umgehängten Plastikschlüsseln in die Minenfelder der Iraker schickte.

Seine ursprüngliche Heimat liegt ihm aber doch am Herzen: “ich bin Iraner und liebe die wunderschönen Berge und Täler und Süßigkeiten”, bringt er seine Verbundenheit nicht ohne schelmischen Humor zum Ausdruck. Dabei betont er die Fröhlichkeit der Iraner und den lebensrettenden Humor in einer leidvollen Umgebung. (“..die meisten Witze stammen aus der Zeit der mongolischen Herrschaft über den Iran..”)

So ist der Film zugleich Dokument und Botschaft der nach Freiheit strebenden Iraner. “Wir wollen die Stimmen aus dem Iran hörbar machen”. In der Preview waren die Stimmen klar vernehmlich zu hören. Europa, hörst du zu?