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Das Lumpengesindel singt Elegien

Im Iran haben die Verteidiger der Revolution Vorfahrt. Die Bassidschi-Gruppe der sogenannten Rechtschaffenen oder Salehin hat tief wirkende Methoden, um seine Anhänger zu entschlossenen Attacken gegen in ihren Augen "fehlgeleitete Gruppen" zu motivieren und weitestgehend freie Hand Hass gegen andere zu schüren, sie zu beleidigen, anzugreifen, zu verhaften oder zu töten.

Mansour Arzi

Als Lumpengesindel gelten im Iran die Mostazafin - Bedürftige, die zumeist ungebildet, arm und autoritätsgläubig sind. Die unterschiedlichsten Bassidschi Organisation nehmen die Mostazafin gerne unter ihre Fittiche. Es gibt Geld für den Besuch bestimmter ideologischer Kurse, sowie Zuwendungen und Gratifikationen, die man sich nicht gerne entgehen lässt. Im Frühjahr 2010 verkündete der Bassidschi Kommandeur Mohammed Reza Naghdi: „Von nun an, gilt jemand als 'aktives' Bassidschi-Mitglied, der an Programmen wie dem 'Salehin Programm' teilnimmt, der weiterhin mindestens drei Stunden lang ideologische Schulungen mitmacht und mindestens 12 Stunden pro Monat auf einer Bassidschi Basis arbeitet." Das Salehin Programm umfasst ideologische, militärische und politische Sequenzen und dient der Anbindung an das Regime und an die Pasdaran. Ein 'aktives' Mitglied zu sein beschert der betreffenden Bassdschi Einheit einen größeren Geldsegen. 
 Hier spricht sich ein Wunschbild für die Zukunft aus und auch eine gewordene Realität innerhalb der Gesellschaft Irans. Auf eine kurze Formel gebracht: wer bereit ist sich einer Gehirnwäsche zu unterziehen, wird versorgt. Handelt es sich um den Traum eines Staates, der eine in enge Bahnen vorgeformte Ideologie, die alle Lebensbereiche durchdringt, vorschreibt und das Heer seiner Anhänger - oder darf man Sklaven sagen? - im Griff hat?

Ein Teil der schiitischen Kultur ist die tiefe und wiederholte Trauer um den Märtyrertod Hosseins. Diese Trauerkultur wurde im Zuge der Revolution wie so vieles politisiert. Es wurde ein Märtyrerkult geschaffen zur Verteidigung der Revolution. Die traditionellen Trauergesänge wurden über Jahrhunderte von sogenannten Elogen oder Madâh angestimmt. Diese Madâh beherrschen die Kunst durch die Kraft ihrer Gesänge die Massen aufzupeitschen und aufzuwühlen. Bei den Aschura Feierlichkeiten sind Madâhs aktiv und bringen die Gläubigen in einen Zustand, den man schmerzfrei nennen könnte, während dessen Selbstgeißelungen und Hiebe mit Schwertern auf den eigenen Kopf und Rücken üblich sind.

Madâhs genießen Narrenfreiheit
Wer die Unterstützung von Madâhs hat, kann sich einer großen Gefolgschaft sicher sein. Einer der bekanntesten Madâhs heisst Haj Mansour Arzi. Zuletzt trat er bei den Feierlichkeiten zu Ehren Hosseins Anfang Dezember in Anwesenheit Khameneis als Lobredner auf. Er ist einer der Führer der Salehin Bassidschi Bewegung. Ziel der Salehin Bewegung ist es potentielle Märtyrer zu züchten. Arzi hat ähnlich wie Mesbah Yazdi Mahmoud Ahmadinejad bei der Wahl zum Präsidenten unterstützt. Diese Zuneigung fand jedoch ein jähes Ende, als Ahmadinedschad sich deutlich hinter seinen Berater Rahim Maschaie stellte, der von der sogenannten Iranischen Schule sprach, was die Islamistischen Hardliner erzürnte. Arzi bezeichnete denn auch Mashaie als Geschlechtsteil Ahmadinedschads und forderte Ahmadinedschad auf sich nicht mit Leuten einzulassen, die unter seinem Niveau seien. Das Niveau solcher Äußerungen veranlasst sogar konservative iranische Zeitungen vom Lumpengesindel zu sprechen. Arzi lässt sich davon nicht berren, er setzte sogar eine Belohnung für den Mord an Mashaie aus. Arzi und ein weiterer Madâh, Said Haddadian, fielen durch weitere Beleidigungen Maschaies auf und wurden vor Gericht zitiert, wo sie bis heute nicht erschienen sind.

Diese Umstände deuten darauf hin, dass Salehin dem sogenannten "Haus des Führers" sehr nahe stehen und Narrenfreiheit genießen.

Die Attacken von Qom
Der Einsatz der Salehin und vor allem der Madâhs für die zweifelhaften Errungenschaften der usurpierten Revolution ist kein neues Kapitel in der Geschichte der Islamischen Republik Iran. Schon während des Krieges Iraks gegen Iran sind sowohl Kinder in Minenfelder geschickt worden, als auch Erwachsene zu Himmelfahrtskommandos mit einem Ende als Märtyrer getrieben worden. Die wirkungsvollen Einpeitschungen durch Madâhs laufen auf zwei Ebenen ab. Spezielle Gesänge wühlen die Gemüter der Zuhörer auf und erzeugen eine wilde Entschlossenheit zu Handeln. Schließlich wird durch bestimmte Stichworte eine bestimmte Moralität bei den Zuhörern angesprochen und schließlich erfolgen Appelle und Handlungsanweisungen. 

Nach demselben Prinzip wurden auch Angriffe auf Versammlungshäuser der Nematollah Gonabadi Derwische seit 2006 durchgeführt. Die größte Auseinandersetzung zwischen Sufi Derwischen dieses Ordens und Bassidschi fanden im Frühjahr 2006 statt, als mehr als 10.000 Bassidschi versammelt wurden, um 1.450 Derwische, die ihr Versammlungshaus mutig verteidigten, zu vertreiben. Letztlich setzten die Bassidschi das Versammlungshaus in Brand und zwangen die Derwische dadurch zur Aufgabe. Bevor die 10.000 Mann losgeschickt wurden trieb ein Madâh, der in die Kettenmorde Ende der 90er Jahre in Kerman verwickelte Shahshahani, die Menge per Lautsprecher mit seinen Gesängen an, die mit Hassparolen gegen die Derwische durchmischt waren.

Vertiefen:
 1. http://loaymudhoon.wordpress.com/2009/06/19/machtkampf-im-iran-und-der-schiitische-martyrerkult/
2.http://regimechangeiran.blogspot.com/2006/02/crush-of-dervishes-in-qom.html
3. http://www.maddahi.com/

Kleine Beispiele von Madâhs in eher feierlichen, konzertartigen Veranstaltungen
4. http://www.youtube.com/watch?v=r0Ld4pUV01U&feature=related Mahmood Karimi
5. http://www.youtube.com/watch?v=IdVo4-ieqB8&feature=related Haj Mansour Arzi
6. http://www.youtube.com/watch?v=jz3Qp8zZNZw Vermischte Beispiele
7. http://www.youtube.com/watch?v=S_SJPoy3OgU&feature=related Helali - Poshdeh Hizbullah
8. http://www.youtube.com/watch?v=uc4rFQ1R1UM&feature=related Ahmadinedschad zu Besuch bei Madâhs