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Can you solve this?

Berlin, 29. August 2011; Mittels der Verbreitung eines QR-Codes fiel letzte Woche in Berlin der Startschuss für die Kampagne „Can you solve this?“. Die innovative Menschenrechtsaktion setzt sich für das Recht auf Bildung junger Menschen im Iran ein. Mit dem zweidimensionalen Strichcode auf Plakaten, Aufklebern, Lesezeichen, T-Shirts, Taschen und Straßenkunst sollen Menschen auf die Kampagne und deren Homepage aufmerksam gemacht werden und sie animieren, sich an die Bundesregierung zu wenden. Die Kampagne wird unterstützt von einem Bündnis verschiedener Organisationen wie zum Beispiel der Gesellschaft für bedrohte Völker, dem European Foundation for Democracy, Mideast Youth oder des Comittee of Human Rights Reporters.

Can you solve this?

Dabei ist die Botschaft der Kampagne, “Can you solve this?”, bewusst doppeldeutig. Zum einen sind Menschen eingeladen, durch Einscannen den Code zu entschlüsseln. Zum anderen werden Menschen in aller Welt aufgerufen, sich zusammenzuschließen, um dabei zu helfen, das Problem der Verweigerung des Rechts auf Bildung im Iran zu lösen. 

Die Graswurzelinitiative verteilt den QR-Code, um auf die systematische Verweigerung des Rechts auf Bildung an politischen Aktivisten, Anhängern religiöser und ethnischer Minderheiten, Menschenrechtsverteidigern, Frauenrechtlerinnen, Studentenaktivisten, Bloggern und anderen jungen Menschen aufmerksam zu machen. 

“Die meisten Menschen sind nicht leicht zum Mitmachen bei Menschenrechtsaktionen zu begeistern“, sagt Ruha Reyhani, eine der Organisatorinnen aus Berlin. “Aber weil das hier als Rätsel daherkommt, werden Leute neugierig und wollen mitmachen.” 

„Mit dieser innovativen Nutzung des QR-Codes hoffen wir, dass soziale Netzwerke neue Maßstäbe fürs Mitmachen bei Themen wie soziale Gerechtigkeit und darüber hinaus für soziales Handeln setzen werden“, so Reyhani. 

Die Webseite der Kampagne fordert Besucher zu vier Schritten auf: das Bild einscannen, ein Video ansehen, eine Email an den Bundesaußenminister Guido Westerwelle, an UN Generalsekretär Ban Ki-Moon oder an die UN Hochkommissarin für Menschenrechte Navanethem Pillay zu schicken und dann die Kampagne in ihrem eigenen sozialen Netz bekannt zu machen. Innerhalb der ersten drei Tage wurden über 1000 E-Mails versandt. 

Nach dem Start in Berlin hat sich die Kampagne schnell nach Köln und Hamburg ausgedehnt, und inzwischen kann der Code bis nach Afrika, Mexiko, Afghanistan, Großbritannien und die USA verfolgt werden. 

Ruha Reyhani weist darauf hin, dass die iranische Regierung Studenten, die sich nicht an ihre Ziele und Machenschaften anpassen, diskriminiert. Die Liste der bekannt gewordenen Übergriffe gegen junge Menschen im Iran wird täglich länger. Zwangsexmatrikulationen von Studierenden, Folter und Mord an Studentenaktivisten, Säuberungswellen unter Akademikern an den Hochschulen sind Teil einer islamisch-fundamentalistischen Kulturrevolution, die alles der Staatsdoktrin der Islamischen Republik Iran unterwirft. 

Aber auch ethnische und religiöse Minderheiten ohne Anerkennung im Iran sind Zielscheibe. So kam es im Mai 2011 zu einer Verhaftungswelle gegenüber dem Lehrkörper des Bahá’í Instituts für Höhere Bildung (BIHE), einer Selbsthilfeeinrichtung, nachdem die iranische Regierung jugendlichen Bahá'í ihr Recht auf Zugang zu Universitäten seit Jahren verweigert. 

„Es gibt Situationen im Leben, die nicht von einem Menschen allein bewältigt werden können. Gerade dann ist gemeinschaftliches Handeln notwendig. Die Menschen im Iran können sich immer schwerer selbst helfen. Nun sind wir gefordert“, so Reyhani. 

Über die Aktion

Den Zugang zu Bildung verstehen die Menschen nicht nur hierzulande als ihr gutes Recht. Bildung und Ausbildung sind geradezu selbstverständlich, zumal sie beinahe kostenlos wahrgenommen werden. 
Wer sich jedoch einmal selbst fragt, wo er stünde, hätte er nicht all die Möglichkeiten dieses Bildungssystems gehabt, versteht schnell, wie wichtig und essentiell Bildung für den persönlichen Werdegang, die eigene berufliche Situation und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist. Eine Verweigerung des Rechts auf Bildung hätte für jeden verheerende Konsequenzen. 
Im Iran müssen sich junge Menschen jedoch genau mit dieser Realität abfinden: Systematisch wird ihnen der Zugang zu Universitäten verweigert. Und das nicht, weil es sie nicht gibt, sondern, weil diese jungen Menschen eine andere politische Meinung oder eine vermeintlich falsche religiöse Zugehörigkeit haben. 
Die iranische Regierung setzt den Ausschluss von Bildung systematisch als Mittel ihrer Unterdrückungspolitik ein. Studentische Aktivisten, FrauenrechtlerInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen, Blogger und Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten wie die der Bahá’í werden für ihr zivilgesellschaftliches Engagement mit dem Rauswurf aus Universitäten oder ihrer Nichtzulassung bestraft. So stehen derzeit die Angehörigen der Bahá’í-Religion, die sich für das Bahá’í Institute for Higher Education engagieren, einem Bildungsnetzwerk der iranischen Bahá’í-Gemeinde, unter starkem Verfolgungsdruck. 
Ihnen allen mutwillig den Zugang zu Universitäten zu verwehren, nimmt ihnen nicht nur ihre persönlichen Zukunftschancen. Die gesamte Gesellschaft nimmt Schaden. 
Es gibt Situationen im Leben, die nicht durch die von Unrecht betroffenen Menschen allein bewältigt werden können. Die Jugendlichen im Iran zählen dazu, und sie benötigen dringend die Unterstützung all derjenigen, die das Menschenrecht auf Bildung weltweit umgesetzt sehen möchten.

Was kann ich tun?
Menschen, die Unrecht erleiden, brauchen Deine Unterstützung. Heute sind es die jungen Menschen im Iran, denen das Menschenrecht auf Bildung verwehrt wird. 
Appelliere an Deine Regierung, sich für diese jungen Menschen im Iran einzusetzen!

Der Film auf youtube.