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Erinnerungsarbeit im Iran

mehriran.de - Parastou Forouhar stammt aus dem Iran. Die Künstlerin reist jedes Jahr in das Land ihrer Vorfahren, wo sie sich mit engagierten Menschen trifft, um an die Morde an ihre Eltern zu erinnern und in stillem Gedenken an den brutalen Mord an ihren politisch aktiven Eltern. Jedes Jahr schickt sie im Vorfeld ein Schreiben mit der Bitte um Unterstützung. Öffentliche Wahrnehmung kann ihr Leben schützen. Wir unterstützen ihr Anliegen in dem wir den vollen Text ihres Briefes veröffentlichen.

Die Künstlerin Parastou Forouhar

mehriran.de - Am kommenden Samstag reise ich nach Teheran, um meiner Eltern Parvaneh und Dariush Forouhar zu gedenken, die vor neunzehn Jahren im Zuge einer politischen Mordreihe durch Agenten des Geheimdienstes der Islamischen Republik Iran ermordet wurden. Wie die Jahre zuvor werde ich versuchen, am Todestag meiner Eltern am 22. November eine Gedenkfeier in ihrem Haus abzuhalten. Auch wenn seit Jahren eine Zusammenkunft an diesem Tag durch die Kontrollorgane des Regimes verhindert wird, bleibt dieser Anlass eine Möglichkeit, um Erinnerungsarbeit zu leisten, die Öffentlichkeit für das Thema wieder zu sensibilisieren und eine Gemeinschaft zu bilden, die die Aufklärung der politischen Verbrechen im Iran einfordert. 
Meine langjährigen Bemühungen diesen Prozess voranzutreiben wurden zunehmend erschwert, doch in den letzten beiden Jahren erreichten die mir auferlegten Drohungen neue Dimensionen. In meinem Reisebericht von 22.01 habe ich diese Vorgänge beschrieben: http://parastou-forouhar.de/wie-man-aus-einer-anklagerin-eine-angeklagte-macht-reisebericht-teheran-nov-dez-2016/#more-2416
Nun muss ich am 25. November einer Vorladung des Revolutionsgerichts folgen. An diesem Tag wird die Klage des Informationsministeriums der Islamischen Republik gegen mich bezüglich der “Propaganda gegen das System” und der “Beleidigung von Sakrosanktem“ verhandelt. 
Ob an diesem Tag ein Urteil gefällt wird, ist nicht sicher. Das Recht, „Widerspruch einzulegen“ und ein Revisionsverfahren einzuleiten bleibt mir erhalten.
Die Entscheidung, der gerichtlichen Vorladung zu folgen und mich der Situation zu stellen fiel mir nicht leicht. Meine Abwesenheit bei dieser Verhandlung hätte aber nach sich ziehen können, dass ich auf unbestimmte Zeit nicht mehr einreisen kann.Das Recht, den Iran zu bereisen, möchte ich so weit wie möglich nicht verlieren. Ich habe eine tiefgehende Beziehung zu dem Land, in dem ich aufgewachsen bin - und auch zu zahlreichen Menschen, die sich dort mühselig für eine freiere Gesellschaft einsetzen. Ebenso möchte ich die Erinnerungsarbeit, die ich seit Jahren vorantreibe, vor Ort fortsetzen können.  Hierbei möchte ich Sie um Ihre Solidarität und Unterstützung bitten.

Mit freundlichen Grüssen,Parastou Forouhar 

http://parastou-forouhar.de/http://parastou-forouhar.de/blog/