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Freiheit für alle politischen Insassen und Gewissensgefangenen im Iran

Musikalische Strassenaktion (Mustra) durch die Innenstadt Hannovers am 12. Oktober, ab 12:10 vom Opernplatz

Ein kleiner Vorgeschmack: Aktivisten bei einem Flashmob in Hannover

Iran ist ein Land voller Vielfalt, wie ein bunter Teppich, ein reiches Mosaik mit bunten Motiven. Schöne Landschaften, gastfreundliche Menschen und reiche Geschichte. Als der Schah Reza Pahlevi 1979 die Unterstützung westlicher Mächte verlor und aus dem Land floh, gab es eine breite Koalition aus allen gesellschaftlichen Schichten, die die Revolution mittrug. Doch bald übernahmen bärtige Revolutionsgardisten die Regie und begannen erst die Macht an sich zu reißen und schliesslich Andersdenkende zu beseitigen. Die sogenannte "Islamische Republik Iran“ hat seither diese Linie fortgeführt. Politische Gegner werden getötet oder für lange Zeit inhaftiert, zum Teil auch ohne Prozess (z.B. Zahra Rahnavard, Mehdi Karroubi, Mir Hossein Mousssavi). Religiöse Minderheiten oder selbst Muslime, die für eine Trennung zwischen Religion und Staat eintreten (z.B. Ayatollah Boroujerdi) werden in immer wieder kehrenden Kampagnen unter Druck gesetzt, verhaftet, geschlagen, gefoltert, dürfen viele Berufe nicht mehr ausüben oder werden vom Studium ausgeschlossen (Baha’i, Sufi-Derwische und andere Mystiker). Vor allem werden die Führer religiöser Minderheiten zur Zielscheibe (das Führungsgremium der Baha’i, Dr. Nour Ali Tabandeh, Oberhaupt der Nematollah Gonabadi Derwische u.a.). Ethnische Gruppen wie Kurden, Balutschen und Araber werden grundsätzlich verdächtigt Separatisten zu sein und stark benachteiligt, verfolgt und diskriminiert. Sunniten oder christliche Konvertiten werden verfolgt oder am Ausüben ihres Glaubens gehindert.
Journalisten und Anwälte, die sich eine eigene Meinungen leisten, sich für ihre verfolgten Mandanten einsetzen oder Nachrichten veröffentlichen, in denen diese Verfolgungen zur Sprache kommen, müssen um ihr Leben, ihren Beruf und ihre Rechte fürchten. Manche fliehen aus dem Iran (Shirin Ebadi, Shadi Sadr u.a.), andere erklären sich nach massivem Druck bereit zu kollaborieren und manche halten den Druck aus und nehmen großes Leid auf sich (z.B. Nasrin Sotoudeh, Mohammad Nourizad u.a.).Neuerdings werden auch Ärzte und Heiler verfolgt. So wird der für alternative Heilmethoden bekannt gewordene Dr. Mohammad Ali Tâheri mit der Todesstrafe bedroht. Ihm wird Gotteslästerung vorgeworfen. Dr. Tâheri hat seit mehr als 50 Tagen einen Hungerstreik auf sich genommen, um gegen die Behandlung durch die Behörden zu protestieren.Da das Regime im Iran sehr darum besorgt ist, als moralisch hochstehendes Land weltweit wahrgenommen zu werden, reagieren die Behörden dort oft nur, wenn man sich im Westen für Gefangene interessiert und öffentlich aktiv wird. So bitten wir alle Aktivisten nach Hannover, dem Ruf nach Freiheit für alle politischen Insassen und Gewissensgefangenen im Iran eine Stimme zu verleihen: Montag, 12. Oktober 2015, ab 12:10 ziehen wir vom Opernplatz zum Rathaus, zum Landtag, zur Marktkirche und zum Kröpke als Karawane mit bunten Plakaten von Menschen, die im Iran gefangen gehalten werden. Wir halten jeweils vor Ort, verteilen Flugblätter und spielen symbolisch 121 Sekunden einen einfachen Rhythmus, dann zieht die Karawane weiter. Die Initiative geht von Mitgliedern der Internationalen Organisation zum Schutz der Menschenrechte im Iran zusammen mit Erfân-e Halghe und Karamat e.V. aus. Andere Organisationen haben ihre Mithilfe zugesagt.

Helmut N. Gabel, IOPHRI