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Steinigungen sind Verrat am Islam

„Wann immer ein Mensch das Leben auch nur eines anderen menschlichen Wesens mit der Absicht zu morden oder zu töten, verdirbt, ist es, als begehe er Mord an der gesamten Menschheit. (Der Heilige Koran, Kapitel 5, Vers 32)

Aus einer Sendung von DORR TV mit Dr. Seyed M. Azmayesh

„Bestrafung durch Steinigung ist ein Brauch aus alten Zeiten, weit vor dem Mittelalter.“

1.Teil

Im Heiligen Koran verkündet der allgegenwärtige Gott eine Anschauung über das Gemeinschaftsleben einer Gesellschaft und die Gesetze und Regeln zu islamischen Strafen. Über dieses Thema werde ich jetzt sprechen.

Bevor wir jedoch in das Thema einsteigen, sollten wir uns daran erinnern, dass ein entscheidendes Merkmal innerhalb eines demokratischen Systems, die Unabhängigkeit der Justiz ist. Sie muss für Gerechtigkeit sorgen und das Recht schützen ohne von einer anderen Gewalt gesteuert zu werden. Das bedeutet, dass ein Richter Gottes gewahr sein muss, wenn er sein Urteil fällt und nicht unter dem Einfluss eines anderen stehen darf. Das kennzeichnet eine ideale Gesellschaft, in der es gerecht zugeht. Dies findet sich an vielen Stellen im Heiligen Koran, an denen Gott die Bedeutung dieses Themas hervorhebt (Kapitel 57, Vers 25 oder Kapitel 38, Vers 26). Es heißt: „Das Zeichen einer gesunden und gerechten Gesellschaft besteht darin, wie sehr darin Wahrheit, Gerechtigkeit und der Zweck und Sinn der Gesellschaft aufrecht erhalten werden.“

Mit diesen Worten aus dem Heiligen Koran im Hinterkopf, wollen wir die Degeneration und Korrumpierung untersuchen und verstehen. An anderer Stelle im Koran (Kapitel 30, Vers 41) lesen wir: 

„Das, was die Menschen zu ihrem eigenen Vorteil tun werden, wird in der Welt zu Zerstörung führen.“

Welche Zerstörung ist gemeint? Gemeint ist hier die Bildung eines Systems, das sich durch Unterdrückung hervortut, statt ein soziales Umfeld auf Grundlage von Gerechtigkeit zu schaffen. Es bedeutet, dass jedesmal wenn Unterdrückung Gerechtigkeit ersetzt und Recht durch Unrecht ausgetauscht wird, Willkür herrschen wird. Wo Willkür ist, folgt Korruption, und Korruption führt zu Zerstörung. Besonders finden sich diese Umstände in einer Gesellschaft, in der Korruption und Förderung von Korruption systematisch etabliert worden sind. Dort wird der Verfall eine Beschleunigung erfahren. Darüberhinaus ist das schlechteste und korrupteste System dasjenige, das von sich behauptet die Wahrheit zu repräsentieren und im Namen des Rechts Korruption verbreitet. Solch ein System ist das Schlimmste: ein System, das Gott und den Jüngsten Tag verleugnet und behauptet so sei nun mal das Leben, so sei die Welt und damit basta. (Kapitel 45, Vers 24)

So ist es. Aber ein System, dass an Gott und das Jüngste Gericht glaubt kann nicht einfach alles tun, was es gerade will. Die Gewalten, die die Gesetze ausführen, müssen nicht nur den Gesetzen verpflichtet sein, sondern über die Gesetze hinaus müssen sie Gottes Wort und den grundlegenden Zielen folgen, die sich auf die Entwicklung der Menschen und der Menschheit beziehen.

Somit kommen wir zu den Strafen im Islam. Es gibt ja durchaus Leute, die eine islamische Ordnung schaffen wollen. Sie glauben, wenn sie die Macht in einem Land errungen haben, dass sie islamisches Recht aufrecht erhalten wollen, so dass niemand unterdrückt wird. Sie erhoffen sich dadurch, ein Vorbild für die Welt zu sein, indem sie eine Ordnung schaffen, in der Ethik und Menschenrechte unterstützt und gefördert werden.

Damit erreichen wir die Stufe, auf der wir die besonderen Merkmale beschreiben, die in einem solchen System vorherrschen müssen und die Verhältnisse, die nicht sein dürfen.

Wir wissen, dass im Heiligen Koran zwei Mal die Sprache auf Steinigungen kommt. Dort wird Steinigung als eine Einheit zerstörende Handlung geschildert, die gegen die menschlichen Werte des Islams und im Widerspruch zum Islam ist. Sie wird als Methode von Tyrannen jener Zeit dargestellt Angst und Sorge bei den Leuten zu verbreiten. Das bedeutet, dass Steinigungen von denen angewandt wurden, die nicht an Gott glaubten und denen, die an ihrer Macht durch Gewalt festhielten. In welcher Zeit? Im Altertum! 

Dies weist darauf hin, dass die Strafe durch Steinigung, auch Lapidation genannt, in die Zeit vor dem Mittelalter gehört, in das Zeitalter als noch der Prophet Christus Jesus lebte. Zu jenen Zeiten war es eine übliche Bestrafungsart bei einigen Stämmen. Es wird von dem Tag berichtet, als eine Frau angeklagt wurde, vor ihrer Hochzeit ihre Keuschheit verloren zu haben. Sie brachten sie vor Jesus Christus und wollten sie steinigen, aber er hielt sie davon ab. Sein schlagendes Argument war der Hinweis darauf, dass derjenige den ersten Stein werfen solle, der ohne Sünde sei. Daraufhin zog einer nach dem anderen betroffen davon. 

Insgesamt herrscht aber bei den Gelehrten im islamischen Recht die Meinung, dass Steinigungen nicht durchgeführt werden können, weil das „Verbrechen“ für diese Bestrafung nicht bewiesen werden kann. Es werden nämlich vier Augenzeugen für die Unzucht gebraucht, die auch noch ehrbare Bürger sein müssen. Ohne die Bezeugung der Augenzeugen, kann das Urteil nicht gefällt werden, es sei denn die Person gesteht von selbst. Nimmt diese Person ihr Geständnis jedoch zurück und behauptet sein Geständnis sei falsch gewesen, so kommt der Richter nicht weiter. Das bedeutet, dass der Geschlechtsverkehr nicht nachgewiesen werden kann, wodurch kein Strafmaß festgelegt und durchgeführt werden kann.

Der Prophet Jesus Christus sagte: „Lasst diese Bestrafung bleiben und schafft diese Grausamkeit ab“. (in jenen Zeiten!)

Doch gab es genügend Leute, die nicht auf Jesus achteten und ihn auch nicht als Boten Gottes sahen, die aber die Praxis der Steinigungen weiterführten. 

Die Zeit verging also und wir schauen auf die Zeit, als die Frühchristen durch die römischen Herrscher verfolgt wurden. Auf Grund dieser Verfolgungen haben sich die berühmten sieben Schläfer, die Schüler von Jesus waren, in einer Höhle verborgen. Im Koran heißt es: „Hütet euch, wenn ihr die Stadt betretet, dass sie unser Geheimnis nicht erfahren. Denn sonst werden sie uns steinigen oder uns dazu bringen unsere Verbindung zu Gott aufzugeben.“ Daher gingen sie erst zu der Höhle. Weil die Herrschenden jener Zeit nicht an Gott glaubten und auch nicht Jesus als Botschafter Gottes anerkannten, verfolgten sie die Christen. Die Tyrannen, verschrieben der Macht und der Gewalt, die Herrschenden waren es gewohnt auf diese Weise die Menschen zu unterdrücken und eine Atmosphäre von Grabesstille in der Gesellschaft herzustellen. Dies ist eine der Geschichten.

Im heiligen Koran wird eine weitere Gegebenheit erwähnt, als drei Apostel von Jesus Christus ausgesandt werden, um mit Menschen über Gott zu sprechen. (Kapitel 36 im Koran)

Es gingen drei Apostel im Auftrag von Jesus Christus in eine Stadt, um mit Menschen über die Verbindung mit Gott zu sprechen. Sie wurden von den Herrschenden, die Macht und Gewalt innehatten, angehalten und aufgefordert umzukehren und nicht zum Volk jener Stadt zu sprechen. Sie drohten den drei Aposteln nicht beharrlich zu sein, denn sie würden gesteinigt werden und furchtbaren Misshandlungen ausgesetzt werden.

Weiteres dazu steht im Koran, den jeder lesen kann. Ein Bewohner geht aus der Stadt und lässt sich von den Aposteln taufen. Er wird später gefoltert und getötet und kommt in den Himmel, wo er von Gott voller Gnade und Mitgefühl aufgenommen wird und wünscht sich, dass die Leute davon wüssten, damit sie nicht länger die Tyrannei ihrer Unterdrücker dulden. 

Auf diese Weise werden im Heiligen Koran einige Geschichten über Steinigungen erwähnt.

Liebe Freunde, in diesen Kapiteln aus dem Koran wird die Steinigung als Bestrafung, die in der damaligen Gesellschaft angewandt wurde, geschildert. Der Koran spricht an mehreren Stellen über die Ausführung von Steinigungen. So wird zum Beispiel der Teufel gesteinigt. Es heißt, der Teufel habe sich den Ärger Gottes zugezogen und somit sei der Stein des Zorns gegen das Fenster seines Schicksals geworfen worden.

Wir hingegen sprechen hier über die Bestrafung durch Steinigung. Im Heiligen Koran wird Steinigung als Form der Strafe derjenigen Gesellschaften geschildert, die ungläubig waren. Sie wurde ausgeübt von den Tyrannen und Unterdrückern der herrschenden Klasse.

Es steht keine einzige Zeile im Heiligen Koran darüber, dass ein Prophet zu den Menschen gekommen sei, ihnen angedroht habe nur an einen Gott und die Einheit Gottes zu glauben, sonst würden sie durch Steinigung bestraft werden. Auch steht nichts darüber, dass sie keinen Alkohol trinken sollten, sonst würden sie die Strafe der Steinigung erleiden und dass sie aufhören sollten schlechte Dinge zu tun, sonst würde der Prophet sie steinigen, steht auch nicht geschrieben.

Hingegen steht im Heiligen Koran geschrieben, dass die Tyrannen ihre Machtstellung in der Gesellschaft missbraucht haben, um eine Friedhofsatmosphäre in der Gesellschaft herzustellen. Sie beschuldigten die Leute des Ehebruchs oder anderer Vergehen und steinigten sie anschließend vor den Augen der Bevölkerung, so dass diese mit eigenen Augen sehen konnten und sogar angewiesen wurden sich zu beteiligen, kleine Steine auf die Angeklagten zu werfen, dass die Person langsam und qualvoll sterben musste und ein abschreckendes Beispiel für andere sei, die sich gegen die Machthaber auflehnten.

Liebe Freunde, das was wir und jetzt vor Augen halten wollen ist, dass es keinerlei Grundlage für Steinigungen als eine islamische Bestrafung im Heiligen Koran gibt. Der Koran ist eine feste Säule des Islam und er bietet keine Rechtfertigung für Steinigungen. Es gibt keine Grundlage für Steinigungen als islamische Bestrafung im Heiligen Koran. Somit kann es ein Merkmal eines Nicht-Islamischen Systems sein, aber die Steinigung kann nicht Teil eines Islamischen Systems sein. Wie kann es also möglich sein, dass sich jemand in der Islamischen Republik hinstellt und eigenwillig ausspricht: Ich will Steinigungen ausführen?

Dies ist kein Hörensagen; es ist kein Vorwurf oder eine Behauptung der Regierung gegenüber. Es ist nicht zu leugnen. Der Justizminister Irans hat selbst geäußert, dass es in seiner Amtszeit eine Steinigung in Qazvin stattgefunden hat. Da wurde ein Mann bis zur Hüfte eingegraben und Leute wurde herbeigeholt und aufgefordert ihn so lange mit Steinen zu bewerfen, bis er stirbt.

Danach hat er den Vorfall dem Richter jener Region vorgeworfen. Ja, kommt denn der Richter jener Region vom Mars? Oder etwa vom Mond? Ist er nicht von der Erde, dass er einfach tun kann, wie es ihm gefällt? Gibt es denn keine Gesetze in der Islamischen Republik? Ist das Justizministerium nicht einer von drei autonomen Bereichen? Hat dieser Bereich keine gesetzlichen Organe? Ist er nicht im Dienste des Rechts da?

Falls doch, wie kann eine Person, die Richter einer Stadt ist, einen Bewohner Irans zur Steinigung verurteilen und ihn töten? Dies ist Mord im Namen des Islam, diese Tat lässt den Islam hässlich aussehen und dies ist eine Beschmutzung des Namens Islam.

Ich habe zu diesem Thema einen Brief geschrieben, der im Internet verbreitet wurde und die Muslime, die diesen Brief lesen konnten, waren sehr verwundert. Sie dachten, wenn Azmayesh die Wahrheit sagt, warum ist dann Steinigung ein Teil der Islamischen Gesetze, die gelten und die so viel Schande und Peinlichkeit über den Iran und was noch viel schlimmer ist, dem Namen des Islam gebracht hat. Die Rechtsgutachter der Islamwissenschaften sind bezüglich der Gesetze im Islam alle zu dem Schluss gekommen: sollte die Ausübung eines islamischen Gesetzes eine negative Rückwirkung auf den Namen des Islam haben, so wäre es besser dieses Gesetz aufzuheben.

Hier jedoch haben wir es ja mit einer Sache zu tun, die gar nicht verwurzelt ist im Islam, wie Azmayesh sagt, und gleichzeitig den Islam befleckt. Aus diesem Grund sind sie los gegangen die Behörden und Experten über dieses Thema zu befragen. Die islamischen Rechtskenner antworteten mit eindeutigen Rechtsgutachten (Fatwas).

Sie stimmten alle überein, dass der Heilige Koran keine Quelle für die Begründung der Strafe durch Steinigung bietet. Man findet jedoch in alten überlieferten Geschichten (Rewajat) die Grundlagen für die Steinigungen. Jedenfalls besagen die Rechtsgutachten der Experten im  Iran, dass diese Bestrafung verboten sei und ersetzt werden muss.

Was ich aber heute hier sage ist nicht nur, dass Steinigungen keine Grundlage im Heiligen Koran haben, sondern dass das Heilige Buch die Steinigung als Un-Islamische Praxis erwähnt und enthüllt, dass Steinigungen von Diktatoren und Unterdrückern des Altertums durchgeführt wurden.

Die einzige Gegend, in der Steinigungen keinen Raum haben dürften ist die Islamische Republik „Iran“ und die einzige Gegend, wo dies immer noch zur Anwendung kommt ist der „Iran“. Das einzige Land, das sich international mit dieser rohen, unmenschlichen, un-islamischen und unethischen Tat, die gegen den Koran ist, befleckt hat, ist Iran. Wie ist das möglich?

Herr Ayatollah Shahroodi (Justizminister), wie lange müssen wir diese Bedingungen noch hinnehmen?

In Zeiten der Nanotechnologie sind Steinigungen der letzte Stein aus der Steinzeit, der im Iran immer noch geworfen wird.

Lassen Sie mit Ihrem Titel eines „Justizministers“ diese rohe Tat nicht länger verantwortlich sein für die Wahnvorstellungen, die man sich von unserem geliebten Islam macht.

Teil Zwei

Wie zuvor erwähnt, hatte der Brief, der im Internet weite Verbreitung fand, sehr positive Folgen und viele Menschen waren erschüttert darüber zu lesen. Liebe Freunde, die sich interessierten, waren verwundert und hatten sehr viele Fragen. Diese zu beantworten ist höchst wichtig. Hier sind einige der Fragen, die wir erhielten.

Fragen

Wenn es die Strafe durch Steinigung im Koran nicht gibt, wie konnte sie im Laufe der Geschichte als ein Islamisches Gesetz Eingang finden?

Gibt es irgendeinen Vers, der dies aufzei

Ein anderer Zuschauer hat einige Fragen gestellt:

Ist es wahr, dass alle verbotenen Handlungen vor der Zeit des Islam mit Steinigungen bestraft wurden oder wurde nur Ehebruch damit bestraft?

Warum haben Muslime die Steinigung nur als Strafe für Ehebruch und woher stammt die Anweisung für die Größe der Steine, die bei der Steinigung benutzt werden? Gibt es im Koran ein Gesetz dazu?

Antworten zu den Fragen

Liebe Freunde, ich wünsche Euch Gesundheit und Glück wo auch immer Ihr seid.

Es gab einige Fragen zu der letzten Sendung, die ich jetzt beantworten will. Liebe Freunde, eine dieser Fragen handelt von dem Widerspruch zwischen Versen aus dem Heiligen Koran und „alten Geschichten“, die man unter Namen „Rewajat“ kennt. Um das alles besser zu verstehen, gehe ich zunächst auf die vier Säulen der islamischen Gesetze ein:

Eine davon sind die Verse des Korans, der natürlich die wichtigste Säule von den vieren ist. Ich werde gleich erläutern warum.

Die Sitten des Propheten Mohammad ( Möge Frieden mit ihm sein und mit seinen Kindern ) für allgemeine Rechtsfragen und die gesamte Tradition des Propheten und der 14 Unschuldigen, die seine Kinder  und Enkelkinder waren, für spezielle Rechtsfragen.

So haben wir noch zwei Quellen übrig, wovon eine ist:

Den Verstand zu gebrauchen und zu versuchen tiefer in den Koran hineinzublicken und die Gebräuche des Propheten und seiner Kinder zu verstehen.

Die islamischen Gelehrten und Autoritäten, die zusammen kommen, um ein Thema zu diskutieren und sich als Mehrheit über manches verständigen.

Wir haben also vier Quellen. Wir wissen jetzt auch, dass der Koran eine der Quellen ist, aber die Frage ist, warum er als wichtigste Quelle gilt? Der Grund ist, dass der Heilige Koran die Grundlage für die Religion ist. Der Heilige Koran ist die Essenz des geistigen Schulungsweges. Der Heilige Koran besteht aus Versen die unterteilt werden in: die Sicheren, deren Bedeutung sich dem Leser klar erschließt und die Mehrdeutigen, deren Bedeutung nicht so klar ist und eine Interpretation von Nöten ist. Bei diesen müssen wir erst die Verse des heiligen Koran verstehen und dann in der Lage sein Regeln daraus abzuleiten.

Aber beides stammt aus dem Koran. Jetzt wollen wir also aus dem Koran Regeln herauslesen für Situationen, denen wir ausgesetzt sind, wenn neue Technologien wie das Klonen oder die künstliche Befruchtung aufkommen. Dies sind Themen, die zuvor nicht vorhanden waren. Aus diesem Grund konnte es auch noch keine auf sie anwendbaren Gesetze geben. Die Entwicklung der Technologien waren noch nicht so weit fortgeschritten wie heute und die Wissenschaften war noch nicht auf dem heutigen Stand, daher gibt es keine Gesetze, die solche Themen behandeln. Heutzutage wollen die Muslime aber wissen, wie sie mit solchen Themen gemäß den islamischen Gesetzen in der modernen Zeit umgehen sollen.

Somit kommen die Islamischen Gelehrten zusammen und leiten eine Handhabung aus dem Heiligen Koran ab, ebenso aus der der Tradition des Propheten und den Dingen, die ich vorhin erwähnte.

Aber die Sitten des Großen Propheten sind ja der lebendige und aussagekräftige Koran. Das bedeutet, dass wir uns dem Koran und dem Verständnis des Korans besser nähern können, indem wir das Leben des Propheten betrachten, seine Taten, seine Aussagen, sein Verhalten und seine Hinweise. Die Traditionen des Propheten werden –Gott behüte – nicht gegen den Koran sein, dass zum Beispiel der Prophet etwas äußert und der Koran etwas Gegenteiliges bringt und wir hätten dann zu wählen zwischen den beiden! So ist es keinesfalls!

Jetzt schauen wir auf die Widersprüche zwischen den Versen des Korans und den alten Geschichten (Rewajat). Was ist das, Rewajat? Einst sagte der Prophet: „Ich bin wie eine Stadt voller Weisheit und Ali ist das Tor zu dieser Stadt“. Dies sind die genauen Worte des Propheten, die meistens „Hadith“ genannt werden. Die Äußerungen des Propheten finden sich in vier Kategorien:

Die Verse des Korans.

Die Ratschläge, die er gab. (Hadith nabavi)

Die Botschaften des Erzengels Gabriel, die der Prophet geäußert hat, die aber nicht im Koran enthalten sind. (Hadith qudsi)

Die Alltagsworte des Propheten, die im Koran erwähnt werden, wie zum Beispiel: „Als du zu einer deiner Frauen sprachst…“. Dies unterscheidet sich von den anderen dreien dadurch, dass keine göttliche Lehre darin enthalten ist und die Worte auch nicht vom Erzengel Gabriel stammen.

Es gibt also Alltagsaussagen und Aussagen, die aus göttlicher Quelle stammen. Wenn der Prophet also spricht: „Ich bin wie eine Stadt voller Weisheit und Ali ist das Tor zu dieser Stadt“, oder „Diejenigen, die mir folgen, folgen von nun an Ali“, so sind das Aussagen des Propheten selbst, die er vor anderen Menschen kundgab und die sich von da ab verbreiteten. Darin sind Lehren enthalten. Es gibt Aussagen über seine Anhänger, über die Gesetze an die sich Muslime halten sollten, aber es gibt auch einen weiteren Themenbereich, der Rewajat heißt.

Jetzt werde ich Euch ein Beispiel davon geben, dass Ihr den Unterschied sehen könnt zwischen den verschiedenen Hadith, die dem Großen Propheten und seinen Nachkommen zugesprochen werden. Insgesamt kommen die Hadithe und Erzählungen über den Propheten und die 14 unschuldigen Nächsten in mehreren Versionen vor. Es gibt Hadithe, die schwach sind, verlorene Hadithe, unbedeutende Hadithe und wahre Hadithe. Und es gibt die Menschen, die die Hadithe kennen und die Technik beherrschen sie zu unterscheiden und sie richtig zuzuordnen, aber dies weiter zu vertiefen, wird uns zu weit von unserem Fokus bringen. Das bedeutet also, dass es eine Vielzahl von überlieferten Aussagen gibt, die dem Propheten zugesprochen wurden und dass diejenigen, die die Kenntnis über die Hadithen haben, unterscheiden können zwischen den echten, die wirklich vom Propheten stammen und den gefälschten, welche man erfunden hat und sie dem Propheten in den Mund gelegt hat. Wenn also das Thema der Hadithe klar ist, können wir uns nun mit den „Rewajat“ beschäftigen.

Liebe Freunde, „Rewajat“ sind „Geschichten“, die ein Erzähler von sich gibt. Zum Beispiel folgende Geschichte: der Prophet saß mit seinen Schülern als eine ungläubige Person mit Namen Nazr ebne Harece dazukam und den Propheten zu beschimpfen begann und als der Prophet zu ihm spricht beginnt er zu zittern und rennt davon; dies ist eine „Rewajat“.

Es gibt also einige Leute, die in eine dieser Geschichten schauen wollen und ein Gesetz daraus ableiten wollen. Hier schließen wir uns wieder an unseren Ausgangspunkt an: die Strafe der Steinigung.

Eine dieser Geschichten erzählt, dass zwei Menschen zum Propheten kamen und ihm gestanden Ehebruch begannen zu haben. Sie wollten wissen, was zu tun sei. Der Prophet fragte sie nach ihrem religiösen Bekenntnis und sie gaben an jüdischen Glaubens zu sein. Der Prophet riet nach den eigenen Traditionen zu handeln und da in dieser Tradition die Strafe der Steinigung für diesen Fall vorgesehen war, wollen manche Leute den Schluss ziehen, dass der Prophet zu seiner Zeit die Strafe der Steinigung angeordnet habe. Liebe Freunde, dies ist Rewajat. Kein Hadith ist damit verbunden, es gibt keine Verse im Koran darüber, hier tritt nur ein Erzähler auf und berichtet eine Geschichte, wie er es erfahren hat und andere Personen kommen jetzt daher und wollen ein Gesetz davon ableiten und sagen dazu noch, da es im Koran nicht vorkommt, können wir uns an diese alte Geschichte halten. 

Wer hat denn nun diese Geschichte überhaupt erzählt? Wir müssen das betrachten und herausfinden wie viel Wahrheitsgehalt in der Geschichte steckt oder wie schwach sie ist. Nach dieser Untersuchung werden wir sehen, ob diese Geschichte etwas mit den Muslimen zu tun hat oder nicht. Diese Geschichte ist mit einem anderen Thema verbunden, als zur Zeit des Imams Jafar Sadeq (6. Imam) Leute zu ihm kamen und ihm von einer Frau und einem Mann aus der gleichen Familie, die sich vermählen wollten, erzählten. Dies war bei den Muslimen verboten, aber bei den Zoroastriern jener Zeit Praxis. Der Imam fragt das Paar nach ihrem Glauben. Sie geben sich als Zoroastrier zu erkennen und der Imam stellt fest, dass dies unter den Zoroastriern nicht verboten ist und gibt Anweisung sie nach ihrem eigenen Glauben handeln zu lassen, denn es habe nichts mit dem Islam zu tun. Wie Ihr hier sehen könnt, können wir diesen Anlass nicht übertragen und sagen die Ehe zwischen Bruder und Schwester sei im Islam gesetzlich erlaubt.

Es ist jetzt auch nicht gesetzeskonform und steht auch im Heiligen Koran geschrieben, doch waren die beiden nicht Korangläubige. Es ist das gleiche wie in der erwähnten Geschichte von dem jüdischen Paar aus der Rewajat.

Wir setzen uns aber auseinander mit der Frage, ob es möglich ist, dass eine Geschichte, eine „Rewajat“, den Versen des Korans widerspricht. Und falls das der Fall ist, welche Konsequenzen das hat. Es ist wie in dem Beispiel über die Ehe innerhalb einer Familie.

Wir diskutieren also darüber, dass es keine Propheten gab, die sich hinstellten und sagten wer eine Sünde begeht oder Ehebruch begeht wird mit Steinigung bestraft: so etwas steht definitiv nicht im Heiligen Koran! Wo Steinigungen im Koran erwähnt werden, stehen sie nicht in Verbindung mit der Praxis der Propheten. Aus diesem Grund stimmt der Koran Steinigungen nicht zu, der Koran schweigt auch nicht zu diesem Thema. Der Koran ist nicht stumm, er hat einen ablehnenden Standpunkt zu den Steinigungen.

Wenn also eine alte Geschichte (Rewajat) die Umstände in dieser Weise darstellt und den Koranversen widerspricht, die ganz klar die Steinigungen als Strafe der Tyrannen aus dem Altertum aufzeigen, wenn diese beiden Quellen sich widersprechen, können wir den Koran nicht einfach beiseite legen und behaupten, das würde im Rewajat so geschrieben stehen. Nein! Wir müssen den Koran zur Hand nehmen und zu dem Ergebnis kommen, dass dieses Rewajat unzuverlässig ist!

Ich will Euch ein weiteres Rewajat anführen, in dem der Erzähler folgendes berichtet: „Aisha war eine Frau des Propheten. Sie hat von einem Bett erzählt, das sie mit dem Propheten teilte. Der Vers, der im Koran hätte sein sollen über Steinigungen stand auf einem Blatt von einem Baum geschrieben, das an diesem Bett dran war. Nachdem der Prophet gestorben war, kamen viele Leute in das Haus und mit ihnen auch eine Ziege, die das Blatt auffraß, wodurch der Vers verloren war. Auf jeden Fall habe es den Vers gegeben.“ Daraufhin sagen doch tatsächlich einige Leute, dass es den Vers gegeben habe und verloren gegangen sei und wir danach handeln sollten.

Bei diesem Rewajat, meine lieben Freunde, müsst ihr Euch von Eurer Vernunft leiten lassen.

Der Koran ist ja tatsächlich nicht geschrieben worden. Der Koran wurde rezitiert und die Menschen haben den Koran verinnerlicht, auswendig gekonnt. Die wörtliche Übersetzung von Koran bedeutet Rezitieren. Erst später wurde er als Buch niedergeschrieben. Die Menschen konnten viele Verse auswendig und als sie später den Koran weitergeben wollten, schrieben sie ihn als Buch auf. 

Man hat nicht irgendwelche Schriftstücke von hier oder dort zusammengetragen und sie zu einem Buch geformt. Wenn also solch ein Vers existiert hat, hätten sicher zehn oder fünfzehn Schüler des Propheten, die noch zu den Zeiten lebten als der Koran als Buch aufgeschrieben wurde, davon gehört gehabt. Es war sicher nicht so, dass der Prophet oder eine andere Person einen Vers heimlich auf ein Blatt niederschrieb, so dass eine Ziege kommen kann und ihn auffrisst. Dadurch wird klar, dass diese Rewajat sehr schwach ist. Man kann daraus kein Gesetz ableiten. Der Prophet selbst hat niemals Steinigungen angeordnet; es gibt kein Hadith von ihm, wo er so etwas sagt. Als Ergebnis davon haben wir keinen Muslim, der durch Steinigung bestraft wurde auf Grund einer Anweisung des Propheten. Er hat auch niemals einen Muslim zum Gesteinigt werden verurteilt. In den Hadith-Sammlungen, die aus den Aussagen des Propheten und den Ereignissen bestehen und sowohl von den Schiiten als auch von den Sunniten anerkannt sind, gibt es keinen einzigen Vorfall in dem der Große Prophet Steinigungen als Strafe für Ehebruch angeordnet hat. Dies hat niemals stattgefunden, nicht ein einziges Mal.

Es gibt also keine Verbindung zum Propheten, es wird nicht im Koran erwähnt und auch nicht in den Weisungen des Propheten (Hadith nabavi) und es gibt auch keine Spur davon in den Äußerungen des Propheten, die er von dem Erzengel Gabriel (Hadith qudsi) empfangen hat. Wenn wir also die beiden schwachen Überlieferungen (Rewajat) untersuchen, wird sehr schnell klar, dass wir keinerlei Ansatzpunkt finden, aus dem wir ein Regelung erkennen können, die ein Gesetz als Islamische Bestrafung zulässt. Dieser Teil behandelte die allgemeinen sozialen Gesetze.

Der Unterschied zwischen den Versen des Korans und dem Rewajat wird klar. Es wird klar, dass bei jedem Widerspruch zwischen einem Koranvers und einer Rewajat, keine Unsicherheit besteht. Wir müssen nach dem Koranvers handeln, da gibt es keinen Zweifel! Es gibt keinen Zweifel und auch kein Raum für Deuteleien. Es bedeutet, dass es notwendig ist den Islam aus dem Heiligen Buch des Korans zu verstehen.

Die Quelle und Grundlage und die Säule des Islams ist der Heilige Koran und nichts anderes. Im Koran steht geschrieben, dass die Muslime die Quelle der Einheit finden werden, wenn sie sich dem Koran wieder zuwenden und sich auf ihn beziehen. Wir stehen aber vor der Herausforderung, dass in vielen Schulen und Klassenzimmern wo der Islam unterrichtet wird, Rewajat eine bedeutendere Rolle einnimmt als der Koran. Tatsächlich gibt es viele Leute, die Schlüsse gänzlich aus diesen alten Geschichten ziehen und sich um den Koran überhaupt nicht scheren. Es bedeutet, jetzt zitiere ich den Koran: „Der Koran ist ihrer Meinung nach altmodisch“ (Kapitel 30) Wenn wir den Koran vor Augen halten und im Licht des Korans forschen wollen, um Regelungen abzuleiten oder Schlüsse zu ziehen, findet die Steinigung keine Erwähnung und hängt auch nicht mit der Tradition des Großen Propheten zusammen, der der erste Lehrer der Unterweisungen im Koran war. 

Es ist also kein Raum für die Fortführungen der Steinigungen als Islamische Bestrafung mit dem Koran als Grundlage.

 

Übersetzung Helmut N. Gabel