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Menschheit, Hass und Liebe - Teil III

mehriran.de - Dieses Manifest wurde im Dezember 2007 durch die Bewegung fortschrittlich denkender Sufi-Muslime geschrieben und 2009 als kostenlose Schrift herausgegeben. Sie ist aktueller denn je. Wir veröffentlichen diese Schrift in mehreren Teilen auf mehriran.de in der Hoffnung Dialoge in Gang zu setzen, die unerlässlich für einen zivilisierten Fortbestand und Weiterentwicklung unserer modernen Gesellschaft sind.

 

mehriran.de - Fortsetzung von Teil I und Teil II

Warum ist der Koran bedeutsam?

In den islamischen Ländern können alle anderen heiligen Schriften, wie die Baghavadgita, die Bibel, die Thora, das Awesta usw. keine Alternative zum Koran darstellen. Die Bevölkerung der islamisch geprägten Länder glaubt an den Islam und wenn jemand anführt, dass in der Bibel oder in der Baghavadgita oder in jeder weiteren Offenbarungsschrift etwas anderes geschrieben steht, sagen die Muslime: „ Na prima, das ist für die, die daran glauben wichtig. Wir folgen unserem muslimischen Glauben. Uns interessiert keine andere Schrift oder Kultur oder Religion. Für uns ist der Inhalt des islamischen Glaubens wichtig. Durch die ganze Geschichte hindurch, wenden sich die Sufi an die Muslime mit der Frage, was sie unter Islam verstehen, welches Konzept sie vom Islam haben. Wir wissen nicht, wie es für euch ist, aber für uns ist der Koran die Hauptsäule des Islam und was im Koran steht, wenden wir im täglichen Leben an. Für alles, was wir tun, haben wir die Unterstützung im Koran. Wir sind also Muslime, haben aber ein anderes Verständnis des Korans. Wir sollten also unsere Versionen des Korans miteinander vergleichen, um zu schauen, welche näher am Koran ist. Die Hauptquelle für den Islam ist der Koran. Und wir müssen auf diese Weise entscheiden, welcher Weg der des Korans ist.

Der Koran gibt Gottes Wort wieder. Was danach kommt, entspringt dem Verstand, der Anmaßung oder der Erfindung der Menschen. Der Koran ist heilig, andere Aussagen sind nicht heilig. Da wir den Koran haben, warum sollten wir uns auf andere Schriften beziehen?

Die Sufis haben den Anspruch zu versuchen den Lehren des Korans zu folgen; nicht mehr und nicht weniger. Das ist alles. Aus diesem Grund wurde das Sufitum in den muslimischen Ländern immer als Alternative zum Islam betrachtet, blieb aber eine Randerscheinung, weil niemand im Namen des Sufitums jemals ein Land regiert hat.

Vergangener und gegenwärtiger Anspruch der Sufis

Sufitum hat den Zweck, übersinnliche Wahrnehmung auszubilden, damit sich der Einzelne selbst wesenhaft erkennt, damit er oder sie sich ganzheitlich entwickeln kann. Doch ist es wichtig zu wissen, dass die Hauptquelle der Inspiration der Koran ist.
Die Sufis halten sich für authentische Muslime. In ihren Augen haben sie das Koranwissen aufgenommen und gründen ihre Handlungen auf diese Werte dieser Schrift.

Rumi hat diese Tatsache sehr eindringlich hervorgehoben. Er lebte in einer sehr unruhigen Zeit der Weltgeschichte. Es war die Zeit der Mongolenstürme in vielen Regionen der Welt, insbesondere in den muslimischen Ländern. In dieser Zeit konnte Rumi Dschingis Khan keinen Ratschlag geben. Sie teilten nicht die gleiche Weltanschauung. Dschingis Khan hatte die Jassa, die Gesetzessammlung der mongolischen Völker. Er folgte einer anderen Schrift, anderen Grundsätzen.

Saadi und Hafis jedoch konnten den Herrscher ihrer Zeit und ihrer Region kritisieren, weil er vorgab Muslim zu sein. Hafis sagte zu ihm: „Was du da tust, stimmt nicht mit den Grundsätzen des Islam überein, denn es widerspricht dem Koran.“

Warum ist dies nicht nur für muslimische Länder bedeutsam?

Die Hauptsorge der gesamten Welt gilt der Frage, wie mit den Herausforderungen, die aus muslimisch geprägten Ländern kommen, umgegangen werden kann. Viele Menschen in muslimischen Staaten wollen die Symbole von Zivilisation und Fortschritt im Namen des Islams angreifen und zerstören. Wenn wir das Problem der Fehldeutung des Islam lösen können, wenn wir den Muslimen klar machen können, dass es einen Weg gibt, der näher an den Lehren des Koran, eine menschlichere Version von Islam, die dem Geist der Koranweisheiten näher ist, wenn viele Muslime eine andere Haltung gewinnen, werden viele Probleme in der Welt gelöst sein.

Dies ist die Bedeutung und der Anspruch von Sufitum für unsere Zeit.

Bedeutsam war die Existenz des Sufitums stets, doch der Unterschied liegt darin, dass Sufis mit den eigenen Zielen beschäftigt waren. Sie haben ihre Schüler unterwiesen, um Frieden und Ruhe in jedem Einzelnen zu ermöglichen. Doch stehen wir jetzt vor der Frage, wie wir die Friedensbotschaft, einen Weg zu Frieden in der ganzen Welt, aufzeigen können.

Die Aufgabe der Sufis in der Gegenwart lautet: schaue mit offenem Sinn in den Koran und du wirst eine ganz andere Version darin finden. Wir können Muslime sein, ohne reaktionär zu sein; wir können Muslime sein ohne fanatisch zu sein; wir können tolerant und Muslim sein, all dies ist möglich.

In der Gegenwart hat das Sufitum eine historische Mission: der ganzen Welt und nicht nur den Muslimen zu zeigen, dass viele Missverständnisse über die Lehren des Korans und des Islams kursieren.

Der Auftrag Mohammeds

In unserer Zeit stecken wir in einem sehr großen Dilemma. Als Mohammad 15 Jahrhunderte vor unserer Zeit in Arabien lebte, war er in einen Stamm hineingeboren, der sich völlig in Aberglauben und Obskurantismus verloren hatte. Diese Menschen konnten weder lesen noch schreiben. Sie beteten Idole aus Stein und Holz an. Es waren Menschen, die Vernunft, Philosophie, Wissenschaft und Weisheit nicht erfahren hatten. Mohammad war ein Prophet, ein göttlicher Bote, ein spiritueller Lehrer. Eine der Folgen seiner Mission war eine kulturelle Revolution, die sich in seiner Heimatregion vollzog. Zum ersten Mal konfrontierte er sein Volk mit dem Wort „Ketab“. Das Buch. Was ist ein Buch? Wie kann man ein Buch schreiben? Wie kann man ein Buch lesen? Wie kann man aus einem Buch lernen? All das brachte er ihnen bei.

Er forderte seine Leute auf, mit dem Steine-anbeten aufzuhören und stattdessen den Weg Gottes zu gehen. Wie? Durch Selbsterkenntnis. Erforsche dein Wesen, das wird genügen. Er zeigte ihnen Kultur und Weisheit und die Überlieferung von Wissen und Weisheit an die kommenden Generationen durch das Schreiben und Lesen von Büchern. Es war eine sehr umfassende historische Mission für seine Zeit. Und jetzt erleben wir, wie Leute in bestimmten Teilen der Welt mit überwiegend muslimischer Bevölkerung, obwohl sie Muslime sind und sich Anhänger Mohammads wähnen, in die Gegenrichtung der kulturellen und spirituellen Revolution ihres eigenen Propheten gehen. Zur Zeit Mohammads verwandelten sie die Beytullah, das Haus Gottes in Mekka, in ein Haus der Idole. Es war mit 360 Idolen gefüllt. Jeder Stamm hatte sein eigenes steinernes Idol darin platziert. Somit war es nicht länger Gottes Haus, sondern ein Götzenhaus. Es war die Zeit, die von Aberglauben und Obskurantismus und Geistesdunkelheit beherrscht war. Die Aufgabe Mohammads war die Idole zu vernichten und sie aus dem Haus Allahs zu verbannen.

Jetzt befinden wir uns im 21. Jahrhundert und wir sehen Leute, die einen vertrockneten Brunnen in der Wüste anbeten und Wunder daraus erwarten.

Also, wenn dies kein Aberglaube ist, was ist Aberglaube dann? Dieser Glaube an den vertrockneten Brunnen und die Erwartung von Wundern daraus, hat mit dem Islam nichts zu tun, mit dem Koran nichts gemein.[1] Es läuft der Mission Mohammads zuwider. Es ist sehr schwer anzunehmen und schier unglaublich, dass Millionen Menschen diesen Weg des Aberglaubens gehen. Dabei glauben sie auch noch, aufrechte und gute Muslime zu sein. Sie glauben die besten Menschen, die je von Gott geschaffen wurden, zu sein. Im Koran gibt es einen Vers, der besagt: „Die größten Verlierer sind die Menschen, die die falschen Handlungen vollführen und glauben, gute Taten zu vollbringen.“ Sie verlieren ihre Energie und ihre Zeit, während sie glauben, Gutes zu vollbringen und dabei Schlimmstes tun. Sie sind die größten Verlierer vor Gott. Dieses Beispiel erleben wir in unserer Zeit. Jeden Tag werden eine Unmenge abergläubischer Praktiken unter dem Namen von Islam angewandt. Die große Mehrheit dieser Menschen weiß nichts über die Lehren des Korans. Islam ist unbekannt. Der Koran ist unbekannt. Es ist notwendig, all diesen Menschen klar zu machen, dass ihr Handeln und Denken im Gegensatz zu den Lehren und der Mission Mohammads steht.
Nicht erfinden wollen wir, was wir hier sagen. Die Sufis sagen dies seit 15 Jahrhunderten. Die Sufis erwarten kein Wunder aus irgendeinem trockenen Brunnen. Sie suchen Gottes Licht in ihrem Herzen. Wenn der Weg des Sufitums bei der muslimischen Bevölkerung und bei der Nicht-Muslimischen Bevölkerung bekannt ist, könnten Frieden und Toleranz zwischen den Zivilisationen und den Kulturen und den Religionen möglich sein. Darüber hinaus wird weniger Spielraum für Aberglauben innerhalb der muslimischen Länder sein. Das betrachten wir als sehr, sehr wichtig.

Notwendigkeit unserer Zeit

Die Notwendigkeit unserer Zeit liegt im Verhindern von Aberglauben.

Wir wollen die Gesellschaften in der gesamten Welt und besonders die westlichen Gesellschaften sensibilisieren, einen Dialog über den echten Islam zu führen, denn wir sehen, dass sich im Westen das Missverständnis bezüglich Islam unter den Einwanderern muslimischen Glaubens immer weiter verschärfen wird. Sie glauben, wenn sie gegen die etablierte Gesellschaft sind oder hasserfüllt gegen die Gesellschaft vorgehen, seien sie gute Muslime.
Wir wollen ihnen sagen, dass dies nicht wahr ist. Islam ist der Weg von Entwicklung, Fortschritt und Entdeckungen. Es ist sehr wichtig, die ganze Welt darüber aufzuklären, was der Koran mitzuteilen hat: dass die Anbetung von trockenen Brunnen und ähnlichem nichts mit Islam zu tun hat, dass es nicht nötig ist, die Menschen zu fanatisieren und durch absonderliche Lehren Gehirnwäsche bei den Leuten zu betreiben, um sie nachher zu Selbstmordattentaten und anderen zerstörerischen Handlungen gegen die moderne Gesellschaft aufzuhetzen.

Nur durch den Intellekt oder Reden über Menschenrechte ist es nicht möglich, in den Köpfen der Bewohner muslimischer Länder etwas zu erreichen. Wenn die UN die Regierung eines muslimischen Landes ermahnt, die Menschenrechte zu beachten, antwortet die Regierung: „Ihr folgt den Menschenrechten, die ihr selbst erfunden habt. Wir folgen dem islamischen Recht, das von Gott gegeben wurde und das uns viel wichtiger ist, als eure Menschenrechte.“ Wir müssen ihnen entgegnen, dass das nicht stimmt. Was diese Regierungen befolgen, steht nirgendwo im Koran. Im Koran steht das Gegenteil von dem, was sie tun. Wir müssen mit ihnen von Muslim zu Muslim sprechen. Christen oder Buddhisten zum Beispiel können keine Kritik an den Muslimen anbringen, denn ihr Standpunkt wird von vorneherein von einem Muslim nicht akzeptiert. Ein Muslim erhebt den Anspruch Recht zu haben, da er bereits ein Muslim ist und ein Nicht-Muslim liegt falsch, einfach dadurch, weil er kein Muslim ist. Ein Dialog ist so nicht möglich. Sie halten sich für höherwertig. Doch wenn man mit ihnen als Muslim spricht und man ihnen aufzeigen kann, dass ihr Konzept von Islam nichts mit dem Koran gemein hat, werden sie sich auf diese Weise überzeugen lassen.
Es ist allemal vernünftiger, Gespräche auf internationaler Ebene über den Stellenwert der Menschenrechte im Koran zu führen, als in der Stube zu sitzen und Rechtsgutachten über Menschenrechte zu erlassen. Wir rufen hiermit nachdrücklich die internationale Gemeinschaft zu einem Dialog über den Stellenwert von Menschenrechten im Koran auf.

Bewegung Fortschrittlich Denkender Sufi-Muslime


[1] Nahe Qom, Iran, steht ein Brunnen über den eine Moschee gebaut wurde. Laut Mahmoud Ahmadinedschad, einem ehemaligen Präsidenten Irans, wird der verborgene Mahdi, der sehnsüchtig erwartete Erlöser der Schiiten, aus diesem Brunnen in die Welt zurück kehren. Seither pilgern Millionen Gläubige dorthin, um ihre Klagen und Wünsche auf Zetteln in den Brunnen zu werfen.